Lektürenotizen: Angelesenes und Ausgelesenes

LeNot_An_AusDa ich mit Begeisterung und aus verschiedenen Gründen den Freuden des Parallellesens fröne, ergeben sich zuweilen interessante Verzweigungen, Verschachtelungen und Sprünge. Haben meine aktuellen Lektüren von Hustvedt, Fitzgerald, Flaubert, Maupassant, Fellowes und Reichholf etwas gemeinsam?

Parallellesen kann man eigentlich nicht im wörtlichen Sinne. Man liest ja auch dann Bücher nacheinander, wenn man – wie ich – gern mehrere Bücher anfängt und später je nach Interessenlage und Laune zum Angelesenen greift. Dazu kommt, dass sich dicke Schmöker eher fürs Lesen zu Hause empfehlen, weil sich unterwegs dünne Bücher oder die Manesse-Bändchen leichter transportieren lassen.

Aber ich denke, dass viele der Bücher, die man nacheinander anfängt, etwas miteinander zu tun haben, dass sich eine Lektüre aus einer anderen ergibt, auch bei einer so unterschiedlichen Reihung von Autoren wie den oben genannten. Schauen wir uns das mal näher an:

Es begann vor einiger Zeit mit dem neuen Roman von Siri Hustvedt, der inzwischen schon gar nicht mehr so neu ist, The Blazing World. Anfangs war ich völlig fasziniert von dieser Geschichte um eine ältere Künstlerin, die beweisen will, dass es Frauen auf dem Kunstmarkt schwerer haben als Männer. Vor allem faszinierten mich die verschiedenen Blickwinkel, aus denen sich die Story zu weben schien, das Sprunghafte, Fragmentarische. Aber irgendwie fand ich’s nach dem ersten Drittel doch eher zerfasert als verwoben und schwiff ab.

Ich hatte mir antiquarisch Früher Erfolg von F. Scott Fitzgerald bestellt, eine sehr gute Zusammenstellung seiner Kolumnen, Reiseeindrücke und Gesellschaftsporträts, die ich nach wie vor gern zur Hand nehme. Fragmente aus einem Künstlerleben, insofern passend zu Siri.

Für unterwegs suchte ich mir ein Manesse-Bändchen heraus, nämlich Gustave Flauberts Erziehung des Gefühls. Das passte zu Gesellschafts- und Sittengemälden wie zu Kunst, zog sich aber arg. Wie der junge Mann zwischen mehreren (am Ende vier!) Frauen hin- und hergerissen ist, die eine liebt er, aber die ist verheiratet, die andere begehrt er, aber sie ist nicht gesellschaftsfähig, die nächste liebt ihn, aber er will sie nicht heiraten und die letzte schließlich soll ihm bei der Karriere helfen, aber das wird auch alles nichts. Ach …

Lieber Guy de Maupassant, Stark wie der Tod, sehr schöner Roman! Auch Liebe und Hin und Her, Kunst auch und 19. Jahrhundert wie Flaubert, aber nicht so behäbig erzählt, sondern bei aller objektiven Erzählhaltung doch sehr Mitgefühl erregend für diesen alten Künstler, den charmanten Bonvivant, der sich, ohne es zu wollen, in die Tochter seiner langjährigen Geliebten verliebt.

Dazwischen lieh ich mir von meinem Vater ein Buch, das ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, Ornis von Josef R. Reichholf. Das passt nun tatsächlich nicht in diese Reihe. War aber sehr erhellend, zumindest für mich. Für meinen Vater stand da vermutlich nicht viel Neues über das Leben der Vögel drin, er ist ja Experte. Besonders interessant fand ich unter anderem, dass in Naturschutzgebieten gejagt werden darf, warum es gefühlt mehr Krähen zu geben scheint und tatsächlich weniger Amseln und derlei mehr. Wirklich empfehlenswert!

Da ich mit dem Flaubert nach wie vor nicht so recht weiter kam, es draußen so romantisch herbstelte und Maupassant auf ein tragisches Ende zuzusteuern schien, war mir nach etwas Leichterem und ich las ziemlich flott die beiden Romane von Julian Fellowes hintereinander weg, Eine Klasse für sich und Snobs.

