Zeitungsfrühstück, Folge 75

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Herzlich willkommen zum 75. Zeitungsfrühstück, meine Lieben! Heute am Zeitungsfrühstücksbüffet meine Highlights aus dem Zeitmagazin und der Zeit Nr. 44 vom 23. Oktober 2013. Bon ap‘!

Du sollst nicht mit dem Finger zeigen

Kennt ihr noch diese Ermahnung, nicht mit dem nackten Finger auf angezogene Leute zu zeigen? Ich fand das immer schade, weil auf etwas oder jemanden zu zeigen schneller geht als etwas oder jemanden zu umschreiben. Aber es gilt als unhöflich. In Harald Martensteins Kolumne geht es diesmal um „staatliche Fingerzeige und Warnhinweise“ und ihren Sinn oder ihre Zweifelhaftigkeit.  Besonders interessant ist die Auswahl der vier betrachteten (Bundes) Länder.

It’s all in my head

Sehr lesenswert ist das Interview „Meine Welt und ich“ mit dem Physiker und Bewusstseinsforscher Christoph Koch in der Reihe „Stefan Kleins Wissenschaftsgespräche“. Unter anderem scheint es Hirnzellen zu geben, die speziell für die Erkennung von Hollywoodstars zuständig sind – ich glaube, die sind bei Paparazzi besonders stark ausgebildet.

Herr Überall

Das Feuilleton startet mit einem Interview von Adam Soboczynski mit dem Schauspieler Daniel Brühl, der demnächst in vier Filmen zu sehen sein wird, die alle interessant klingen und sicher eine hohe Wandlungsfähigkeit des Schauspielers verlangen: „Inside WikiLeaks – Die fünfte Gewalt“, „Rush“, „Ich und Kaminski“ und „The Face of an Angel“. Im Interview geht es übrigens um viele Themen, zu denen Brühl eher nichts sagen möchte – was natürlich auch wieder etwas über ihn aussagt. Ich fand ihn sehr sympathisch.

Friedhofsmarketing

Sehr gut gefiel mir der Artikel „Die Angst des Friedhofs vor dem Tod“ von Hennig Sussebach im Dossier der Zeit. Darin geht es um die Sorgen des Ohlsdorfer Großfriedhofs – und er ist wirklich riesig, größer als der Central Park in New York, 300 Mitarbeiter. Aber nicht mehr so gut „ausgelastet“ wie früher. Denn auch Friedhöfe bzw. ihre Leiter wollen keine roten Zahlen schreiben.

In diesem Beitrag lernt man eine Menge über Friedhöfe und Totenkult. So gibt es auf dem Ohlsdorfer Friedhof beispielsweise Flächen, die extra freigehalten werden „für den Fall eines Flugzeugabsturzes, eines Terroranschlags, einer Epidemie, eines nächsten Krieges“. Das klingt bedrückend, ist aber wahrscheinlich sinnvoll. Man erfährt, dass sich inzwischen 50% der Menschen in Deutschland einäschern lassen und dass das Kriminologische Institut vor einer Einäscherung noch mal einen Experten schickt, damit sichergestellt ist, dass keine Hinweise auf Verbrechen vernichtet werden.

Friedhöfe müssen, wie andere Unternehmen, um ihre Kunden werben. Deshalb bieten sie heute mehr an als Flächen für Urnen oder Särgen, nämlich „Themen- und Konzeptgrabstätten“. Das sieht man auch bei unserem Hauptfriedhof, wo es ein Extra-Areal gibt, das mit Bäumen und einem Bächlein eine neue Art der Beerdigung bietet, naturverbundener, nicht in Reih und Glied. Ein hübscher Gedanke, dort zu liegen, wo sich die eigene kleine Steintafel in eine, wenn auch gestaltete, Landschaft einfügen würde. Ohnehin gehen viele Menschen gern auf Friedhöfen spazieren, die ja viel Grün und Natur bieten. Ein Park für Lebende und Tote, nicht nur für Trauergäste.

