De vita beata/Vom glücklichen Leben

Pfingstrosen4Lange nicht mehr gelesen und in guter Erinnerung behalten: Deshalb wanderte die zweisprachige Reclam-Ausgabe von Senecas De vita beata/Vom glücklichen Leben (Übersetzung: Fritz-Heiner Mutschler) in meinen Bücherkoffer für den Griechenlandurlaub – eine Lektüre mit Gewinn und gar nicht staubig zu lesen.

Etwa 50 war der Redner, Naturforscher und Philosoph Lucius Annaeus Seneca, als er durch die Thronbesteigung seines Schülers Nero im Jahre 54 ebenfalls politische Höhen erreichte. Zumindest ein paar Jahre lang gehörte sein Einfluss mit zu den wichtigsten auf Neros Politik. Dann aber sank sein Stern – schließlich befahl ihm Nero, sich umzubringen. Was Seneca tat.

Vermutlich noch auf der Höhe seiner Macht bzw. kurz danach soll die kleine Schrift De vita beata entstanden sein. Das könnte erklären, warum sie im ersten Teil vom erfüllten, richtigen Leben spricht, in Übereinstimmung mit der Natur und von Vernunft und Streben nach Tugend bestimmt, im zweiten Teil aber vor allem eine Rechtfertigung enthält, wieso nun jemand, dem es sowieso bestens geht, meint, weise Ratschläge geben zu müssen. Hier weist Seneca sehr richtig darauf hin, dass richtiges Handeln und Reichtum sich nicht notwendigerweise ausschließen müssen („Niemand hat die Weisheit zur Armut verurteilt / nemo sapientiam paupertate damnavit“), sofern man sich nicht über den Reichtum definiert. Dabei setzt er sich keineswegs als Exempel für die richtige Lebensweise über alle anderen, im Gegenteil. Ihm geht es vor allem darum zu versuchen, ein richtiges, gutes Leben zu führen, um den Weg dorthin.

De vita beata enthält eine Fülle wunderbarer Sentenzen, die man sich am liebsten alle aufs Kopfkissen sticken möchte, zum Beispiel:

„Sobald ich es vermag, werde ich leben, wie es sich gehört / Cum potuero, vivam quomodo oportet“

„Nichts werde ich um meines Ruhmes, alles um meines Gewissens willen tun / Nihil opinionis causa, omnia conscientiae faciam“

Insgesamt unbedingt lesenswert! Besonders auch im Zusammenhang mit der Lektüre des Buchs zu Montaigne, das ich euch im vorigen Beitrag vorgestellt habe.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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6 Antworten zu De vita beata/Vom glücklichen Leben

  1. Pingback: [Philea's] De vita beata/Vom glücklichen Leben - #Literatur | netzlesen.de

  2. Susanne Haun schreibt:

    Ich finde, Aristoteles Nikomachische Ethik passt auch hervorragend dazu. Ich frage mich immer, was das richtige Maß einer Tugend beinhaltet? Ich habe ein Seminar zur Moralethik dieses Semester belegt und fand Aristotels Ethik sehr interessant. Am Montag werden wir über Butler und seine Vorstellung vom Egoismus sprechen. Ich freue mich schon. Von Montaigne habe ich einige Schriften als Hörbuch. Es ist jedoch schwierig, den Text nur gehört wahrzunehmen. Einen schönen Abend wünscht dir Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Das Seminar ist sicher sehr interessant, liebe Susanne!
      Mir geht es, glaube ich, meist so, dass ich mich auf Geschriebenes besser konzentrieren kann, noch dazu hat man die Möglichkeit, Stellen noch einmal und genauer zu lesen. Man kann sich natürlich auch Stellen im Hörbuch erneut anhören, aber das ist doch „flüchtiger“ … Dir noch einen schönen Sonntag, liebe Susanne!

      • Susanne Haun schreibt:

        Ja, Petra, so empfinde ich es auch. Ich benutze die Hörbucher als Einschlafhilfe, wenn mir zuviel im Kopf herum schwirrt. Besonders gut schlafe ich bei beruhigenden, sonoren Stimmen. 🙂

  3. Oh nein, Petra, jetzt auch noch den Seneca dazu – aber wenigstens brauch ich den Stapel nicht weiter erhöhen, den zieh ich einfach aus dem Regal. Und so dick ist er ja auch nicht. Gut, dass das Dingen zweisprachig ist, meine kleine Latinuss ist in den letzten Jahrzehnten nämlich noch mehr geschrumpft…
    Liebe Grüsse
    Kai

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