Apportieren für Fortgeschrittene

Was man mit Stöckchen noch so machen kann: beispielsweise einen Schlüsselbaum

Was man mit Stöckchen noch so machen kann: beispielsweise einen Schlüsselbaum basteln.

In diesem Jahr wird mit Stöckchen nur so um sich geworfen. Ich habe inzwischen den Überblick verloren, wie viele mich allein im ersten Quartal des Jahres getroffen haben, doch es sind sicher deutlich mehr als in all meinen Blogjahren davor zusammen. Wenn ich das systematischer verfolgt hätte, könnte ich wahrscheinlich eine Arbeit mit pseudowissenschaftlichem Gehalt darüber schreiben – und vor allem hätte ich die nächsten Wochen nichts zu bloggen als die Bearbeitung der diversen Stöckchen. Das wäre aber vielleicht ein bisschen langweilig – zumindest für mich.

Prinzipiell ist die Idee, Bloggerinnen und Blogger besser miteinander zu vernetzen und ihnen Fragen zu einem bestimmten Thema zu stellen, ja nicht schlecht. Und gerade in jüngerer Zeit habe ich mehrere tolle Blogs entdeckt und freue mich, die Bloggerinnen und Blogger näher kennenzulernen. Bei anderen Bloggerinnen und Bloggern lese ich nämlich die Antworten sehr gern, doch muss ich gestehen, dass ich die permanente Befragung meiner Selbst mit Fragen, die sich mir eigentlich nie stellen, spätestens ab dem dritten Stöckchen weniger spannend finde. Dennoch habe ich ein unterschwellig schlechtes Gewissen, wenn ich an den Stöckchenstapel denke, der sich da virtuell angesammelt hat. Das ist die Crux, das Kettenbriefige, Schneeballsystemige, Pyramidenspielige an diesen Stöckchen.

Oder ein maritimes Ensemble zusammenstellen.

Oder ein maritimes Ensemble zusammenstellen.

Manchmal muss man nur drei Fragen beantworten und drei andere Leute dazu verdonnern, sie ebenfalls zu beantworten. Manchmal sind es so viele Fragen und so viele zu Verdonnernde, dass ich mich inzwischen frage, warum man nicht gleich die komplette Blogosphäre zum Apportieren aufruft. Die Fragen haben auch häufig einen exklusiven Charakter, beispielsweise soll man einen Lieblingsautor nennen. EINEN – wie kann eine Person, die seit Jahrzehnten vielseitig interessiert liest, nur einen einzigen Lieblingsautor haben? Oder drei Bücher, die man bei einer Apokalypse retten würde. DREI! Davon abgesehen, dass ich bei einer Apokalypse zunächst einmal versuchen würde, Leben zu retten, sehe ich mich außer Stande, die Büchergöttin zu spielen und nur drei Bücher unter den unzähligen, wundervollen, rettungswürdigen Büchern auszuerwählen.

Zwei Stöckchen habe ich schon brav apportiert, aber das soll für dieses Jahr reichen, daher drehe ich den Spieß jetzt um und werfe euch ALLEN ein Stöckchen zu. Und wenn ihr es nicht apportieren wollt, ist es auch okay.

Was tust du, wenn du im wirklichen Leben unterwegs ein Stöckchen findest?

Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du ein Stöckchen nicht fängst und beantwortest?

Welche drei Stöckchen würdest du bei einer Apokalypse retten?

So, nun bin ich mal gespannt, meine Lieben, ob ihr im Apportieren mittlerweile so routiniert seid, dass ihr mitmacht ; )

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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32 Antworten zu Apportieren für Fortgeschrittene

  1. Das musste ja mal geschrieben werden. Petra. 🙂 Man will niemanden vor den Kopf stoßen und lässt sich mitunter zu Dingen nötigen, die man partout nicht will. Eigentlich eine Zumutung. Was mir an den Blogs gefällt, die ich freiwillig und gern lese, ist individuell und originell und passt in kein einheitliches Schema. Sollte mir jemals wieder ein Stöckchen zufliegen, werde ich einfach mit einem Link auf Deinen Artikel hier antworten. Jetzt bin ich aber fein raus! 😉 Und wegen der Apokalypse: Ich werde meine nackte Haut retten und möglichst noch die meiner Mitmenschen. Bücher kann man neu schreiben, Menschen nicht.

  2. Ach so … Du hast ja nach zu rettenden (ein Supinum, juhuuu!) Stöckchen gefragt, nicht nach Büchern wie in dem von Dir parodierten Ursprungsblog. Vielleicht würde ich aus den Stöckchen dann ein Feuerchen machen und mich daran wärmen?

