Sechs Krimis von Leena Lehtolainen

3MegaCamDa Finnland in diesem Jahr das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse ist, dachte ich mir, ich stelle euch ein paar Krimis der Autorin Leena Lehtolainen vor, die ich vor etwa zehn Jahren las. Die Autorin ist übrigens auch auf der Buchmesse zu Gast.

Anlass für meine Leena-Lehtolainen-Phase war ein geplanter Besuch bei einer Freundin, die in Helsinki lebt. Um mich darauf einzustimmen, schenkte mir mein Liebster zuvor einen ganzen Stapel Krimis von Leena Lehtolainen, die ich natürlich gewissenhaft zur Vorbereitung durchgearbeitet habe ; ) Der Aufenthalt in Helsinki war herrlich und verlief glücklicherweise völlig ohne kriminelle Ereignisse. Mehr dazu in einem älteren Beitrag. Außerdem gibt es noch ein älteres Interview mit meiner Freundin Tina, bei der ich damals zu Besuch war, in dem sie unter anderem von der Leselust der Finnen erzählt.

Doch nun – wie versprochen – zu den Krimis. Die Besprechungen erschienen erstmals im Virtuellen literarischen Salon.

Zeit zu sterben

Ein spannender und interessanter Krimi. Allerdings war die Perspektive zu meiner Überraschung nicht die der Kommissarin Maria Kallio, die zumindest auf dem Buchrücken als Hauptfigur genannt wird, denn die kam im Buch kaum vor. Was aber nicht schadet. Stattdessen wird die Geschichte aus Sicht der Sozialarbeiterin Säde erzählt. Sie arbeitet in einem Frauenhaus und hat eines Tages offenbar die Nase voll von der Brutalität der Männer. Zumal sie erkennt, dass in vielen Fällen wirklich nichts mehr zu machen ist, um den Frauen zu helfen. Als eine ihrer Schutzbefohlenen von ihrem Mann zu Tode geprügelt wird, dreht Säde den Spieß um. Jedoch nicht mit plumper Gewalt, stattdessen hilft sie sehr subtil dem Schicksal ein wenig nach.

Die Kommissarin untersucht die Fälle und macht zuweilen Andeutungen. Es scheint, als wisse sie, inwieweit Säde an den plötzlichen Unglücksfällen beteiligt ist. Aber offenbar forscht sie nicht intensiver in dieser Richtung. Und als Leserin kann man sich eine gewisse Schadenfreude kaum verkneifen. Am Ende hält Säde allerdings noch eine Überraschung  bereit, mit der vermutlich die wenigsten rechnen werden, die aber die vorhergehenden Änderungen ihrer Persönlichkeit erklären.

Alle singen im Chor

Bei einer Wochenendchorprobe auf dem Land wird ausgerechnet der Gastgeber Jukka Sonntagsfrüh ermordet aufgefunden. Kommissarin Maria Kallio kennt zwar die Chormitglieder aus Studentenzeiten und ist somit eigentlich befangen, will aber bei ihren Kollegen nicht gleich beim ersten großen Fall den Eindruck erwecken, dass sie sich ihre Fälle lieber „aussuchen“ möchte. Denn als Frau in einer gehobenen Position hat sie es schon schwer genug. Vielleicht nimmt man ihr auch übel, dass es ihr nicht genügte, kurz hintereinander zwei Führungskurse zu absolvieren, sondern dass sie außerdem ein fast fertiges Jurastudium im Rücken hat.

Die Krimis um Mario Kallio werden stets aus ihrer Perspektive erzählt. Und da sie den Typus der jungen, etwas flippigen und mit vielerlei menschlichen Schwächen ausgestatten Ermittlerin verkörpert, freundet man sich beim Lesen schnell mit ihr an. Dabei nimmt man nicht nur teil an ihren Ermittlungen, sondern auch in erheblichem Maße an ihrem fast interessanteren Privatleben. Beispielsweise an ihrem Interesse an Antti, der durch seine Mitgliedschaft beim Chor leider zu den Verdächtigen zählt.

Was die Krimi-Handlung selbst angeht: Wer sich auch mal mit leichterer Krimikost ohne viel Brutalität und atemberaubenden Nervenkitzel ein paar gemütliche Lesestunden machen will, ist bei Kommissarin Kallio bestens aufgehoben.

Auf die feine Art

Diesmal ermittelt Maria Kallio nicht im Freundes-, sondern sogar im Familienkreis. Immerhin nicht in ihrer Familie. Es sind die Verwandten von Antti, den wir bereits von ihrem ersten Fall kennen. Inzwischen hat Maria ihr Jurastudium abgeschlossen und arbeitet in einer kleinen Kanzlei in Espoo. Sie wohnt mit Antti zusammen, der gerade an seiner Dissertation sitzt, und könnte ein ganz entspanntes Anwaltsleben führen, wenn nicht dieser Mord dazwischen gekommen wäre.

