Gefühlte Interpunktion

Kommas, Kommas, Kommas, österreichisch Beistriche genannt, zuweilen Kommata, sind beliebt, wenn auch nicht immer dort, wo sie hingehören, das ist beim Punkt einfacher. Die meisten Leute haben es offenbar im Gefühl, wann ein Satz aufzuhören hat. Punkt. Man kann ihn natürlich verlängern, mit Kommas zum Beispiel, oder Kommata, jedenfalls nicht mit Kommatas, dann lieber mit Beistrichen. Aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, etwa den Doppelpunkt: Dann kann man einen weiteren Satz folgen lassen, der idealerweise etwas mit dem Satz vor dem Doppelpunkt zu tun hat. Man kann den Doppelpunkt aber auch anders einsetzen: bei der Verlängerung durch einen nachfolgenden Halbsatz. Dann darf man nach dem Doppelpunkt auch klein weiterschreiben. Natürlich nicht zu klein, sonst wird es unleserlich. Zur Verlängerung des Satzes wird das Semikolon selten verwendet; dabei ist es doch so hübsch prätentiös – mehr noch als der Gedankenstrich. Gefühlt wird das Semikolon aber häufiger zum Zwinkern eingesetzt als zur Satzverlängerung ; )

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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39 Antworten zu Gefühlte Interpunktion

  1. saetzebirgit schreibt:

    Irgendwie fühle ich mich ertappt – Punkt.

  2. JanineS schreibt:

    Liebe Petra, (die Einleitung dient dem Setzen eines Kommas ; )
    wunderbar auf den Punkt gebracht. Pluspunkte gibt es außerdem für das Wort ‚prätentiös‘! 😉

  3. schifferw schreibt:

    Köstlich – einschließlich der bisherigen Kommentare und diese wiederum kommentierenden Antworten! Ich hoffe, ich habe jetzt nirgendwo ein Komma vergessen!

  4. Christian Dombrowski schreibt:

    „Komm, wir essen Oma!“ Ein korrekt gesetztes Koma ist durchaus instande, Leben zu retten.

  5. birtheslesezeit schreibt:

    Ich mag sie – die Gedankenstriche – und die Doppelpunkte: Damit kann man wunderbar Sätze verlängern, die bei mir häufig vieel zu lang geraten, zumal ich oft Sätze mit Kommas, Bindestrichen – und Doppelpunkten verknüpfe: das gibt dann so richtige Megasätze, die zeigen, dass ich mich leider häufig verzettelte… Und kurz fassen gelingt mir ohnehin nur selten ;-).

  6. perlengazelle schreibt:

    Beim Nachdenken über Gedankenstriche bin ich auf so exotische Satzzeichen wie den Viertelgeviertstrich, den Halbgeviertstrich und den Doppelgeviertstrich gestoßen – und den Deppenbindestrich. o-:
    Von der Apostrophitis schweige ich lieber. 😉

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Den exotischen Geviertstrichen begegnet man besonders gern andernorts, dazu fällt mir noch ein, dass das Semikolon im Griechischen am Ende von Fragesätzen steht … Danke, liebe Perlengazelle

  7. saetzebirgit schreibt:

    Ach, die gefressene Oma…da hatte ich mal was. Zum unprätentiösen Amüsemeng: http://saetzeundschaetze.com/2013/09/15/punkt-punkt-komma-strich-und-fertig-ist-das-mondgesicht/

  8. nweiss2013 schreibt:

    Der brave Mann denkt an sich, selbst zuletzt.
    Ich glaube ja daran, daß Lesen auch für das Kommasetzen bildet 🙂

  9. Valeat schreibt:

    Satzzeichen sind Lesehilfen. Daher ist die gefühlte Interpunktion meistens auch die richtige. Auch machen Satzzeichen einen Text interessanter: Doppelpunkt und Gedankenstrich sind Schmuck eines jeden Textes, wenn sie mit Bedacht eingesetzt werden – und das ist Dir in Deinem kleinen Text geradezu meisterlich gelungen, liebe Petra.