  3. Xeniana schreibt:

    Ein schöner Text, der mir aus der Seele spricht.

  4. nweiss2013 schreibt:

    Die Dosis macht das Gift.:)

  5. IngridW schreibt:

    Danke für den Artikel. In der letzten Woche hat es uns beide ja gleich 2x im Doppelpack erwischt. Und die Stöckchen-Werferinnen waren auch noch zwei ausnehmend nette Blogger-Kolleginnen. Da tut man sich schon jetwas schwer mit der Beantwortung der Frage „Soll ich antworten – oder soll ich nicht?“. Bis jetzt habe ich mich mucksmäuschenstill verhalten …Einen schönen Sonntag, Ingrid

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ja, das war witzig : ) Mir tut es auch leid, ich möchte ja niemanden mit dem Nichtfangen beleidigen, aber es waren dieses Jahr einfach zu viele Stöckchen für mich. Bisher habe ich mich dann auch einfach nicht gerührt, doch mittlerweile denke ich, besser ich äußere mich mal. Wie gesagt: Bei anderen lese ich die Antworten gern. Und es ist ja auch ein Zeichen der Wertschätzung, wenn einem ein Stöckchen zufliegt. Aber vielleicht gibt es da ja auch andere Möglichkeiten. Dir auch noch einen schönen Sonntag & liebe Grüße!

  6. tobiaslindemann schreibt:

    Liebe Petra,
    schöner Text! Möge er die Stöckchenflut eindämmen!
    Herzlich
    Tobias

  7. Dina schreibt:

    Danke für diesen Text lieber, Petra!

  8. durchleser schreibt:

    Ein wahrlich grandioser Text!

    Glücklicherweise liegt der „Durchleser“ ausserhalb jeglicher Reichweite für „Stöckchen“….

    Doch Deine Fragen, liebe Petra, beantwortet die Durchleserin ausnahmsweise sehr gerne:

    1. Durchleserin findet unterwegs nie ein Stöckchen. Höchstens Durchlesers vierbeinige Muse entdeckt dergleichen, beschnuppert es dezent zweimal, legt es diskret an einer guten Stelle wieder ab und kümmert sich dann lieber um wichtigere „Lektüre“.

    2. Weder Duchleserin, noch die vierbeinige Muse haben grundsätzlich kein schlechtes Gewissen, was die bewusste Ignoranz von „Stöckchen“ betrifft.

    3. Bei einer Apokalypse werden von der Durchleserin keine „Stöckchen“ gerettet, sondern sie versucht natürlich sich selbst, die vierbeinige Muse und Marcel Proust in Sicherheit zu bringen!

    In diesem Sinne wünscht Durchleserin noch einen wundervollen und hoffentlich stöckchenfreien, aber dafür literaturgefüllten Sonntag!

  9. Philipp Elph schreibt:

    Meine kleine Enkeltochter und ich haben neulich im Wald einige Stöckchen gefunden, mit nach Hause genommen, gesägt, geschnitzt, gebohrt. Das hat Spaß gemacht, mehr als hier im Netz mit Stöckchen zu spielen.

  10. Jarg schreibt:

    Liebe Petra, ganz klar: (1) Zauberstab für die Zwillinge schnitzen (2) nein, stattdessen auf Blog Prokrastinationsecke für unbeantwortete Stoeckchen einrichten und auf mein noch nicht genau terminierbares Sabbatjahr verweisen (3) Schweizermesser, Tupperdose mit hartgetrockneten Lakritzschnecken und mein Lieblingskissen (natürlich nachdem ich meine Familie gerettet habe).
    Herzlich Gruesse von Jarg, bisher stoeckchenfrei (leider oder zum Glück – wer weiss das schon so genau?)

  11. entdeckeengland schreibt:

    Ach schön, dass ich mit meinem Zwiespalt zwischen Fangen und schlechtem Gewissen nicht allein dastehe. Deine Fragen sollte ich lieber den Kleinen Entdecker beantworten lassen. Der sammelt nämlich gern jedes Stöck(Chen) auf. Aber bei einer Apokalypse gilt für mich das Gleiche wie beim Einsteigen in den Zug: Keine Stöckchen, die größer sind als das Kind. Ich hoffe, der Sammeltrieb legt sich, bevor ich gezwungen bin, Bäume mitzunehmen. Liebe Grüße, Peggy

  12. zeilentiger schreibt:

    Sehr, sehr schön.

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