Der Flaubert-Rabe

Die Nummer 47 des wunderbaren, wenn auch leider längst eingegangenen Literaturmagazins Der Rabe versammelt verschiedene Texte rund um und von Gustave Flaubert. Für Flaubert-Fans absolut zu empfehlen – die anderen bekommen mit dem Flaubert-Raben vielleicht Lust auf mehr.

Derzeit lese ich mich während meiner Straßenbahnfahrten durch die Raben, zuletzt durch den Flaubert-Raben. Wieder eine tolle Mischung unterschiedlichster Texte: Briefe Flauberts an seine Geliebte Louise Colet, Tagebucheintragungen der spitzfedrigen Gebrüder Goncourt, ein Briefwechsel zwischen Flaubert und Maupassant und seine Wirkung auf eine Szene in Bouvard und Pécuchet, Ratschläge von George Sand und dazwischen immer wieder kürzere und längere Betrachtungen und Geschichten, die entweder direkt auf Flauberts Werke Bezug nehmen oder zumindest stark von ihnen inspiriert sind. Diese Texte stammen unter anderem von Robert Gernhardt, Harry Rowohlt, Eugen Egner, Eckhard Henscheid und Julian Barnes. Die Droschkenszene kommt ebenso wenig zu kurz wie die Verrisse einer wohl albern-erotischen Verfilmung der Madame Bovary. Besonders amüsant in diesem Zusammenhang die Vorschläge des „Reklame-Beraters“ für Werbemaßnahmen zu einer offenbar gelungeneren, früheren Madame-Bovary-Verfilmung mit Jennifer Jones. Hier wird unter anderem empfohlen:

„Als besondere Werbung können Sie mit Parfümerie-Geschäften Ihrer Stadt Schaufensterwerbung unter dem Motto ‚Was verlieh Madame Bovary jenes gewisse, unwiderstehliche Etwas‘ arrangieren. Dekorieren Sie dazu kosmetische Artikel […].“ Bisschen anachronistisch, der Vorschlag – aber was soll’s. Ein feines Fundstück jedenfalls für den Raben.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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3 Antworten zu Der Flaubert-Rabe

  1. Pingback: [Philea's] Der Flaubert-Rabe - #Literatur | netzlesen.de

  2. Maren Wulf schreibt:

    Flaubert-Rabe-Lektüre in der Straßenbahn: Da entstehen wunderbar nostalgische Bilder im Kopf, liebe Petra, Parfümerie-Deko à la Bovary inclusive. 🙂

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