  10. Augenfalter schreibt:

    Mit Vergnügen Deinen feinen Text gelesen! Ich liebe verschachtelte Bandwurmsätze, die beim Lesen quälen können, und greife mit handfester Freude in die Satzzeichenpalette. : )

    Nur ein kurzer Einwand: Es gibt nicht wenige Menschen, denen es nicht so leicht fällt, „regelkonform“ mit der Interpunktion umzugehen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Über die Tiefe ihrer Gedankenschreibe sagt das nichts aus.

    Einen schönen Tag wünscht Dir Karin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das wollte ich auch auf keinen Fall andeuten, liebe Karin. Ich hatte mal einen Kollegen, hochintelligenter Mensch, der auch so seine Schwierigkeiten nicht nur mit der Zeichensetzung, sondern auch mit der Rechtschreibung hatte. Dafür hatte er eben andere Qualitäten. Es kann ja nicht jeder alles können … Liebe Grüße!

  11. Christian Dombrowski schreibt:

    Da wir schon einmal bei Rechtschreibung sind: Ich habe den Eindruck, dass man sich inzwischen als eher älteres Semester offenbart, wenn man „Du“, „Dir“, „Deine“, „Ihr“, „Euer“, „Eure“ usw. GROSS schreibt wie anno dazumal, obwohl mittlerweile beide Schreibweisen gültig sind.

    Oder wie seht ihr das?
    Oder wie seht Ihr das?

    Vor allem: Was tun?

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Tja, die diversen Reformen und Überarbeitungen lassen vermutlich besonders uns ältere Semester öfter mal ins Grübeln kommen. Das, was wir einst lernten, stimmt ja heute nur noch in Teilen. Sogar mein Lieblingskomma beim erweiterten Infinitiv ist nur noch fakultativ, skandalös!
      Doch eigentlich alles egal, denn die Resolution „Die Sprache gehört dem Volk“ in Deutschland 1998 beschloss, dass jeder schreiben darf, wie er möchte – außer Beamten, Richtern, Soldaten, Studenten und Schülern. Seither herrscht ja mancherorts ein eher salopper Umgang mit der Rechtschreibung, man denke nur an die Hausorthographie mancher Verlage, die sich bis heute nicht die Regeln zum Einsatz von Doppel-S und ß merken können (oder wollen). Was für die genannten Gruppen, die ja vielleicht diese Bücher und Zeitungen jener Verlage lesen, nicht gerade hilfreich ist, um sich die korrekten Rechtschreibregeln einzuprägen.
      Ich schreibe berufsbedingt nach den Regeln, dadurch auch im Privaten. Wie das wäre, wenn ich beruflich etwas anderes machen würde? Keine Ahnung. Aber solange ich keine Beamtin, Richterin, Soldatin, Studentin oder Schülerin wäre, wäre es eh wurscht ; )

  12. Corinna schreibt:

    Ich mag ja am liebsten die Semikola, nicht nur aber auch wegen der ;-)’s
    (und der schicken Pluralbildung 😉

  13. karu02 schreibt:

    Schön, dass es hier um so Nebensächliches wie Interpunktion geht, bei sehr vielen Texten im Internet vermisse ich sie schmerzlich. Gerade mal der Punkt kommt noch zum Einsatz oder Reihen von Frage- und Ausrufungszeichen, weil eines davon offenbar nicht genügt. Vielleicht sollen sie aber auch alle anderen Zeichen ersetzen. Die Schriftsprache verlottert auf diese Weise.
    Dir, liebe Petra, also vielen Dank für den Einsatz zum Wohl der kleinen Zeichen.

  14. Lakritze schreibt:

    Herrlich, und so kurz wie bündig. Ich schicke dann den ein oder anderen, ähm, Klienten zum Spicken vorbei, ja? .)

  15. Xeniana schreibt:

    Ein schöner Beitrag. Ich mag die Kommas ja nicht besonders. Ich setze sie stets nach Gefühl, mit dem unguten Gefühl es nicht richtig erfühlt zu haben. Warum korrigiert Word nicht die Kommas?

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