Lektürenotizen & weitere Neuzugänge

Meine Manesses in voller Pracht, auf Augenhöhe & in der ersten Reihe

Meine Manesses in voller Pracht, auf Augenhöhe & in der ersten Reihe

Noch mehr Manesses sorgen für Lesevorfreude, Kyra Strombergs Djuna-Barnes-Biographie ist ein Wucht und leichte Sommerlektüre passt gut zu höheren Temperaturen. Außerdem freue ich mich über das Feedback in Echt(lese)zeit einer Leserin von Ganz weit weg auf Twitter.

Gestern Abend schleppte mein Freund Stephan die restlichen Manesse-Bändchen an, die er mir zugedacht hatte. Darunter entdeckte ich gleich viele weitere Perlen wie Goethes West-östlichen Divan, Blixens Afrika-Erinnerungen, viel Japanisches, Chinesisches und Persisches sowie zwei weitere Bücher aus anderen Verlagen, nämlich Montaignes Tagebuch einer Badereise und die Geschichte der Margaretha von Valois. Ich glaube, die Badereise wird sich bei der Hitze als nächste Lektüre besonders anbieten …

Kürzlich beendete ich Kyra Strombergs wunderbare Biographie über Djuna Barnes, ein schmales Bändchen voll faszinierender Informationen aus dem Leben und Werk einer Extravaganten, wie der Untertitel lautet. Ihr Leben klingt aufregend – von New York nach Paris, London, später wieder nach New York – aber Djuna Barnes war kein Golden Girl. Zeitlebens hatte sie Geldprobleme und versuchte dennoch, ihre Familie zu unterstützen. Doch mit der Familie stand auch nicht alles zum Besten und in der Liebe hatte Djuna Barnes ebenfalls nicht viel Glück. Sie starb allein, fast vergessen, der erhoffte und verdiente Erfolg wollte sich nicht einstellen, mit 90 Jahren in ihrer kleinen Wohnung in New York. Ein langes Leben hat sie gehabt, obwohl sie sich immer wieder mit Selbstmordgedanken trug. Ein interessantes Leben auch inmitten der inspirierenden Atmosphäre voller englischer und amerikanischer Künstler und Schriftsteller, die das Paris der 20er und 30er Jahre bereicherten. Sie galt als witzig, scharfzüngig, manche hielten sie für arrogant, aber vielleicht war sie einfach nur schüchtern, gar nicht so selbstbewusst, wie ihr Auftreten glauben machen wollte. Diese und viele weitere Einblicke machen mehr Lust auf weitere Romane von Djuna Barnes.

Derzeit lese ich zwei leichtere Romane parallel, Twilight Sleep von Edith Wharton (eine gute Besprechung dazu findet ihr auf Sätze&Schätze) und Eine Amerikanerin in Paris von Elaine Dundy in der Übersetzung von Anne Braun (Stefanie von Worte und Orte hat es schon fertig gelesen und besprochen)

Außer den Manesses gab es noch ein paar weitere Neuzugänge in meiner Bibliothek, u. a. außer den genannten gerade zu lesenden Romanen auch Talebs Der schwarze Schwan, den ich mir hauptsächlich wegen seines Kapitels über Ecos hervorragende Gedanken zur Antibibliothek gekauft habe. Da mein Liebster vor einem Jahr mit Begeisterung Talebs Antifragilität las, denke ich, dass Der schwarze Schwan auch sonst ein guter Kauf war.

