In allen vier Ecken

Poesiealbum  meiner Großmutter, Foto (c) Petra Gust-Kazakos

Poesiealbum meiner Großmutter, Foto (c) Petra Gust-Kazakos

… soll Liebe drin stecken. Kennt ihr das noch? Ein beliebtes Sprüchlein in Poesiealben der 1970er Jahre (meiner Erfahrung nach). Dabei waren die Seitenecken mit diesen Worten beschrieben und in der Blattmitte dann Sinnreiches und weniger Sinnreiches. Von Veilchen im Moose und anderen Blumen, die welken, vom Mops im Haferstroh, der angeblich glücklich lebt, und von Sonnenuhren, an denen man sich ein Beispiel nehmen soll. Manchmal gab es kleine Zeichnungen dazu oder eingeklebte Bildchen, die es fertig und vermutlich nur zu dem Zwecke zu kaufen gab, um sie in ein Poesiealbum zu kleben.

Inzwischen sind wir alle erwachsen geworden (was immer das bedeuten mag) und natürlich zu alt für Poesiealben.

Wirklich? Also ich nicht. Zumindest nicht für das schöne Projekt bei Hautsache Bücher, wo eine (nennen wir es mal) erwachsenere Version eines Poesiealbums in virtuellen Zeiten entsteht. Ich habe auch mitgemacht und wünsche der kleinen Serie, dass sie wächst und gedeiht und noch viele schöne Einträge folgen. Damit könnte das Projekt nicht nur ein schöner Nachfolger unserer einstigen Poesiealben sein, sondern auch ein zeitgenössischer Beitrag zu den Alba amicorum.

Schöne Andenkenbüchlein, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Schöne Andenkenbüchlein, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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29 Antworten zu In allen vier Ecken

  1. IngridW schreibt:

    Auf „Hauptsache Bücher“ wurde da etwas Nettes angestoßen. Als ganz junges Mädchen (schon lange her) hatte ich auch ein Poesialbum. In das habe ich u. a. bunte glänzende Klebebildchen eingeklebt, die man, glaube ich, im Bogen kaufen konnte. Im allgemeinen Sprachgebrauch nannte man sie „Filippchen“ (Schreibweise möglicherweise etwas anders) …

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Sieh an, diese Bildchen haben sogar einen Namen? Das wusste ich noch nicht. Habe den Namen mal gegoogelt und kam u. a. auf einen Wikipedia-Beitrag (http://de.wikipedia.org/wiki/Glanzbild), demnach stammt Filippchen möglicherweise von der Bezeichnung Vielliebchen. Aber auch unter Filippchen finden sich etliche Beiträge im Web. Danke für den Hinweis!

      • puzzleblume schreibt:

        Bei uns hießen diese Themen-Bögen mit aneinandehängenden Bildern, mit oder ohne Glitzerflöckchen bestreut: Liebesmarken. Als Kinder haben wir die gesammelt, getauscht und immer wieder einfach so betrachtet. Märchen, Blumen mit und ohne Vögel, Vögel einzeln, Schmetterlinge mit und ohne Blumen Vögel und Feen, Kinder- Spielszenen, Jahreszeiten u.s.w.; in Poesiealben wurden sie später auch geklebt, aber von Wichtigkeit waren sie in meiner Kindheit Jahre vorher viel mehr.

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Liebesmarken, das ist ja mal ein besonders netter Name dafür : ) Die sind ja auch so bezaubernd, dass man sie sich gern ansieht, ich habe noch einige, die schaue ich mir sogar heute noch gern an : )

  2. hokuspokus77 schreibt:

    Danke, Petra! Freut mich sehr, dass die Idee gefällt.
    Warum sollte nicht jeder ein eigenes Poesie-Album haben?
    Wir haben die Bildchen übrigens Matrizen gekannt. Verzierungen mir rotem wasserlöslichem Kopierstift waren zu meiner Zeit auch sehr beliebt.

  3. Susanne Haun schreibt:

    Mein altes Poesiealbum muss auch noch irgendwo im Keller liegen. Es wurde ebenfalls in den 70zigern gefüllt.
    Ich schaue mir das Projekt einmal an ….
    LG Susanne

  4. Ramblingbrother schreibt:

    Ich hatte mir damals schon mehr Poesie als Album gewünscht …

    LG Achim

  5. literallywriting schreibt:

    Den “In allen vier Ecken…“ Spruch gab es in den Achtzigern auch noch. 😉 Wir haben die Bildchen immer Glanzbilder genannt – oder ist das etwas anderes?

