Shelfie Nr. 12 von Gregor Meder/Adson

Heute, meine Lieben, schauen wir uns die Shelfies von Gregor Meder an, der das vielseitige Blog Adson. betreibt. Darin finden sich Beiträge zu Büchern, Musik, Sprache und Geocaching.

Foto: © Gregor Meder

Foto: © Gregor Meder

Über seine Shelfies sagt Gregor: „Bibliotheken sind ja so vieles, wie Alberto Manguel in seiner grandiosen Darstellung Die Bibliothek bei Nacht beschreibt. Sie sind Mythos, Ordnung, Macht, Schatten, Form, Zufall u. v. a. Ich könnte mich den Ausführungen Manguels zur ‚Bibliothek als Verstand‘, sie sei auch (mit Aby Warburg) ein Hilfsmittel, der ‚psychischen Präsenz und Seelenregungen sichtbare Gestalt zu verleihen‘, anschließen. Die Bibliothek ist dann so eingerichtet (nicht nur geordnet), dass sie eine scheinbar zufällige Sammlung und Aufstellung widerspiegelt, die dem uninformierten Betrachter ein willkürliches Chaos von Büchern, Zetteln und Akzessorien erscheint – aber dennoch einer höchst individuellen Ordnung folgt. Insofern ist meine Bibliothek Ausdruck meiner Neigung, mich vielen (zu vielen?) Lese- und Schreibprojekten gleichzeitig hinzugeben.“

Foto: © Gregor Meder

Foto: © Gregor Meder

„Ich gestehe, ich bin ein ‚Volltischler‘ und ‚Regalevollstopfer‘. Beides, volle Tische und überfüllte Bücherregale, sind Spiegel meiner oft assoziativen Gedankenwelt. Farblich, alphabetisch, thematisch oder onomastisch sortierte Bücherregale und leere Schreibtische haben mir etwas Statisches – wahre Dynamik im Geiste zeigt das Bibliothekschaos! Insofern ist mir auch der Topos vom Bibliothekslabyrinth (vgl. auch Nikolaus Wegmann: Bücherlabyrinthe) zu eindimensional. Labyrinthe, zeichnen sich ja dadurch aus, dass es nur einen, den richtigen Weg zum Ziel gibt. Ich mag Irrgärten, Bücherirrgärten! Da gibt es viele Wege, viele Ziele, man kann sich verirren, wieder herausfinden und Überraschendes finden – und dazu braucht es ein gerüttelt Maß an Chaos. Dafür liebe ich meine Regale! (Zur Unterscheidung von Labyrinth und Irrgarten s. Hermann Kern: Labyrinthe). Ach, zum Irrgarten meiner Bibliothek und zur erkenntnisgenerierenden Kraft zufälliger Buchnachbarschaften könnte ich noch so viel schreiben … vielleicht mal in einem Blogartikel.“

Vielen Dank für deine sehr interessanten Ausführungen zu Bibliotheken, Ordnung und Chaos, lieber Gregor! Und nur einen richtigen Weg gibt es ja in den seltensten Fällen, insofern finde ich den Vergleich mit Irrgärten auch treffender. Und wenn ich mitten in der Arbeit bin, sieht es bei mir auch chaotischer aus, eine Vielzahl aufgeschlagener Bücher, Notizen, ein Block, noch ein Block, Zettel … Wenn ich fertig bin, räume ich alles wieder ein, damit Platz fürs nächste Chaos ist ; ) Sehr interessant ist das mit den Buchnachbarschaften, die sich aus den jeweiligen Ordnungssystemen ergeben – so einen Blogartikel würde ich gern lesen, lieber Gregor! Hab ganz herzlichen Dank für deine Shelfies!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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12 Antworten zu Shelfie Nr. 12 von Gregor Meder/Adson

  1. literaturen schreibt:

    „Volltischler“! Was für ein grandioses Wort. 😉

  2. glasperlenspiel13 schreibt:

    Ich kann zu allen Ausführungen mit dem Kopf nicken und diese sehr gut nachvollziehen, würde dann aber doch spätestens bei Bild 2 heimlich ein paar Bücher einsortieren 😉

    • gmeder schreibt:

      Heute hab‘ ich versucht meine Regale umzuorganisieren und ein paar Bücher einzusortieren. Hab‘ früh begonnen, bin aber in dem einen und anderen Buch lesend hängen geblieben. Nicht fertig geworden und meine Bin. sieht chaotischer aus als zuvor. Morgen nochmal versuchen … 😉

  3. buchwolf schreibt:

    Tolle Worte, mit denen Adson hier seiner Volltischlerei wichtige Qualitäten abgewinnt. Hat mich so beeindruckt, dass ich nachsehen musste, wer dieser Typ „von Melk“ wohl wäre, und habe auf diesem Weg seinen Eisenbahnfan-blog entdeckt und gleich abonniert. Freue mich darauf, von ihm virtuell auf Bahnfahrten mitgenommen zu werden. (Wie findet man hin? Adsons Bog > Mehr über Adson > meine weiteren Internetaktivitäten > Eisenbahnblog)
    Wolfgang

  4. perlengazelle schreibt:

    Danke für den Hinweis auf Adsons Blog, bei dem ich einen Bericht über eine kleine feine Buchhandlung in Essen entdeckt habe, die mir bisher unbekannt war. Auch dem Gatten als AlteingesEssener war sie unbekannt – er ist nun begeistert ob der dort stattfindenden Jazz-Konzerte.
    Die höchst individuelle Ordnung einer Bibliothek, der Irrgarten, in den man herein – und wieder herausfindet – ein spannendes Thema!

  5. gmeder schreibt:

    Liebe perlengazelle, das freut mich sehr. Dem AlteingesEssenen sei verziehen, zumal wir Werdener eh so unsere Probleme damit haben, als Essener zu gelten. So ist die Abtei rund 50 Jahre älter als das Essener Stift und die Ruhr liegt dazwischen. Damit liegt Werden auf fränkischem (Karl der Große) und Essen auf sächsischem (Widukind) Gebiet 😉
    Vielleicht trifft man sich auf dem V. Tolstoy oder einem anderen der Jazz-Konzerte, hier.

    • Rabin schreibt:

      Hier zu sitzen und diese Kommentare zu lesen, neben sich die Tasse mit dem Bodensatz an Kaffee, dabei in sich rein zu schmunzeln – wegen Karl dem Großen und Widukind… Der beste Montagmorgen seit langem. ^^ Dafür einen Gruß und meinen Dank.

  6. Pingback: Montags statt sonntags | Die Zaunreiterin

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