Ein Geheimnis

Ein kleiner, autobiographischer Roman von Philippe Grimbert, für den der Autor 2004 den Prix Goncourt des Lycéens erhielt.

Paris. Der kleine Philippe stellt sich von Kind an vor, er hätte einen Bruder. Dieser Bruder ist schöner, stärker und beliebter als er selbst (Philippe selbst ist „mager, kränklich und blass“), beschützt ihn vor den anderen und kämpft doch jede Nacht mit ihm. Außerdem konstruiert Philippe sich die Liebesgeschichte seiner Eltern, die er stets zu enttäuschen meint, auch weil sie beide schön und überaus sportlich sind. Erst mit 15 Jahren erfährt er von einer Freundin der Familie, dass es diesen imaginierten Bruder tatsächlich gab, aber auch, dass die Liebesgeschichte seiner Eltern nichts von der Erhabenheit und Romantik hatte, die er hineininterpretierte, sondern auf einer Tragödie aufbaut und dass sein Bruder in einem Konzentrationslager starb.

Wie Philippe mit seinem Schattenbruder, der Wirklichkeit wurde, umgeht, welche Konsequenzen es für sein Verhalten und seine Eltern hat, erzählt Philippe Grimbert fesselnd und anrührend und dabei ganz unsentimental.

Rezension erstmals erschienen im „Virtuellen literarischen Salon“.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Ein Geheimnis

  1. Pingback: [Philea's] Ein Geheimnis - #Literatur | netzlesen.de

  2. Ulli schreibt:

    gerade erst erzählte mir jemand eine Geschichte aus dem eigenen Leben, die identisch ist, nur dass der Bruder nicht im KZ starb, sondern bei einem Verkehrsunfall, die Eltern hatten sich darüber ausgeschwiegen, aber das Kind hat es gespürt …
    so wie Kinder ja auch spüren, wenn ein leiblicher Elternteil verschwiegen wird-
    ein Thema, das ich immer wieder faszinierend finde, das aber eben auch viel Drama in sich trägt, die Kinder, wenn sie denn die Wahrheit heraus bekommen, fühlen sich immer belogen …

    danke dir Petra für den Buchtipp,
    hab einen feinen Sonntag
    herzliche Grüsse Ulli

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das ist allerdings faszinierend, liebe Ulli! Und sehr traurig. Vielleicht wollte man das Kind vor der traurigen Wahrheit schützen, aber wie du sagst, wenn es dann doch davon erfährt, fühlt es sich nicht beschützt, sondern belogen, nicht ernst genommen etc.
      Liebe Grüße & auch dir noch einen feinen Sonntag!

  3. zeilentiger schreibt:

    Das Büchlein hatte ich mir mal vor Langeweile am Brüsseler Bahnhof gekauft, auf Französisch, obwohl ich eigentlich nicht so recht Französisch kann, sondern ableiten muss von anderen Sprachen. Wie man sich vorstellen kann, bin ich dann nicht sehr weit gekommen damit …

  4. durchleser schreibt:

    Ein wunderbarer Autor, empfehlenswert ist auch der Roman „Ein besonderer Junge“. Mehr dazu auch hier: http://durchleser.wordpress.com/2012/10/21/durchgelesen-ein-besonderer-junge-v-philippe-grimbert/

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