Ein bisschen schräg die Werbeveranstaltung, die Sussebach beschreibt, bei der eine Gruppe einen Rundgang über den Riesenfriedhof macht, aber nicht, um die Gräber prominenter Toter zu besuchen oder ähnliches, sondern um über die diversen Möglichkeiten informiert zu werden, wie man sich heute beerdigen lassen kann. Fast eine Butterfahrt über’n Friedhof.

Wie die Zukunft aussehen soll? Mit seinem Konzept „Ohlsdorf 2050“ wird sich der Friedhof, wie man ihn heute kennt, sicher sehr wandeln. Vielleicht gibt es ein Café, Kinderspielplätze, einen Fahrradverleih, womöglich einen Pfad zum Joggen, eine Bühne für Konzerte. Warum auch nicht. Der Tod gehört zum Leben.

Euch noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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13 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 75

  1. Klausbernd schreibt:

    Wie immer, liebe Petra, ich danke für den Überblick 🙂
    Habe eine angenehme Woche.
    Liebe Grüße
    Klausbernd

  2. Ramblingbrother schreibt:

    Ich finde es wichtig, den Tod mit dem Leben auszuschmücken. Tröstlich, Kinderlaute um sich herum zu haben, auch wenn man sie nicht hört.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das sehe ich auch so, lieber Achim. Nach dem Tode kann es einem ja egal sein und ist es wohl auch, aber Friedhöfe sind ja in erster Linie für die Lebenden, zum Trauern, um sich vorzustellen, wo man wahrscheinlich mal enden wird, aber auch für einen Spaziergang. Die Vorstellung, dass das Leben darauf genauso stattfindet wie an einem anderen Ort, finde ich sehr tröstlich. Mir gefällt auch dieses – ich glaube mexikanische? – Fest, wo sich die Familien auf den Gräbern treffen, um das Grab zu pflegen, zu picknicken, zu feiern. Liebe Grüße!

  3. dasgrauesofa schreibt:

    Ein Kollege erzählte mir letztens, dass seine Kinder und die in seiner Umgebung auf dem nahegelgenen Friedhof Fahrradfahren lernen, denn dort könnten sie ohne den üblichen Autoverkehr in Ruhe üben. Auf meine Frage, ob das denn die Trauernden nicht störe meinte er, dass er noch keine schlechten Erfahrungen gemacht habe, im Gegenteil, es freuten sich alle über die Kinder. Es scheint sich also etwas zu bewegen beim „Image“ des Friedhofs. Wie schön.
    Viele Grüße, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist eine schöne Geschichte, liebe Claudia. Und die Toten stört es sicher nicht. Solange niemand eine Trauerfeier stört, herumrüpelt oder so etwas, ist das bestimmt in Ordnung. Zumal man ja vermutlich auch nicht direkt neben einer Trauerfeier den Kindern das Radfahren beibringt. Liebe Grüße!

  4. karu02 schreibt:

    Lieber Kinder mit Rädchen als Männer mit Laubbläsern. Ich hätte den Friedhof allerdings lieber weiterhin als Ort der Stille. Es gibt ja kaum noch Stille irgendwo.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, liebe Karu, es ist wieder Laubbläserzeit. Obwohl der Wind gerade dermaßen pustet, dass er die Dinger eigentlich überflüssig macht.
      Orte der Stille finde ich auch wichtig. Ich gebe dir Recht, ein Rummelplatz sollte nicht aus einem Friedhof werden, aber vielleicht lässt sich auch dies mit entsprechenden Konzepten regeln. Liebe Grüße!

  5. Susanne Haun schreibt:

    Danke, Petra, ich werde gleich online den Friedhofsartikel heraussuchen. Er passt sehr gut zu meinem Thema „Vergänglichkeit“.
    Auch herzlichen Glückwunsch zur 75. Folge, dass ist ja schon eine Zahl!
    Einen schönen Wochenbeginn wünscht dir Susanne

  6. flowerywallpaper schreibt:

    Gut gemacht. Ich freue mich auch jede Woche auf „Die Zeit“. Da gibt es eine Woche lang Denkstoff ! Liebe Grüße, Ernestus

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