Dominique

Noch so eine Perle, die ich bei meinen Manesse-Bändchen von Stephan entdeckt habe: Der Roman Dominique des französischen Malers und Schriftstellers Eugène Fromentin erzählt intensiv und fesselnd von einer ersten – und vielleicht letzten – großen Liebe. Sprachlich sehr gelungen und bildhaft, auch dank der Übersetzung von Ferdinand Hardekopf.

Fromentin (1820 – 1876) studierte zunächst Rechtswissenschaften, ehe er sich dem Malen und Schreiben zuwandte. Wie in Ernst Howalds Nachwort zu Dominique zu lesen ist, sind vor allem Fromentins Algerienbilder bekannt. Fromentin schrieb nur einen einzigen Roman, Dominique, und anders als bei Fanny, bei dem die Leserschaft aufgrund der intensiven Schilderungen vermutete, der Roman handle von Selbsterfahrenem – was nicht der Fall war – basiert Dominique in Teilen tatsächlich auf Erfahrungen und Empfindungen des Autors.

Diese Teile sind strukturell, inhaltlich und qualitativ selbst ohne dieses Vorwissen beim Lesen bemerkbar. Die Hinführung zur Hauptgeschichte nämlich ist relativ lang und beschreibt einen Mann mittleren Alters, der fast zu gut, zu besonnen, redlich etc. ist, um „echt“ zu wirken. Dominique de Bray ist verheiratet, hat zwei Kinder, ist sehr gebildet und lebt doch gern zurückgezogen auf seinem Gut, das er mit Sachverstand bewirtschaftet. Er ist angesehen und so dauerzufrieden, dass man bei den Erläuterungen im Nachwort, hier handle es sich eher um eine Wunschvorstellung des Autors, nur zustimmend nicken kann. Wobei diese etwas längliche Hinführung durchaus sehr schöne, lesenswerte Passagen besitzt, die – wie auch spätere Beschreibungen von Sinneseindrücken, Landschaften und vielem mehr – ein bisschen an Proust erinnern. Eingeführt wird dieser, sozusagen zu einem Ideal gereiften Dominique, von einem guten Freund, dem er später die Geschichte von der Liebe seines Lebens erzählen wird. Und dieser Teil ist dann wirklich wunderbar zu lesen, nicht ganz so rauschhaft wie Fanny, es beginnt langsamer und steigert sich nach und nach, aber auf seine Art ebenso fesselnd.

Howald berichtet im Nachwort, dass Fromentin nicht auf Verbesserungsvorschläge seiner Freundin George Sand einging, die vielleicht wirklich zu einer noch besseren Lesbarkeit, insbesondere der „idealisierten“ Teile, beigetragen und die ein oder andere Frage im Blick auf Dominiques späteres Leben beantwortet hätten. Aber, und hier trudle ich natürlich ins Spekulative, vielleicht war Fromentin die Geschichte noch zu nah, um die nötige Distanz für die Erfüllung gewisser Leseerwartungen aufbringen zu können. Schadet meines Erachtens aber nicht.

Insgesamt: Empfehlenswert.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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10 Antworten zu Dominique

  1. Pingback: [Philea’s] Dominique – #Literatur

  2. Bisher habe ich bei Dominique immer an eine singende Nonne gedacht, das hilft mir jetzt, mich an den Titel zu erinnern, um mir das Buch zu beschaffen! 🙂

    Der Übersetzer ist auch eine interessante Neuentdeckung für mich. http://www.literaturatlas.de/~la20/werk.htm
    In nur 9 Jahren werden seine Gedichte also gemeinfrei – wie schön!.

  3. perlengazelle schreibt:

    Ferdinand Hardekopf war nicht nur ein exzellenter Übersetzer aus dem Französischen (einer der Besten, wie Thomas Mann schrieb), sondern auch seine expressionistischen Gedichte sind absolut lesenswert. Er war lange vergessen, ist elend gestorben.
    Von Frommentin hatte ich noch nie gehört. Interessante Buchvorstellung! Und seine Bilder habe ich mir auch gleich mal angeschaut.

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