Die Familie des Mordopfers bittet Maria, den Tatverdächtigen als Anwältin zu vertreten. Aber natürlich tut Maria mehr als nur ihre Arbeit als Rechtsbeistand. So gerät sie schließlich selbst in Gefahr, denn irgendetwas soll vertuscht werden – selbst wenn dafür der Falsche für den Mord büßen muss.

Insgesamt nicht schlecht, aber etwas arg ländlich-gemütlich für meinen Geschmack.

Kupferglanz

Was ein bisschen ärgerlich ist: Da dieser Krimi von Leena Lehtolainen aus der Maria-Kallio-Reihe in einem anderen Verlag als die übrigen erschienen ist, kommt man als Leser eventuell mit der Reihenfolge durcheinander. Das wird auch noch dadurch begünstigt, dass rororo von Weiß wie die Unschuld behauptet, dass es sich dabei um Maria Kallios dritten Fall handelt. Stimmt nicht, das ist ihr Vierter. Kupferglanz ist ihr Dritter.

Gleich vorweg: Auch das ist nicht ihr Bester. Doch der Reihe nach. Diesmal übernimmt Maria in ihrer kleinen Heimatstadt Arpikylä die Stellvertretung als Polizeidirektorin, während Antti in den USA an seiner Doktorarbeit weiterschreibt. Doch statt eines netten Sommers in heimatlicher Umgebung erwarten sie hier zwei Mordfälle, beide geschehen auf dem Gelände der stillgelegten Kupfermine. Nicht unspannend, aber auch hier ist wieder Marias Privat- und Innenleben interessanter als der Fall.

Weiß wie die Unschuld

Bevor Maria mit der Ermittlung in ihrem vierten Fall loslegt, heiratet sie erst mal ihren Antti. Eine Entwicklung, die ja bereits in den anderen Romanen abzusehen war. Ihr vierter Fall ist wieder deutlich spannender als die beiden vorhergehenden: Diesmal verschwindet Elina Rosberg, Leiterin eines Therapie- und Selbstverteidigungsinstituts für Frauen. Alles deutet auf ein Verbrechen hin. Verdächtigt wird ihr Freund, ein Dichter, sowie ihre Tante Aira. Doch damit nicht genug: Ein Bankräuber, den Maria einst überführte, ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und will sie aus Rache töten.

Der Krimi gewinnt rasch an Fahrt und wird richtig spannend.

Die Todesspirale

Eine bekannte Eiskunstläuferin wird erschlagen aufgefunden. Marias Ermittlungsarbeiten führen sie in die eiskalte Weg des Leistungssports, der Doping-Skandale, Eifersüchteleien und Star-Allüren. Eine Welt, die so gar nichts mit ihrer eigenen zu tun hat. Außerdem wird ihr die Arbeit durch einen unangenehmen Kollegen und ihre erste Schwangerschaft nicht gerade versüßt.

Spannend geschrieben und unterhaltsam zu lesen.

So, meine Lieben, das war’s erst mal aus der Krimi-Ecke. Zuletzt erschien übrigens im Sommer Leena Lehtolainens aktueller Krimi Wer ohne Schande ist.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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17 Antworten zu Sechs Krimis von Leena Lehtolainen

  1. Pingback: [Philea's] Sechs Krimis von Leena Lehtolainen - #Literatur | netzlesen.de

  2. IngridW schreibt:

    Scheint mir gute Unterhaltung für verregnete Herbsttage (wie heute) zu sein …

  3. schifferw schreibt:

    Danke für diese schöne Erinnerung! Ich habe die Krimis von Leena Lehtolainen immer gerne gelesen, doch dann, ich weiß nicht genau warum, irgendwann das Interesse ein wenig verloren… Vielleicht waren mir die zentralen Charaktere bereits zu vertraut geworden!

  4. perlengazelle schreibt:

    Ich lese manchmal ganz gern Serien-Bücher. Man weiß ungefähr, was einen erwartet, der Protagonist entwickelt sich weiter (im besten Fall), kommt auch mal an seine Grenzen, aber meistert die Situation dann doch – mit mehr oder weniger Blessuren.. Ich nenne so etwas Pantoffelbücher. Wie in einen alten weichen Pantoffel schlüpft man rein und fühlt sich warm und gemütlich. Auch Leena Lehtolainen habe ich gern gelesen. Und auch ich hab irgendwann damit aufgehört. Die Geschichte war einfach auserzählt, fand ich.
    Und ebenso braucht man doch mal neue Pantoffel.

  5. hokuspokus77 schreibt:

    Das klingt sehr, als könnte es mir gefallen. Danke für den Tipp!
    Pantoffelbuch – schönes Wort.

  6. guenterkeil schreibt:

    Danke für Deinen schönen Text! Zur Ergänzung mein Interview mit Leena Lehtolainen: http://guenterkeil.wordpress.com/2014/10/07/leena-lehtolainen-interview-literaturblog-guenter-keil/

  7. Mila schreibt:

    Eigentlich habe ich es im Moment gar nicht mehr so mit Krimis. Vielleicht einfach zu viele zu oft gelesen. Aber du hast mich auf diese Autorin neugierig gemacht. LG mila

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