  6. haushundhirschblog schreibt:

    Schön, liebe Petra, dass Du dieses Projekt hier vorstellst! Schon als ich „In allen vier Ecken“ las, freute ich mich auf das von mir vermutete Thema. Auch ich besitze noch mein Poesiealbum, das ich in den Siebzigern den Klassenkameraden, Verwandten, Freunden und den Lehrerinnen gab. Heute bin ich immer wieder überrascht, was sich da finden lässt. Die Musiklehrerin der Grundschule zeichnete über eine ganze Poesiealbumseite Noten zu einem Stück, das ich bei ihr im Unterricht gelernt hatte. Später, wirklich sehr viel später, arbeitete ich mit einer Organistin zusammen, die in diesem Eintrag ihre Schwester erkannte. Und das stimmte.
    Und woran ich mich auch immer erinnern werde: eine Schulfreundin n der Grundschule schrieb damals:
    „Rosen, Tulpen, Nählgen,
    alle Blumen wälken. In Liebe Gabi“

    LG mb

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist ja entzückend, liebe mb, Nählgen wälken, so gefällt mir der Spruch doch gleich viel besser ; ) Die Geschichte von der Musiklehrerin, mit deren Schwester du später zusammenarbeitetest, ist ja klasse, wie klein die Welt manchmal sein kann! Schön, dass dein Poesiealbum so feine Erinnerungsschätze birgt. Liebe Grüße!

  7. perlengazelle schreibt:

    Ohne dieses poetische Projekt zu kennen, überlege ich schon eine Weile, das Poesiealbum meiner Mutter vorzustellen. Es hat eine kleine Besonderheit: bis auf die letzte Seite vollgeschrieben, blieb nur noch die innere Seite des hinteren Einbandes. Dort hat sich mein Vater verewigt – mit einer gereimten Liebeserklärung. Leider hab ich das Büchlein im Moment verkramt, werde es aber jetzt verstärkt suchen. Liebe Grüße!

  8. Tanja schreibt:

    Hallo liebe Petra,
    danke dass du mich auf das Projekt aufmerksam gemacht hast, nun schwelge ich in Erinnerungen an alte Zeiten – wobei diese nur in meinen Gedanken verankert sind. Viele alte auf Fotos und Papier dokumentierte Erinnerungen, meine ersten Schulhefte, sowie auch mein altes Poesiealbum fielen vor mehreren Jahren einer Kellerüberflutung zum Opfer. Das war vor meinem Umzug in meine zweite Wohnung. „In allen vier Ecken…“ – kenne ich auch. Genauso wie die vielen schönen eingeklebten Bildchen mit und ohne Glitzer. Für diese Bilder gab es damals noch diese Sammelalben. Hatte man ein Bild doppelt, oder gefiel einem eins nicht, tauschte man es in den Schulpausen gegen ein anderes Bildchen ein und ging nach Schulschluss glücklich Nachhause. Ja, so war das auch bei mir. Das Projekt werde ich im Auge behalten.

    Für dich liebe Petra:
    Lass dich Poesie begleiten
    auf des Lebens rauem Weg !
    Über alle Schwierigkeiten
    hebet sie dich leicht hinweg.

    Allem lässt sich abgewinnen
    eine Seite, wo es glänzt,
    und was kein Verstand aussinnen
    kann, hat Phantasie ergänzt.

    (Friedrich Rückert)

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Tanja, viele Erinnerungsstücke wie Fotografien oder eben Poesiealben zu verlieren, stelle ich mir traurig vor. Aber vielleicht ist es ja auch in gewisser Weise befreiend? Ich hänge sehr an solchen Sachen und hoffe, dass mir Wasser- oder sonstige Schäden erspart bleiben …
      Mit den Glanzbildchen gab es wohl eine richtige kleine Tauschbörse, das ist ja putzig! Danke dir auch für das Gedicht & viele liebe Grüße!

  9. Ulli schreibt:

    in den 60iger Jahren war es nicht anders und auch nicht die Sprüche ;), leider sind meine verschütt gegangen … und diese Glanzbildchen … ich habe sie geliebt, wie erstaunt war ich vor einiger Zeit, als ich sie wieder in den Ladenregalen entdeckte!
    ein schönes Projekt, ich werde da später einmal vorbeischauen …

    ich wünsche dir ein feines WE und grüße dich herzlich
    Ulli

  10. karu02 schreibt:

    Letztens fand meine Tochter mein Poesiealbum auf dem Speicher und staunte speziell über die Sprüche. Manches gehört eben doch in eine ganz bestimmte Zeit.

  11. entdeckeengland schreibt:

    Ach, liebe Petra, daran kann ich mich auch gut erinnern. Ich weiss gar nicht, wo meine alten Poesiealben sind, schlummern wahrscheinlich irgendwo auf dem Dachboden. 🙂 Liebe Gruesse und einen schoenen Sonntag, Peggy

  12. Endlich hab ich kapiert, warum die Glanzbilder in Hamburg Oblaten heißen …

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