Zwischendurch konnte ich dann doch nicht an mich halten und erlag in meiner Lieblingsbuchhandlung den Reizen vom Schiff des Theseus, ein faszinierendes Buch, ein Kunstwerk, was die Gestaltung angeht. Ein Buch, das man allerdings nicht im Liegen auf dem Sofa oder im Bett und schon gar nicht unterwegs lesen sollte wegen der vielen Einleger, die herausfallen könnten und die man nie im Leben wieder an die richtigen Stellen einsortieren könnte. Das Schiff finde ich bisher übrigens immer noch faszinierend, die Handlung auf mehreren Ebenen, im Roman, den Randbemerkungen und Fußnoten, noch immer interessant. Wieder Bruchstückhaftes, insofern vage verwandt mit Siri Hustvedts Roman. Dafür hab ich die Ornis durch, Flaubert (mit wenig Begeisterung), Maupassant (deutlich begeisterter) und heute Abend lese ich vermutlich Fitzgerald zu Ende. Nur die Siri, die wartet immer noch auf mich.

Lest ihr auch gern parallel? Haben eure Parallelbücher etwas gemeinsam, führt da eins zum anderen?

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

54 Antworten zu Lektürenotizen: Angelesenes und Ausgelesenes

  1. eulenausathen schreibt:

    Das Schiff des Theseus scheint ja auch eine gute Klammer zu all den Geschichten zu sein. Da kannst gleich mehrere Bücher in einem gleichzeitig lesen 😉

  2. Pingback: [Philea’s] Lektürenotizen: Angelesenes und Ausgelesenes – #Literatur

  3. Philipp Elph schreibt:

    Manchmal lese ich parallel. Kürzlich Krimi („Kolbe“ von Andreas Kollender, ein Roman basierend auf der Geschichte des Widerstandskämpfers Fritz Kolbe während des II.Weltkriegs) und Sachbuch („Der Nürnberger Prozess“ von Heydecker und Leeb, die neue Ausgabe, die zum 70.Jahrestag des Beginns des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher neu erschienen ist). Eine höchst interessante Mischung, weil es etliche Schnittpunkte gab.

  4. Marc schreibt:

    Hallo Petra,
    parallel lesen ist fast schon zwingend bei mir, wenn ich ein paar Bücher schaffen will. Jedenfalls habe ich es mir über die letzten Jahre angewöhnt. Früher bin ich immer in einem Buch versackt, wenn ich nicht weiterkam, und konnte auch kein anderes Buch anfangen. Da blieb viel liegen. Mit dem parallel Lesen von Büchern bin ich von diesem Laster weggekommen und schaffe über das Jahr mehr Bücher als früher.

    Gruß
    Marc

    P.S.: Derzeit sind es glaube ich 3 und zursätzlich 2 aufgeschobene, bei denen ich erstmal nicht weiterkam.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hallo Marc – und willkommen : ) Ich weiß nicht, ob ich durch die Parallelleserei mehr Bücher weglese, denn ich lese schon sehr lange parallel. Angefangen hat das natürlich im Studium, Germanistik und Anglistik, da liest man ja sowieso eine Menge und alles parallel, Primär- und Sekundärliteratur, Artverwandtes und was man dann noch privat lesen möchte. Aber hilfreich war später auf jeden Fall, dass ich Bücher, mit denen ich überhaupt nicht weiter kam oder die mir einfach nicht zugesagt haben, abgebrochen habe. Das hätte ich früher nie getan. Heute denke ich mir, es gibt so viele hervorragende Bücher, da lese ich lieber die guten als mich mit den nicht so tollen zu quälen.
      Welche Bücher liest du denn derzeit parallel bzw. hast du aufgeschoben? Liebe Grüße!

      • Marc schreibt:

        Aktuell bin ich bei „Operation Zombie“ von Max Brooks als ebook dabei und in der klassischen Variante bei „Das Geräusch einer Schnecke beim Essen“ und „Die wunderbare Welt des Kühlschranks in Zeiten mangelnder Liebe“ (bei dem stecke ich auch ein wenig fest, obwohl es lustig ist).
        Die weggelegten habe ich erstmal aus meinem Kopf gebannt.

