Über das Häkeln

Eierhut1Kommen wir heute mal zu etwas völlig anderem … Häkeln! Wie ich darauf komme? Über einen kleinen Beitrag mit dem Titel „Inspiration in Blassrosa“ von Ursula März in der aktuellen Zeit vom 31.10.2013. Darin mokiert sich die Autorin über saisonale Ratgeberhefte, die gern in Buchhandelsketten mit passendem Zubehör verkauft werden (Backgedöhns zur Weihnachtszeit beispielsweise). Nun seien Häkelhefte nebst Zubehör dazugekommen, worüber sie sich wundert, denn Häkeln löst in ihr vor allem die Erinnerung an die obligatorischen Topflappen aus, die man vor Jahrzehnten im Handarbeitsunterricht produzierte. Häkeln – ein „kulturtechnisches Fossil“?

Anfang der Eighties waren kurze Kastenpullis mit graphischen Mustern in, schon damals hatte ich eine Vorliebe für Schwarz und Grau. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Anfang der Eighties waren kurze Kastenpullis mit graphischen Mustern in, schon damals hatte ich eine Vorliebe für Schwarz und Grau. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Wie aufmerksame Bloggäste wissen, neige ich phasenweise selbst zum Häkeln. Und zwar schon, seit ich es einst in der Grundschule lernte. Auch ich beglückte meine Mutter mit einem unsäglichem Topflappen, der eines Tages auf geheimnisvolle Weise verschwand. Offenbar hatte das windschiefe Ding jedoch meinen Häkelehrgeiz geweckt, denn ich kann mich erinnern, einige Jahre später Teile meiner weiblichen Verwandtschaft mit spitzenumhäkelten Taschentüchern beschenkt zu haben. Meine Mutter hat ihres noch heute. Anfang der 1980er häkelte ich gar Pullover! Das war ziemlich avantgardistisch, weil alle anderen da noch strickten. Dem Strickwahn verfiel ich erst in der Unterprima.

Ich häkelte ein Püppchen für eine Freundin und einen moosgrünen Schal für meinen Vater, den er jahrelang mit Freuden trug, allerdings nur, wenn er damit in den Wald ging, um Vögel zu beobachten. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden meine Häkelanfälle seltener. Mal gehäkelte Rosen (als Broschen an Revers zu pinnen) und vor nicht allzu langer Zeit die Eierhüte.

HaekelstolaAuch beim Shoppen bleibe ich zuweilen an Gehäkeltem hängen, so kaufte ich mir vor einigen Jahren in einem kretischen Bergdorf, das für seine Häkelarbeiten bekannt ist, eine Stola, Modell Schwarze Witwe.

Und auf unserem Couchtisch im Wohnzimmer liegt stets ein schwarzes Häkeldeckchen, auf das gelegentlich ein Laptop zum DVD-Kucken platziert wird.

Haekeldeckchen_schwarz

In schwarz sehen Häkeldeckchen gleich viel cooler aus. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Häkeln hat viele Freundinnen und Freunde, beispielsweise das bezaubernde Häkelschwein, seht euch dazu unbedingt die entzückende Homepage an. Letzten Winter stießen wir auf einen Hipster-Häkelbart, mehr dazu findet ihr auf diesen beiden Videos: http://youtu.be/C-nY3wYDkKc und http://youtu.be/6681pB1qNKY. Auf der letzten Eunique waren schöne Häkelteppiche von Lumikello zu bewundern. Und dann gibt es da noch das Urban Knitting und – ja – auch das Urban Crocheting. Besonders gut gefallen mir die gehäkelten Korallenriffe von Margaret und Christine Wertheim, über die die Zeit vor ein paar Jahren berichtete. Mehr dazu auch hier.

Häkeln wieder in? Es war niemals out!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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31 Antworten zu Über das Häkeln

  1. Ramblingbrother schreibt:

    Über was ich nicht sprechen kann, darüber muss ich schweigen 🙂

  2. puzzleblume schreibt:

    Genau: Häkeln ist eine feine Sache, wenn man mal seine Schul-Phobie abgelegt hat. Ich habe Babyschühchen mit Öhrchenund Mäusenase gehäkelt, weil sie „süß“ waren, und Mützchen zum Binden, weil die gekauften immer weggerutscht sind, Gardinen für ungewöhnlich geformte kleine Fensterchen in Altbauten, weil die lustiger aussahen und eine Kapuzenjacke mit Känguruhtasche und Bommel, weil die kein anderer hatte … Und eigentlich mag ich gar keine Handarbeiten. Ich empfand Häkeln immer als das am wenigsten in feste Formen gezwungene, einigermassen flinke Herstellen von Textilien, die man haben will aber nicht zu kaufen bekommt.

