Freidenker in Athen

Die Akropolis, im Hintergrund Athen und der Lykabettos, (c) Gerda KazakouVor einiger Zeit erzählte mir meine Schwiegermutter von einem tollen Buchladen-Konzept: der Free Thinking Zone in Athen. Hier gibt es – natürlich – Bücher, aber auch Ausstellungen von Werken junger Künstler aus Griechenland und dem Balkan sowie diverse Veranstaltungen. Auf dem Blog The Goddess of the Hunt findet sich ein hervorragender Beitrag über die Free Thinking Zone, den ‚Buchladen für zeitgenössische Kunst und zeitgenössisches Denken‘, wie die „Göttin der Jagd“ in ihrem Beitrag schreibt.

Die Free Thinking Zone jedenfalls, die so viel mehr als eine Buchhandlung ist – und die ich zu gerne bei meinem nächsten Athen-Aufenthalt besuchen möchte – gibt überdies kleine Hefte, ungefähr im Reclam-Format, mit Kurzgeschichten zeitgenössischer Autoren heraus, die sogenannten Scrapbooks. Eines davon sandte mir meine Schwiegermutter: Ophelias‘ burial von Soti Triantafyllou. Das Besondere daran: Von der einen Seite kann man die Geschichte auf Englisch lesen, von der anderen auf Griechisch. Und in der Mitte gibt es einige leere Seiten, um die eigenen Gedanken dazu oder vielleicht eine ganz eigene Geschichte zu notieren. Die zweisprachige Ausgabe ist eine tolle Idee, um beispielsweise auch Touristen auf neue griechische Autoren aufmerksam zu machen.

Die Kurzgeschichte selbst ist übrigens sehr gut: Es geht um einen Totengräber im England der Vor-Thatcher-Ära. Ethan White ist ein einfacher Mann, dem die ungewöhnliche Arbeit nichts ausmacht. Seine einzige Freude scheint der regelmäßige Besuch eines jungen, gehörlosen Mädchens zu sein, das ihm bei den Blumen hilft. Ethan wird in die Ereignisse seiner Zeit gezogen, tritt nolens volens der Gewerkschaft bei und schließt sich dem großen Streik an. Eines Tages bricht er den Streik, weil er endlich wieder Geld verdienen muss, doch das Mädchen hat er für immer verloren. Mehr über den politischen Hintergrund und den Winter of Discontent findet ihr auch bei Wikipedia. Von der Autorin hatte ich vor einigen Jahren bereits einen sehr guten Roman gelesen, Die Bleistiftfabrik.

Wenn ich die Free Thinking Zone besuche, werde ich mir sicher noch weitere Scrapbooks besorgen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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2 Antworten zu Freidenker in Athen

  1. wildgans schreibt:

    Ist ja irre, wie da oben die weiß gestrichenen Möbel hängen- und diese Frau sieht so herzensvoll Bücher und Kunst liebend aus!

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