Zeitungsfrühstück, Folge 78

Foto: (c) Gerda Kazakou

Foto: (c) Gerda Kazakou

Zur vorgerückten Stunde – ihr habt doch alle daran gedacht, eure Uhren vorzustellen? – heute mal wieder ein Zeitungsfrühstück. Am Zeitungsfrühstücksbüffet serviere ich meine Highlights aus dem Zeitmagazin und der Zeit Nr. 14 vom 27. März 2014. Bon ap‘!

 

 

Sih Ämärikäns änd se Dschörmäns

Im aktuellen Zeitmagazin macht sich Harald Martenstein in seiner Kolumne Gedanken über amerikanische und deutsche Umgangsformen und ihre Spiegelungen in der Waffen- und Außendienstpolitik. In English – zumindest im Printtext – online auf Deutsch.

Die rätselhafte Ms Tartt

In ihrem Artikel „Die Unabhängige“ versucht Ilka Piepgras eine Annäherung an die amerikanische Schriftstellerin Donna Tartt. Jüngst erschien das dritte Buch der Schriftstellerin, Der Distelfink, das bereits viel Lob erntete. Durchschnittlich alle zehn Jahre wird ein Roman von Donna Tartt veröffentlicht – ein Zeitraum, der für viele (Erfolgs-)Autorinnen und Autoren wohl schon aufgrund vertraglicher Bindungen kaum erreichbar ist. Schade eigentlich, denn intensive Arbeit an Recherche und Text schadet ja nicht. Und zugunsten des Ergebnisses sollte es egal sein, wie lange es dauert.

oo, oo

Unter dem Titel „Soo einfach“ findet sich eine Zusammenstellung deutscher Startups mit Doppel-O im Namen, in der Tradition von Google und Yahoo. Fast schon wieder retroo.

„Room Service“

Der Reiseteil befasst sich in drei Beiträgen mit Baden-Baden, insbesondere mit der gerade angelaufenen Ausstellung „Room Service. Vom Hotel in der Kunst und von Künstlern im Hotel“ in der Staatlichen Kunsthalle. Die Ausstellung findet nicht nur in der Kunsthalle selbst statt, sondern passenderweise auch in verschiedenen Hotels in Baden-Baden, sogar in Parkgaragen. Ich finde das Thema und das Konzept sehr reizvoll und möchte es mir unbedingt in den nächsten Wochen ansehen.

Sandra Danicke berichtet in „Bitte einrichten!“ über den Ausstellungsbeitrag „Der kleine Entscheidungsraum“ des Künstlers Christian Jankowski im Brenners Park-Hotel, eine der Örtlichkeiten des Baden-Baden-weiten Kunstparcours zur Ausstellung. Das Tolle daran: Hier kann sich der Gast selbst einbringen. Der Künstler ließ ein Zimmer des Hotels komplett ausräumen und weiß streichen. Dieses Zimmer nun kann man buchen (Basispreis: 100 Euro) und mithilfe eines Katalogs vorab einrichten. Wobei sich der Endpreis vermutlich an den gewählten Einrichtungsgegenständen orientiert. Mehr dazu hier.

Nach der Nacht im selbsteingerichteten Hotelzimmer nahm die Autorin des Artikels auch noch gleich an einer Therapie-Sitzung der speziellen Art teil: Die Künstlerin Ann Liv Young bietet als „Sherry“ eine sogenannte „Sherapy“ im Steigenberger Europäischer Hof an. Klingt eher schräg …

In „Hier herrscht der Gast“ verbindet Bernadette Conrad anschaulich verschiedene Anlaufstellen des Kunstparcours mit der einstigen und aktuellen Atmosphäre Baden-Badens. Macht Lust auf einen kleinen Ausflug!

Merten Worthmann hat sich für seinen Beitrag „Tummelplatz mit Geheimnis mit dem Schweizer Kurator Hans Ulrich Obrist unterhalten. Er sei als Einziger „sowohl im historischen als auch im zeitgenössischen Teil“ der Ausstellung vertreten. Mit 24 hatte Obrist 70 Künstler dazu gebracht, in seinem nur 12 Quadratmeter großen Hotelzimmer auszustellen, diese Ausstellung von damals wird in der Staatlichen Kunsthalle dokumentiert. Außerdem findet eine Fortsetzung dieser Ausstellung im Steigenberger, Zimmernummer 130, statt. Mir gefällt, Obrists Vorstellung vom Hotel als „Ort des fließenden Übergangs“.

Genauso empfinde ich das auch – und dies ist sicher einer der Gründe, warum so viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller das Hotel zum Ort des Geschehens in ihren Romanen gemacht haben. Schließlich bietet der Mikrokosmos Hotel ein Laboratorium für die unterschiedlichsten Versuchsanordnungen. Wie ich schon in Ganz weit weg schrieb, sind Hotels Aufenthaltsorte und Durchgangsstationen zugleich, sie werden eine kurze Zeit zu einer Ersatzheimat des Gastes, der für die Dauer seines Aufenthalts ein Stück Verantwortung abgeben darf. „Eine Metapher für die Phasen, die der Mensch in seinem Leben durchläuft und die ihn immer weiter formen, Übergangsphasen zwischen zwei Zuständen.“ Mich erinnert das immer an eine Skulptur von Alberto Giacomettis von 1950, sie trägt den Titel „Figurine dans une boîte entre deux boîtes qui sont des maisons“, hier findet ihr ein Foto dazu.

Und nun wünsche ich euch noch einen schönen Sonntag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Zeitungsfrühstück abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Zeitungsfrühstück, Folge 78

  1. Xeniana schreibt:

    Ich glaube ich werde mir gleich mal Zeit mit der Zeit nehmen. Die Kinder sind ausgeflogen:) Dein Zeitungsfrühstück hat mich auf die Ausstellung neugierig gemacht. Die werde ich besuchen und ich glaube dein Buch wird eine wunderbare Reiselektüre sein.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh, wie schön, freie Zeit für die Zeit : )
      Auf die Ausstellung freue ich mich auch schon, hoffentlich klappt es bald … Ich freue mich, wenn ich dich – wenn auch nur in Form von Lektüre – bei deinem Kunstausflug begleiten darf. Liebe Grüße!

  2. saetzebirgit schreibt:

    UHR VORSTELLEN? Nebst den anderen interessanten Hinweisen und Tipps in deinem Artikel war dies der allerwichtigste…ich hätte es glatt vergessen!

  3. karu02 schreibt:

    Fast ist man schon bereit, einer Autorin, die 10 Jahre für ein Buch benötigt, einen Qualitätsbonus zuzuschreiben. Ich werde mich davon überzeugen, ob das voreilig war. Danke für die Hinweise.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ihr erstes Buch fand ich großartig, das zweite fing gut an, verlor mich aber nach ca. 300 Seiten. Das neue Buch klingt wieder sehr interessant für mich, vielleicht versuche ich es … Auf jeden Fall finde ich es toll, dass sie sich ihre Unabhängigkeit bewahren kann.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s