Ein Sommer mit Montaigne

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Bücherkoffer, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Als kleine Einführung in Montaignes Leben und Werk und zugleich als leichte (nicht seichte!) Lektüre durchaus empfehlenswert: Antoine Compagnons Ein Sommer mit Montaigne, übersetzt von Lis Künzli.

Wie Tobi von Lesestunden nicht zu unrecht meinte, hätte ich vor dem Urlaub eigentlich meinen Bücherkoffer bloggen können. Dann machen wir es nun umgekehrt: Ich packe ihn in der Reihenfolge, in der ich die Bücher las, aus. Wir beginnen mit Ein Sommer mit Montaigne, einem Buch, das mir noch kurz vor dem Urlaub in der Buchhandlung auffiel und das ich aufgrund des Themas und seines leichten Gewichts für meinen Bücherkoffer bzw. gleich fürs Handgepäck sehr geeignet fand.

Auf 170 Seiten kann man natürlich nicht so in die Tiefe und Breite gehen wie Sarah Bakewells zu Recht gelobtes Werk How to Live: A Life Of Montaigne (eine lesenswerte Empfehlung findet ihr beispielsweise bei Dr. Christian Köllerers Notizen) Aber wenn man bedenkt, wie das Buch zustande kam, ist es auf seine Art sehr gelungen. Compagnon nämlich, Literaturwissenschaftler und „bekannt für seine mitreißenden Vorlesungen“, wie es über ihn heißt, sollte für den Sender France Inter einen Sommer lang wochentags ein paar Minuten über Montaigne sprechen.

Ihm ist klar, dass diese Montaigne-Appetithäppchen die Gefahr in sich bergen, ihn als intellektuelles Leichtgewicht zu diskreditieren. Aber er hat die Herausforderung gut gemeistert. Die 40 Beiträge bieten einen Überblick über die Themen Montaignes in seinen Essais, skizzieren die politischen, historischen und gesellschaftlichen Umstände sowie die Lebensumstände Montaignes, seine Art, Dinge zu betrachten und geben einen Einblick in seine Gedankenwelt. Natürlich liegt die Betonung auf „skizzieren“, mehr kann es bei Beiträgen dieser Kürze nicht sein, aber Compagnon macht das Beste aus seiner Aufgabe, einem breiteren Publikum in den Ferien Montaigne näher zu bringen. Ich hab’s gern gelesen. Außerdem passte es perfekt zu meiner folgenden Lektüre, nämlich Senecas De vita beata, das ich euch beim nächsten Mal vorstelle.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Ein Sommer mit Montaigne

  1. Pingback: [Philea's] Ein Sommer mit Montaigne - #Literatur | netzlesen.de

  2. Tobi schreibt:

    Hallo Petra,

    ich kann mir gut vorstellen, wie du in dem schönen Garten in Griechenland sitzt, mit einem edlen Tropfen und dir dieses Buch durchliest. Das erinnert mich von der Aufmachung ein bisschen an „Ein Liebesabenteuer“ von Dumas oder „Ein letzter Tag Unendlichkeit“ von Deprijck. Beides Bücher, die nicht umfangreich sind, sich schön lesen lassen und durch die man große Literatur hindurch spürt. Also ein wenig wie literarisches Lustwandeln 😉

    Ein schöner Buchtipp und ich freue mich auf die Vorstellung deiner nächsten Urlaubslektüre.

    Liebe Grüße
    Tobi

  3. Liebe Petra,
    meine Stapel haben derzeit zwar absolutes Zuwachsverbot, aber in meine Liste muss der Titel rein. Als philosophisch interessierter aber zuweilen ungeduldiger Leser philosophischer Texte, dessen Bibel nach wie vor die Philosophische Hintertreppe vom guten alten Wilhelm Weischedel ist http://www.dtv.de/buecher/die_philosophische_hintertreppe_30020.html#tabs , bin ich über solche Bücher, wie das von Dir besprochene immer froh. Wenn ich einen einigermassen verständlichen Einstieg bekomme, verstehe ich die Texte meistens besser… Und sowas erhoffe ich mir nach Deiner feinen Besprechung auch von diesem Buch, auch, wenn Montaigne sogar für mich Klein-Intellektuelklen nicht gar sooo unverständlich ist.
    Liebe Grüsse
    Kai

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah ja, ein Klassiker, die Hintertreppe! Ich freue mich, lieber Kai, dass ich dich für das Buch interessieren kann. Es ist wirklich ein prima Einstieg und macht dir sicher Lust auf Montaigne (noch mehr Bücherzuwachs!) : ) Aber: Stell dein Licht bloß nicht unter den Scheffel! Liebe Grüße

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