Bücherkoffer Nr. 18 von Norman/notizhefte

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Wie wir schon gesehen haben, muss man für die Serie „Bücherkoffer“ nicht auf Reisen gehen, man muss nicht mal reiselustig sein oder Ferien in fernen Gefilden planen. Aber Leselust gehört auf jeden Fall dazu, ob daheim oder unterwegs. Und wenn es nur mit der S-Bahn ist. Statt professoraler Koffermatrioschka – herrliches Wort übrigens, werdet ihr gleich vom Urheber selbst lesen – serviert uns Norman vom wunderbaren Blog notizhefte ein professorales Bücherkofferleporello, nur ohne Koffer.

„Allerlei Ausweichmanöver wurden ja schon präsentiert: die professorale Koffermatrioschka, Packphobie, die fremdbestimmte Lektüre, unzählige Hinweise in den Kommentaren! Mir bleibt also nur das schlichte Bekenntnis, gar nicht so richtig in den Urlaub zu fahren. Und also auch nicht großartig Bücher einzu-, geschweige denn einen ganzen Bücherkoffer zu packen.

Auf dem Weg zur kürzlichen Sommerfrische im Elternhaus begleiteten mich die unbefriedigende Max-Weber-Biographie von Dirk Kaesler (Lesefortschritt 100 Seiten) und der grässliche Roman Nachkommen von Marlene Streeruwitz (Lesefortschritt 200 Seiten). Zur Erholung nahm ich mir Martha Grimes‘ Inspektor Jury geht übers Moor aus dem Regal und las es in einem Rutsch oder Flutsch, wie Birgit sagen würde, durch. In der Buchhandlung Dr. Vaternahm erstand ich Ernest Hemingways Paris − Ein Fest fürs Leben und legte es daheim jungfräulich auf den Stapel.“

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„Angeregt durch einen Artikel im Thomas-Mann-Jahrbuch (gelesen in der S-Bahn auf dem Weg ins Büro und zurück) erstand ich zurück in Berlin von Hermann Hesse Demian. Die Geschichte von Emil Sinclar, das alsbald ausgelesen sein wird; ein schmales Bändchen.

Aktuell lese ich noch Zeilen und Tage. Notizen 2008-2011 von Peter Sloterdijk, das von wechselndem Unterhaltungs- und Neuigkeitswert ist, sowie das sehr interessante Buch Die Verteidigung der Kultur. Mythos und Musik als Medien der Gegenmoderne von Tim Lörke. Dank der guten Kapiteleinteilung als Etappenstudierbuch geeignet ist Kunst und Archäologie der griechischen Welt. Von den Anfängen bis zum Hellenismus von Richard T. Neer − auch meine Antikensektion fordert schließlich ihr Recht! Sonntags schließlich reserviere ich Zeit für jeweils ein oder zwei Gesänge aus Goethes Reineke Fuchs.“

Ist das nicht ein feines Lektürenleporello, das Norman da für uns entfaltet? Sehr vielseitig und interessant! Inzwischen hat Norman übrigens den Demian ausgelesen, seine Leseeindrücke findet ihr hier.

Dir, lieber Norman, ganz herzlichen Dank fürs Mitmachen! Den Hemingway fand ich übrigens ganz großartig, er ist als Etappenbuch für unterwegs ebenso geeignet wie für den heimischen Lesesessel.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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26 Antworten zu Bücherkoffer Nr. 18 von Norman/notizhefte

  1. Pingback: [Philea's] Bücherkoffer Nr. 18 von Norman/notizhefte - #Literatur | netzlesen.de

  2. andreabreuer schreibt:

    Der „grässliche Roman Nachkommen von Marlene Streeruwitz“. Ich finde es toll, wie Norman die Dinge auch für eilige Leser auf den Punkt bringt! 🙂

  3. Herr Ärmel schreibt:

    Wie wärs denn mal mit einer Zimmerreise, da lässt sich der Koffer virtuell packen?
    Zum Beispiel mit: Xavier de Maistre – Reise um mein Zimmer. Der hat ein ganzes Genre mit seinem kleinen Roman begründet.
    Sommersonnige Grüsse vom Schwarzen Berg

  4. Dina schreibt:

    Amüsanter Bericht und das herrliche „Koffermatrioschka“ ist :-D!
    Ein wunderschönes Wochenende, liebe Petra!

  5. nweiss2013 schreibt:

    Hat dies auf notizhefte rebloggt und kommentierte:
    Petra hat mich angeregt, einen Bücherkoffer zu packen. Hier findet Ihr das Ergebnis, liebevoll von ihr umrahmt.

  6. erand47 schreibt:

    Diese wunderbaren Bücherkoffergeschichten erinnern mich immer an die Italienreisen von Tante Paula. In einem asthmatischen 34 PS – Käfer wurde hineingepackt was das heimische Lebensmittlellager hergab – bis hin zu Dosenravioli. Dann ging es über den Brenner nach Jesolo.
    Will sagen, ich nehme kein einziges Buch mit auf die Reise. Sobald ich am Ziel bin (allerdings ist das selten ein Strand o.ä.) führen mich meine Wege zielsicher zu Buchhandlungen und Antiquariaten (Merkwürdigerweise liegen die immer „zufällig“ auf dem Weg). Irgendwas findet sich immer, oft viel zu viel. Bei Flugreisen bleibt meist ein großer Teil der Garderobe im Land. Mein persönlicher Rekord war ein ansonsten absolut leerer Koffer nur mit Büchern des einstigen DDR – Aufbau – Verlages u. a. gefüllt. Die gab es In Riga – damals noch SU – für ein paar Pfennige. Die Klamotten etc. wurden einfach gegen Bücher eingetauscht. Viele meiner Klassiker stammen von solchen Tauschgeschäften.
    LG

  7. gsohn schreibt:

    Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

  8. saetzebirgit schreibt:

    Mir gefällt ja besonders, wie viele sich inzwischen als Nicht-Reisende outen:-) Und dass meine Kategorie Flutschbuch offenbar durch die Blogs geistert. Abgesehen von der Lektüreauswahl von Norman und den weiteren Kofferpackern 🙂

  9. hokuspokus77 schreibt:

    Ah, die Kaulbach Illustrationen zum Reinecke Fuchs, wie schön! Die Bilder allein sind schon eine Reise.

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