Shelfies statt Selfies

Wie ihr sicher wisst, hat die Redaktion des Oxford English Dictionary das Wort „selfie“ (Selbstbildnis mit Mobiltelefon) zum englischen Wort des Jahres gekürt. Das kann man nun finden wie man will, gut finde ich jedenfalls die Aktion vom Guardian, auf die mich Anna von Buchpost aufmerksam gemacht hat: Dort nämlich frug man sich zu Recht, ob Fotos von Bücherregalen nicht interessanter seien als die Selbstporträts von mehr oder weniger bekannten Menschen. Dem Aufruf folgten wohl etliche und so finden sich unter dem Titel „Forget selfies, we want to see your shelfies“ nun viele schöne Fotos von Bücherregalen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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19 Antworten zu Shelfies statt Selfies

  1. Philipp Elph schreibt:

    Ein Regal mit Büchern sagt zunächst genau so wenig aus wie ein Paket mit Klorollen im Supermarkt. Die Rollen sind wahrscheinlich unbenutzt, bei Büchern ist das nicht so einfach zu erkennen – aber auch nicht, ob sie gelesen und verstanden wurden (die Bücher).

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      : ) Da ist was dran. Dennoch besehe ich mir in fremden Wohnungen sehr gern die Bücherregale, auch Fotos von Bücherregalen haben für mich eine Ästhetik, die mich mehr anspricht als – sagen wir mal – Fotos von Klopapierrollen oder Selfies.

  2. puzzleblume schreibt:

    Ich sehe mir Bücherregale auch gern an, und denke mir mein Teil über die Persönlichkeit, nicht wegen der Inhalte, sondern der bewußten Arrangements, die zumindest mir mehr erzählen, als die Titel und Autoren, und insofern sind auch jene shelfies doch, auf einem Umweg, trotzdem selfies. Nachdem ich die Galerie angesehen habe, meine ich auch, Philipps Kommentar besser zu verstehen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      So geht es mir auch, liebe Puzzle. Witzig finde ich die farblich sortierten Regale, für mich wäre das nichts, ich würde nichts mehr wiederfinden. Ich sortiere lieber nach Gattungen und darin nach Autoren, so weiß ich immer, wo was steht. Ich denke allerdings, Deko-Wut hin oder her, dass die gezeigten Regale bzw. ihre Inhalte doch gelesen werden. Sie erinnern jedenfalls nicht an die merkwürdig kühl durchgestylten Bibliotheken, deren Besitzer den Innenarchitekten bitten, doch mal eben die Klassiker meterweise zu kaufen, damit die Regale nicht leer bleiben. Solche Leute soll es ja geben, bisher habe ich aber zum Glück noch keine kennengelernt, nur darüber gelesen ; )

      • puzzleblume schreibt:

        So dachte ich auch – das ist nicht, was ich unter Ordnung verstehe, und auf die Idee, meine Kaufentscheidung danach zu treffen ob es ins Farbspektrum passt, oder dem Buch einen solchen Schutzumschlag zu basteln, damit es dorthin passt. käme ich auch nicht. Nachdem aber die modernen Einrichtungen im Stadtnomaden-Stil ohnehin kaum noch Bücherregale vorsehen, und jeder unwiderlegbar sagen kann, er lese nur noch elektronisch und bewahre seine Literatur in der Cloud auf, weil es sonst einfach zuviel würde, sind diese Zeiten vermutlich vorbei.
        Bei den Regenbogenbesitzer(innen?) habe ich den Eindruck eines unausgesprochenen Berührungsverbots eher, als reine Dekorationswut. Wie gesagt: ein persönlicher Eindruck von Personen.

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        They judge a book by its cover ; ) Wobei ich mich schon über gut gemachte Bücher mit schönen Covern freue. Aber was du über den modernen Einrichtungsstil sagst, das finde ich auch immer schräg. Zum Teil ja durchaus interessante Möbel, aber vorgesehen scheinen nur Stereoanlagen und Flachbildschirme, nicht unbedingt Bücher. So modern kann ich also eher nicht werden. Schon weil wir keinen Flachbildschirm haben ; ) Auch habe ich immer noch keinen E-Book-Reader, mein Liebster wollte mir zwar einen zu Weihnachten schenken, aber ich wollte lieber nicht. Vielleicht später mal …

        • puzzleblume schreibt:

          Ja, das meinte ich. Ist wirklich auffallend.
          Mein Mann liebt seinen e-Book-reader, weil er leichter in der Hand ist, als ein Buch mit 1000 Seiten, weil man beim Fliegen nicht beim Umblättern der „e-SZ“ mit dem Nachbarn in Berührung kommt, die Zeitung aber trotzdem „richtig“ aussieht uhnd nicht wie die hässlichen Web-Ausgaben, weil es weniger Zeitungs-Altpapier gibt und man die Ausgaben sogar trotzdem aufheben kann, weil man als Lesebrillenbedürftiger seine Schriftgröße anpassen kann … lauter Punkte, die unschlagbar sind.

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Stimmt, unterwegs ist das bestimmt sehr praktisch. Erleichtert sicher auch das Gepäck ungemein. Noch passe ich mich selbst beim Lesen an, indem ich meine Brille absetze ; ) Aber lange werde ich wohl um eine Lesebrille nicht mehr herum kommen. Schade, dass sich das nicht mit der Kurzsichtigkeit ausgleicht.

  3. Trippmadam schreibt:

    Hm, schwierig. Kurz habe ich überlegt, ob ich auf meinem Blog ein shelfie von mir posten würde und war etwas peinlich berührt wegen des Chaos, welches in meinen Regalen herrscht. Außerdem finde ich Bücherregale extrem persönlich und hätte Hemmungen, mich im Internet derart zu exponieren.

  4. perlengazelle schreibt:

    Für mich ist mein Bücherregal auch eine Zeitreise. Was habe ich früher verschlungen, was hat mich erschüttert – wie traurig dagegen ein ebook-reader. Keine Eselsohren, keine vergessenen Post- oder Eintrittskarten, die als Lesezeichen dienten, keine unterstrichenen Sätze. Nicht dieser unverwechselbare Geruch. Im ebook-reader macht das Stöbern keinen Spaß.
    Wie spannend, wenn man bei Besuchen dieselben Bücher entdeckt, die auch bei einem selbst stehen. Mein erster Weg führt immer zum fremden Regal.
    Ich erinnere mich an mein erstes – drei Bretter, aus dem Keller gerettet und scheußlich braun neu lackiert. Und trotzdem wunderbar. Dort standen meine Schätze, die ich immer wieder gelesen habe. Und wie groß war die Freude, als ich an einem langweiligen Nachmittag ein ungelesenes vergessenes Buch entdeckte …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Stimmt, liebe Perlengazelle, so eine eigene Bibliothek, egal ob in einem Raum oder auf mehrere Regale in der Wohnung verteilt, ist eine tolle Zeitreise! Dieses Zeitreisengefühl wird mit dem Kopf in der Wolke schwer nachzuvollziehen sein. Wobei das schon praktisch ist, zumindest unterwegs. Aber mir geht es wie dir, ich habe auch noch nicht den Spaß daran entdeckt, weder beim Stöbern noch beim Lesen.

  5. Dina schreibt:

    Super, die Links und die Aufforderung! Herzlichen Dank, liebe Petra! 🙂

  6. Xeniana schreibt:

    Vielen Dank für die Links! Ich finde ein Bücherregal auch sehr persönlich und ich liebe es die Bücherregale anderer Menschen anzusehen. Freue mich auf das Stöbern.Lg Xeniana

  7. Pingback: death smells | neuköllner botschaft

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