Und dann freute ich mich letzte Woche auf Twitter besonders über die Anmerkungen einer Leserin, die sich Ganz weit weg nach Italien bestellt hat – dort lebt sie nämlich und lehrt Deutsch – und mir immer mal wieder per Twitter Feedback zum aktuell gelesenen Kapitel gab. Das freute mich aus mehrerlei Gründen: Weil auch im fünften Jahr nach der Erscheinung Interesse an dem Buch besteht, weil das Buch diesmal bis Italien reiste (im Gegensatz zu mir, die noch nie „so richtig“ in Italien war, etwa an meinen Sehnsuchtszielen Venedig, Florenz, Rom, Sizilien, Ravenna etc.) und weil Twitter diese Art der schnellen Rückmeldung überhaupt ermöglicht.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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19 Antworten zu Lektürenotizen & weitere Neuzugänge

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  2. Trippmadam schreibt:

    Vielleicht hilft Leonardo Sciascia bei Siziliensehnsucht? Oder eventuell, je nach Geschmack, Giovanni Verga? Letzterer ist zwar sehr typisch 19. Jahrhundert, aber sehr gut, um die Mentalität und Geschichte Siziliens zu verstehen. Sizilianer sind, glaube ich, genauso griechisch wie italienisch, da muss es doch Berührüngspunkte geben.

  3. Trippmadam schreibt:

    äh, Berührungspunkte…

  4. Stefanie schreibt:

    Liebe Petra, danke für die Erwähnung. 🙂 Ich bin schon gespannt, wie dir die „Amerikanerin in Paris“ gefällt. Bin übrigens auch großer Manesse-Fan! Liebe Grüße, Stefanie

  5. Midori schreibt:

    Darf ich fragen, um welche Bände es sich bei den japanischen handelt?

  6. Midori schreibt:

    Danke. Nur die Geschichte um den Prinzen Genji kenne; über die anderen Bücher werde ich mich informieren.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich kenne bislang nur ein paar Haikus von Issa, die mir sehr gefallen haben. Über die anderen Bücher kann ich bislang leider noch nichts sagen, da ich sie auch noch nicht kenne.

  7. buchwolf schreibt:

    Liebe Petra! Tolles Shelfie. Schöne Manesse-Kollektion. Ich habe auch eine, wenn auch merklich kleinere, in einer ersten Reihe. Natürlich gefällt mir die Zweireihigkeit der Bücher, das ist Bibliomanenschicksal. Zur Lektüre von Montaignes Reisetagebuch kann ich nur raten. Habe es selbst in der Anderen-Bibliothek-Ausgabe gelesen und im Blog besprochen. Welche Ausgabe hast du?
    Schöne Lektüre!
    Wolfgang / buchwolf

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, lieber Wolfgang : )
      An deine Besprechung zu Montaignes Italienreise kann ich mich noch erinnern, ich hatte das im ersten Moment gar nicht mit meinem „Tagebuch einer Badereise“ zusammengebracht, obwohl es das gleiche Buch ist. Meins ist 1963 im Steingrüben Verlag Stuttgart erschienen (mehr zu diesem Verlag hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_Grosche). Eine schöne Ausgabe in blauem Leinen, auf das eine Kompassrose geprägt ist, die wohl das Logo des Verlags war.
      Liebe Grüße!

  8. entdeckeengland schreibt:

    Liebe Petra, ich merke gerade, wie lange ich schon keine Bücherblogs gelesen habe. Nicht, dass ich in den letzten Monaten kein Buch gekauft hätte, aber meine Wünsche an deutschsprachigen Büchern entstehen fast ausschließlich beim Lesen von Blogs. Und Du hast mir hier wieder jede Menge Leselust gemacht. Liebe Grüße aus Deal (der Kleine Entdecker schnarcht schon neben mir im Bett)

  9. Liebe Petra,
    das Buch von Kyra Stromberg über Djuna Barnes ist wirklich sehr lesenswert, genau wie Djuna Barnes‘ Texte selber. Ich wusste gar nicht, dass es den Stromberg-Band auch vonManesse gibt. Meiner ist mal bei Wagenbach erschienen, aber auch sehr schön gemacht.
    Überhaupt diese Manesse-Bändchen, die da jetzt so dekorativ im Regal stehen! Da beneide ich Dich wirklich drum – ach, ich glaube, das hab ich schon mal erwähnt…
    Immerhin, ich bin seit kurzem stolzer Besitzer des Peter Altenberg- Manesse-Bandes. Das gab es noch im Antiquariat.
    Liebe Grüße
    Kai

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