    Aber darum ging es eingangs ja gar nicht, sondern um das Phänomen, dass die Verkäuflichkeit von Büchern steigt, wenn etwas „zum Anfassen und Machen“ dabei ist, ganz wie bei den Bilderbüchern für Kindergarten- und Vorschulalter. 🙄

  3. hokuspokus77 schreibt:

    Macht richtig Lust, Dein Beitrag. Die Stola ist ja toll! Wo hab ich doch gleich meine Häkelnadel …

  4. Martina Wald schreibt:

    Ach du meine Güte, da hast du mich in eine Zeitreise katapultiert. Ich sage nur: Kissenbezüge!!! Meine Mama hat sie tapfer behalten. 🙂

  5. Irgendwo habe ich noch eine Tischdecke – natürlich selbst gehäkelt … Wenn ich mich daran zurückerinnere … was für eine Arbeit …

  6. dasgrauesofa schreibt:

    Den Kastenpulli mit den graphischen Mustern finde ich toll. Zum Pullover-Häckeln bin ich nie gekommen, da hat mich schneller der Strickwahn erwischt. Und wir haben dann in der Oberstufe im Unterricht Strick-Wettbewerbe gehabt, gerne auch mehrfarbig (und durchaus solche graphischen Muster wie bei Deinem Pulli), so dass wir alle in unseren vielen bunten Knäulen saßen. Dass die Lehrer das akzeptiert haben…
    Aber natürlich habe auch ich mit den Topflappen im Handarbeitsunterricht (die Jungs hatten währenddessen Werken, nix mit Koedukation in den 1970ern ;)) Kontakt zum Selbstgemachten bekommen. Und erst einmal ziemlich schlechte Noten, weil ich zwar ganz nett gehäckelt, aber unprofessionell und halbherzig die Fäden vernäht habe. Eigentlich war die Handarbeitslehrerin mehr so ein Hexe (vielleicht tue ich ihr Unrecht, aber so empfand ich sie), ich glaube auch ein ziemlich altes „Fräulein“, die eher eine von den Handarbeiten abschreckende Wirkung, außer bei ganz Hartgesottenen, hatte. Warum ich trotz der Rüffel bei Topflappen und anderen Handarbeiterein so viel Spaß am Stricken entwickelt habe, ist schon ein Rätsel.
    So, nun hat mich Dein schöner Häckel-Beitrag aber ziemlich in die Tiefen der Kindheit entführt. Ach, da fällt mir noch die Strick-Liesel ein. Hattest Du auch eine? – Was für Assoziationen. Und das alles wegen Frau März´ kritischen Beobachtungen im Buchladen 🙂
    Viele feiertägliche Grüße, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Claudia, herzlichen Dank für deine Handarbeitserinnerungen : ) Ja, diese Strickerei in der Schule, das war schon lustig und irgendwie auch sehr gemütlich. Vom Zuhören und Mitmachen im Unterricht hat es auch nicht abgehalten, Stricken oder Häkeln kann man ja prima nebenher machen, wenn es kein allzu kompliziertes Muster ist. Eine Strickliesel hatte ich allerdings nie. Ich hab’s mal bei einer Tante ausprobiert, aber irgendwie erschloss sich mir nicht, was ich mit diesen Wollwürsten hinterher machen könnte. Hattest du eine, und wenn ja, was macht man mit den Resultaten? Liebe Grüße!

