Shelfie Nr. 25 von Frank Duwald/dandelion

Heute gewährt uns Frank Duwald, der das Blog dandelion | phantastische Literatur führt, Einblicke in seine Bücherregale. Sein Blog habe ich erst vor zwei Tagen entdeckt und war gleich fasziniert. Frank befasst sich nämlich unter anderem mit einem Genre, das ich ebenfalls sehr spannend finde: mit Gothic Novels (oder Schauerromanen).

Wir kamen per Twitter und FB ein bisschen ins Gespräch und als sich Frank als Fan der Shelfie-Serie outete, fragte ich natürlich gleich, ob er vielleicht auch …? Und er sagte ja – schön für uns! Lassen wir also gleich seine Fotos und ihn selbst sprechen:

Bild 1
„Mein Buchbestand ist relativ gering. Dies ist durchaus so gewollt. Nachdem ich früher sämtliche Wände mit Büchern zugemauert hatte, bin ich irgendwann an den Punkt gekommen, dass ich dringend eine mentale Deeskalation brauchte, um bei Verstand zu bleiben. Daher konzentriere ich mich heute auf mein Hauptregal im Wohnzimmer. Hier ist sozusagen die Essenz meiner Bücher zu Hause. Ich bin absolut neurotisch, was Büchersammeln angeht. Ich habe es inzwischen aber geschafft, nur noch wirklich gute Bücher geliebter Autoren hier zu versammeln. Früher habe ich es mir nicht so leicht gemacht. Da musste ich jedes Buch eines Autors besitzen, um glücklich zu sein. Mit meiner Metamorphose zum Familienvater konnte ich mir das Gott sei Dank abgewöhnen.
In diesem Regal gibt es keine Berührungsängste. Virginia Woolf und Vladimir Nabokov vertragen sich ganz vorzüglich mit Carlos Ruiz Zafon und John Irving. In meinem Buchregal herrscht Toleranz!“

Bild 2

„Dieser Ausschnitt aus meinem Hauptregal zeigt meine geliebten Phantastik-Anthologien. Wo der Literatur-Ästhet wegen üblem Geruch die Nase rümpft, übersieht er, dass er hier wahre Schätze schlummern. Insbesondere die 1980er-Jahre-Phantastik-Anthologien von Michael Görden sind Schatztruhen zum Bersten gefüllt mit literarischen Perlen. Was äußerlich richtig schundig rüberkommt, enthält großartige Geschichten von vergessenen Meistern wie Oliver Onions, Arthur Machen, Fritz Leiber etc.
Übrigens sehe ich den Beisatz von dandelion | phantastische Literatur eher im Sinne von ‚außergewöhnliche Literatur‘, denn auch, wenn ich das Phantastische und Schaurige in der Literatur sehr schätze, liebe ich jedes Buch, das mich berührt, egal, welches Äußere es hat.“

Bild 3
„Mein ewiger Lieblingsautor ist John Crowley. Little Big erschien als tonnenschwerer Hardcover bei S. Fischer in wunderschönem Design. Unter Kennern ist es ein absolutes Kultbuch. Alle, die es lieben gelernt haben, lieben es ihr ganzes Leben. Leider war Crowley der Durchbruch nie beschert. Ægypten ist der erste Band eines gelehrten und herzerwärmenden Monumentalromans um eine geheime, magische Geschichte der Welt, die sich hinter der offiziellen Geschichte verbirgt. Leider hat S. Fischer die fehlenden drei Bände nie veröffentlicht.
Wenn ich einen Schrein besitzen würde, lägen diese beiden Bücher darin. Und wenn ich irgendetwas Materielles aus unserem Haus retten müsste, wären es auch diese beiden Bücher.“

Bild 4
„Jetzt geht’s hinunter in die Katakomben. Man darf keine Angst vor Spinnen haben. In einem finsteren Keller-Vorraum steht dieses Regal, das all die Bücher enthält, die es leider nicht hoch ins warme Wohnzimmer geschafft haben. Sind aber allesamt interessante Autoren, die ich mir möglicherweise irgendwann wieder hervorkrame. Darunter sind viele Sammlerausgaben und englischsprachige signierte Erstausgaben von Autoren, an denen ich irgendwann das Interesse verloren habe.“

Bild 5
„Ein relativ neuer Buchkristallisationspunkt im Schlafzimmer. Ein konzeptloser Haufen, der wächst und wächst. Naja, solange er nicht bis ins Bett wächst, ist alles gut.“

Also, ich sehe da einige gute Bekannte in Franks Regalen, beispielsweise Nabokov und Zafon, die Bowen-Biographie, Besessen und Draculas Töchter. Vermutlich fände sich noch mehr, zumindest wenn ich von seinen Besprechungen auf seinem Blog ausgehe. Von John Crowley las ich überhaupt gestern zum ersten Mal auf Franks Blog – klang sehr interessant! Überhaupt lohnt sich ein Besuch bei dandelion, man macht dort viele Entdeckungen abseits des Mainstreams.

Dir, lieber Frank, danke ich herzlich für deine Shelfies!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Shelfie Nr. 25 von Frank Duwald/dandelion

  1. Maren Wulf schreibt:

    Mentale Deeskalation und das Fehlen von Berührungsängsten: Was für ein wunderbarer Zusammenhang!

    • zeilentiger schreibt:

      Ja, also, wieder einmal nimmt mir Maren genau meine Stichworte vorweg. Da bleibt mir wohl nur schnelleres Kommentieren als Ausweg. Aber dann hänge ich noch was dran, mal sehen … Ah, dies vielleicht: Die Bände von Algernon Blackwood sind gute alte Bekannte, ich denke immer mit einer gewissen Zärtlichkeit an sie, weshalb sie nicht bei der Fantastik im „Katzenregal“ im Flur stehen, sondern mit ganz Ausgewählten anderen „Fantasten“ im Schlafzimmer. Mit Crowleys „Little Big“ war ich hingegen nicht warm geworden, ich hatte das Prachtbuch irgendwann irgendwo günstigst weitergegeben, wenn nicht verschenkt. Vielleicht hätte ich dem Buch noch eine zweite Chance geben sollen.

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