Der Dekadenz-Rabe

RabenNeues aus dem Land der Raben, zu dem sich meine Bibliothek gerade erweitert hat: Die Nr. 15 des wunderbaren Literaturmagazins Der Rabe ist auch als der dekadente oder der Dekadenz-Rabe bekannt. Hierin versammeln sich aber nicht einfach nur die üblichen Verdächtigen, sondern auch bislang völlig Unverdächtige bzw. mir bislang sogar völlig unbekannte Autoren. Wieder sehr lesenswert!

Diese herrlichen Text- und Bildversammlungen innerhalb der einzelnen Raben haben mich bisher – die Nr. 15 ist mein vierter Rabe – jedes Mal begeistert. So auch beim Thema Dekadenz. Meine persönlichen Highlights dieser wunderbaren Sammlung:

„Flauberts englische Geliebte“ von Julian Barnes, ein Kapitel aus Flaubert’s Parrot, das ich bereits kannte und nun mal zur Abwechslung auf Deutsch gelesen habe.

Die Erzählung „Die Verführung“ von Joris-Karl Huysmans – bekannt vor allem für seinen Roman Gegen den Strich, in dem er aufs Anschaulichste vorführt, wie dekadent man sein kann – über einen Liebhaber, den die Jagd mehr interessiert als die Beute. Der Auszug stammt aus seinem Roman Là-bas.

„Tod eines Wombat“ von F.W. Bernstein mit Wombat-Bildern von Dante Gabriel Rossetti, J. Gould, Treffry Dunn, William Michael Rossetti,William Bell Scott, Max Beerbohm, Edward Burne-Jones u. a. hat mich am meisten überrascht. Mir war nämlich bis dato nicht bekannt, wie beliebt Wombats waren bzw. was für ein großer Fan Rossetti von ihnen war. Ich hielt das zunächst sogar für einen Scherz à la Die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel – aber nix da, es stimmt tatsächlich! Und ein sehr hübsches Büchlein gibt’s auch dazu. Bernsteins Beitrag wiederum ist ein Auszug aus seinem Buch Bernsteins Buch der Zeichnerei, das ich mir am liebsten gleich bestellt hätte, wäre es nicht so teuer …

„Reginald über Einladungen“ von Saki ist überaus amüsant. Aber wer ist eigentlich Saki? Falls ihr es auch nicht wisst, mehr über Hector Hugh Munro, so sein richtiger Name, findet ihr bei Wikipedia.

Ebenfalls sehr amüsant ist „Muss das künstlerische Material kalt gehalten werden? Anmerkungen zu Benn“ von Arno Schmidt, das mal wieder meine Ansicht bestätigt, dass Schriftsteller/Künstler etc. immer noch am besten über einander lästern können.

„Nonita“ von Umberto Eco war auch so eine Überraschung: Der Autor verdreht die bekannte Geschichte von Nabokovs Lolita ins Gerontophile, also in ihr Gegenteil. Die Hauptfigur heißt übrigens Umberto Umberto ; )

In „Die Alten. Exemplarische Skizzen“ singt Axel Marquardt ein Loblied aufs Alter und zeigt anhand einiger Vertreter die wahre Weisheit der Alten. Auch von Axel Marquardt hatte ich bisher nie gehört, dabei schreibt er wirklich gut. Auch das ein Vorteil der Raben: Es gibt immer wieder etwas bzw. jemanden neu zu entdecken!

Das genaue Inhaltsverzeichnis des Raben Nr. 15 findet ihr unter http://www.mjucker.ch/derrabe/15_gif.html. Wenn ihr ein bisschen weiterklickt, werdet ihr dort auch die Inhaltsverzeichnisse aller weiteren Raben finden.

Aber nicht nur die Raben sind wunderbar, auch meine Bloggäste sind’s. Zweien von ihnen – Ulli Gau vom Café Weltenall und Pierino – verdanke ich, dass ich nun um fünf Raben reicher bin (siehe Foto). Die Raben kamen letzte Woche angeflogen und ich habe mir für meine nächsten Straßenbahnfahrten den maritimen Raben in die Handtasche gesteckt. Mehr dazu, wenn ich durch bin. An Ulli und Pierino jedenfalls ganz herzlichen Dank!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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11 Antworten zu Der Dekadenz-Rabe

  1. Pingback: [Philea's] Der Dekadenz-Rabe - #Literatur | netzlesen.de

  2. Herr Ärmel schreibt:

    Toll ge/beschrieben. Nach jahrelangem Vermissen der Literazzia war Der Rabe endlich wieder was brauchbares…
    Einen ganz besonderen Raben habe ich noch:
    http://fotografieundtext.wordpress.com/2014/01/29/von-gemeinen-raben-corvidae-und-dem-besonderen-corvidus-literaricus/ (wenn der Link unerwünscht ist, einfach löschen)

    Nachmittäglichklimatisiertkühle Grüsse vom Schwarzen Berg

  3. doctotte schreibt:

    Der Wombat erinnert mich daran, dass ich neulich träumte, gute Freunde hielten einen Wombat als Haustier. Irgendwie hatte ich das leider verdrängt; hoffentlich merke ich es mir jetzt bewusster.
    Zum Thema „lästern über andere Künstler/Autoren“ erinnre ich an die beiden Dichter-beschimpfen-Dichter-Bände, die Jörg Drews herausgegeben hat. Ich selbst verfüge leider nur über Band 2 und war mäßig begeistert.
    (Und herzlichen Glückwunsch zu den weiteren Raben. 🙂 )

  4. Mina schreibt:

    So! Jetzt hast Du es geschafft, liebe Petra.
    Ich bestelle mir jetzt meinen ersten Raben!

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