Ernst Haeckels Kunstformen

Meer_KunstWer wollte bestreiten, dass die Natur die kunstvollsten Formen hervorbringt? Einen der schönsten Beweise hierfür lieferte Ernst Haeckel Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Kunstformen der Natur und Kunstformen aus dem Meer.

Ernst Haeckel. Kunstformen der Natur – Kunstformen aus dem Meer, herausgegeben von Olaf Breidbach, ist ein prächtiger Band, der mit knapp 25 Euren wirklich günstig ist. Darin finden sich außer den wunderschönen Tafeln mit Ernst Haeckels Illustrationen zu Radiolarien sowie zu allen möglichen Pflanzen und Tieren auch mehrere erhellende Texte des Herausgebers und ein interessanter Text von Irenäus Eibl-Eibesfeld zu unseren Sehgewohnheiten und natürlich zu „Ernst Haeckel – Der Künstler und Wissenschaftler“.

Haeckel war Zoologe und Evolutionsbiologe, Direktor des großherzoglichen zoologischen Museums in Jena und Bestsellerautor (würde man heute sagen). Ende des 19. Jahrhunderts war er international berühmt geworden mit seiner Publikation Welträthsel, die sich auf Deutsch 450.000mal verkaufte und in 27 Sprachen übersetzt wurde. Von 1899 bis 1904 veröffentlichte er in Einzelblättern die Kunstformen der Natur.

Geboren wurde er 1834, studierte Medizin und Naturwissenschaften und präsentierte die ersten Ergebnisse seiner Radiolarienforschung 1860. 1862 dann erschien die Monographie dieser „allerreizendsten Tierchen“ (so Haeckel in einem Brief von 1860 an seine Verlobte) mit einem Atlas von 35 Kupfertafeln. Diese Tafeln sind zunächst einmal faszinierend und überaus dekorativ. Vor Lektüre des Bandes hatte ich nie von Radiolarien gehört. Es sind, wie ich nun aus dem Bildband erfuhr, Mikroorganismen, die es seit dem Präkambrium gibt (welches vor etwa 545 Mio. Jahren endete). Ihre kugelförmigen Gehäuse, auch ihre Komplexität im Vergleich zu ihren einfacher strukturierten Verwandten, den Amöben, faszinierten den Forscher. Es gibt 5000 verschiedene Arten dieser Radiolarien, die auch Strahlentierchen genannt werden. Zu Haeckels Zeiten waren erst mehrere Hundert bekannt. Haeckel beobachtete und untersuchte sie genauestens, seine Gliederungsmuster sind bis heute grundlegend für die Forschung. Seine Darstellung der Radiolarien faszinierte viele seiner Betrachter nachhaltig, Haeckel, dessen Illustrationen von der Sichtweise seiner Zeit, auch vom Jugendstil beeinflusst war, wirkte wiederum selbst auf diesen ein. So wurde eine seiner Radiolarien-Illustrationen das Vorbild für das Monumentaltor zur Pariser Weltausstellung. Wie jenes Tor aussah, seht ihr beispielsweise hier.  Wunderbarerweise finden sich im Internet seine Tafeln zu Kunstformen der Natur. Weitere Infos zu diesem wirklich herrlichen Band gibt es hier.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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25 Antworten zu Ernst Haeckels Kunstformen

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  2. saetzebirgit schreibt:

    Singst DU mir mal eine Radiol-Arie vor? Nein, im Ernst, jetzt muss ich erst mal in den Duden gucken…und neidvoll auf Deine schöne Sammlung 🙂

  3. Karo schreibt:

    Dein Blog bildet, liebe Petra!

  4. Ulli schreibt:

    Ein Lesetipp, den ich mir dann wieder einmal auf die Liste setze, was ja nun nicht immer passiert, aber dieser hier macht mich rrrichtig neugierig! Danke dir und schöne Sonntagsgrüsse
    Ulli

  5. puzzleblume schreibt:

    Zu seiner Zeit konnte er noch nichts wissen von den Algorithmen und Fraktalen in der Natur, aber gesehen hat er es trotzdem.

  6. Pit schreibt:

    Danke, liebe Petra, fuer die Vorstellung eines ineressanten Buches.
    Hab‘ eine feine Woche,
    Pit

  7. Susanne Haun schreibt:

    Das Buch steht seit seiner Erscheinung bei mir im Regal und ich schaue gerne hinein. Anfang des 19. Jahrhunderts findet sich Biologie / Mathematik noch oft in trauter Gemeinsamkeit mit Kunst. Ich mag diese Kombination.
    LG aus Berlin von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich auch, liebe Susanne! Ich bin auf das Buch erst in diesem Jahr über eine Empfehlung bei Twitter gestoßen – und war schon allein von der Beschreibung sehr fasziniert. Ein guter Kauf : ) Liebe Grüße!

  8. Read on schreibt:

    Wunderschön. Das ist guter Anlass sich das Buch endlich wieder aus dem Regal zu ziehen.

  9. The Tastemonials schreibt:

    Diesen Band möchte ich mir sehr gerne einmal anschauen. Ich mag Dein Beitragsbild sehr, kann regelrecht das Meer riechen 😉

  10. wederwill schreibt:

    Vielen Dank für den schönen Beitrag und die feine Empfehlung und auch dafür, dass du mir Lust gemacht, mal wieder ins Haeckelhaus zu gehen (das ist nämlich nur 10 min von mir zuHause entfernt :-))) )
    liebe Sommergrüße aus Jena sendet dir
    Marlis

  11. mickzwo schreibt:

    Sie bringt nich nur wunderbare Formen hervor, sondern auch prächtige Farben. Liebe Grüße, mick.

  12. Pingback: Susanne Haun Zitat am Sonntag – Folge 110 – Ernst Haeckel | Susanne Haun

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