      • dasgrauesofa schreibt:

        Ja, hatte ich, ich weiß jetzt aber nicht mehr genau, ob wir damit auch im Handarbeitsunterricht etwas gemacht haben. Anfangen kann man mit den Wollwürsten ja wirklich nicht viel, mir fallen nur Deckchen ein, die sich aus den zusammengerollten und -genähten Wollwürsten ergeben könnten. Die Verwendbarkeit des Ergebnisse geht also in die gleiche Richtung wie bei den Ergebnissen aus dem selbstgebauten Webrahmen… Was mir – ausgelöst durch Deinen Beitrag – alles aus meiner Handarbeits-Kindheit einfällt: unglaublich 🙂
        Viele verregnete Grüße, Claudia

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Genau! Webrahmen, ja, ich hatte auch einen. Allerdings habe ich nicht mal das erste Teil damit zuende gebracht. Und dann gab es noch diese Knüpfphase, hattest du die auch? Ich knüpfte einen Kissenbezug. Warum auch immer. Wahrscheinlich, weil ein Teppich für mich als Kind ein zu ehrgeiziges Projekt gewesen wäre. Schon lustig, welche Handarbeitsmoden man so durchläuft.

  7. Maren Wulf schreibt:

    Köstlich, liebe Petra! Ich stelle mir gerade den Vater mit moosgrünem Häkelschal im Wald vor. Das muss Liebe sein! 🙂

  8. buchpost schreibt:

    Kicher! Sehr schön. Da kommen auch bei mir die Schulerinnerungen hoch, wie wir im Unterricht so vor uns hinstrickten, quasi das Handy von damals. Und noch vor wenigen Wochen wehte mich ganz heftig das Verlangen an, meine völlig eingestaubten Kenntnisse aufzufrischen und knallbunte „granny squares“ in meinen Lieblingsfarben zu häkeln. Wurde aber aus Zeitgründen erst mal vertagt… Ein schönes Wochenende. Anna

  9. perlengazelle schreibt:

    Ich habe die gehäkelten Korallenriffe auf Föhr gesehen. Unglaublich – eine Riesenarbeit. Ziemlich schräg. Ich selbst habe früher gern gehäkelt – z. B. zwei runde Tischdecken mit 1.10 m Durchmesser. Gern hätte ich Gardinen gehäkelt, aber inach der Hälfte ist das Ganze eingeschlafen und seitdem habe ich nie wieder gehäkelt. Habe aber heute noch Topflappen, die ich zu Grundschulzeiten für meine Oma häkeln musste … gelb-hellblau-gestreift. Oder wie meine Oma sagte: gelb-bleu. Mit Mausezähnchen. LG

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Diese gehäkelten Korallenriffe würde ich auch mal gern in echt sehen, sicher sehr eindrucksvoll, wie du schon sagst, eine Riesenarbeit. Ich überlege immer mal wieder, eine Kuscheldecke fürs Sofa zu häkeln mit ganz dicker Nadel und dicker Wolle. Aber anscheinend liegt mir das Kleinteilige mehr, bisher konnte ich mich jedenfalls noch nicht aufraffen. Liebe Grüße!

  10. entdeckeengland schreibt:

    Ach, liebe Petra, ich habe auch immer viel lieber gehaekelt als gestrickt. Stricken dauert so lange. Liebe Gruesse, Peggy

  11. entdeckeengland schreibt:

    Mein Meisterstueck war eine Haekelweste. Das war zu der Zeit, als in den 90er Jahren der Hippie-Look wieder in war. Ich weiss gar nicht, was aus ihr geworden ist. Vielleicht liegt sie noch auf dem Dachboden meiner Eltern und wartet auf das naechste Mode-Revival. In den letzten Jahren hat sich meine Handarbeit eher auf das Naehen verlegt und dann auch nur, wenn ich mal Gardinen anpasse oder einen passenden Kissenbezug naehe. Liebe Gruesse, Peggy

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hippie-Look und Häkelwesten bzw. Pullis, stimmt, das hatte ich auch, also einen Häkelpulli, allerdings nicht selbst gehäkelt, sondern selbst gekauft. Wenn man lange genug wartet, wird alles irgendwann wieder modern, sehr praktisch : ) Nähen kann ich leider nicht, also nur Kleinkram, aber keine größeren Sachen mit Maschine. Schade eigentlich, wenn ich das bei anderen sehe, finde ich das immer toll. Egal ob Kleidung oder Kissenbezüge, es ist so schön individuell. Liebe Grüße!

  12. Lakritze schreibt:

    Ich habe der Welt zwei Paar Topflappen beschert. Das war’s; dabei wird’s bleiben. Is besser so. Wobei ich vor Häkelkorallenriffen und Häkelhirnen größten Respekt habe –!

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