  5. gkazakou schreibt:

    deine Frage, liebe Petra, ob die parallel gelesen Bücher irgendwas miteinander zu tun haben, ist sehr auffordernd, mal drüber nachzudenken. Klar lese ich parallel, wenn überhaupt ;), denn das kommt leider auch recht oft vor (Briefe, Zeitungen, mails, blogs etc ausgenommen). Im Moment vermute ich, dass die gleichzeitig gelesenen Bücher sehr wohl was miteinander zu tun haben, ja, dass ich sie sogar deshalb parallel lese. Es steckt aber kein bewusster Plan dahinter. LG Gerda

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Schon interessant, wie manchmal ein Buch zum anderen führt, auch wenn sie auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Oder eben ein Roman und ein dazu passendes Sachbuch, wie bei Philipp. Das kommt bei mir auch öfter mal vor. Dann aber meist geplant, weil ich mich mit einem bestimmten Thema befasse … Liebe Grüße!

  6. Stefanie schreibt:

    Hallo Petra,
    dass die parallel gelesenen Bücher irgendwie in Beziehung zueinander stehen könnten, habe ich mir bisher nie so bewusst gemacht. Aber bei deiner Schilderung, wie du von einem Buch zum nächsten kamst, klingt diese Schlussfolgerung defintiv sehr logisch! Ich muss das in Zukunft mal bei mir beobachten 😉
    Allerdings muss ich zugeben, dass ich immer so was wie ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich ein Buch noch nicht brav zuenede gelesen habe und stattdessen lieber noch ein zweites anfange. Kommt aber trotzdem oft genug vor, erst gerade eben wieder^^…
    Liebe Grüße
    Steffi

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Steffie, du liest doch so viel, und dennoch hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du etwas nicht zu Ende liest? Brauchst du nicht, gib es doch einfach jemandem weiter, der/die damit vielleicht mehr anfangen kann : ) Was liest du denn gerade parallel? Liebe Grüße!

      • Stefanie schreibt:

        Haha, ja, da hast du eigentlich recht, Petra. So werde ich das künftig machen! 🙂 Ich habe kürzlich „Das Judasbaumtor“ von Oya Baydar parallel zu Jonathan Franzens „Korrekturen“ und die wiederum parallel zu Erich Kästners „Fabian“ gelesen. Die ersten beiden habe ich nach über der Hälfte abgebrochen, obwohl ich sie „nicht schlecht“ fand – aber eben auch nicht berauschend. „Fabian“ hat mich beim Wiederlesen dafür nochmal so richtig umgehauen! Ein tolles Buch!

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Oh ja, „Fabian“ ist sehr gut! Die „Korrekturen“ las ich zwar fertig, war aber auch nicht hin und weg. Ich hatte zuvor „Middlesex“ gelesen, das fand ich um Längen besser.

  7. Ulli schreibt:

    Liebe Petra,

    ja, ich gestehe, auch ich bin eine Parallelleserin 🙂 – und ja, viele Bücher, die ich so lese haben mindestens ein Gemeinsames- ich lese gerade ein Buch über eine Sterbebegleitung: das Lied der dunklen Göttin von Scott Eberle, das berührt mich sehr aufgrund seiner Authenzität, zumal ich eine der drei Menschen aus diesem Buch persönlich kenne- parallel lese ich von Maarten ‚t Hart In unnütz toller Wut, hier lernt gleich ein ganzes Dorf mit ihrer persönlichen Sterblichkeit umzugehen (natürlich auch sehr unterschiedlich) und in dem Buch Wildleute von Rahel Hutmacher geht es zwar nicht direkt ums leben und sterben, wenn auch am Rande, aber es geht um unsere sogenannte Wildnatur, die widerum in Steven Forsters Leben, der beim sterben von Scott Eberle begleitet wird, eine grosse Rolle spielt.
    Jetzt kann man natürlich sagen, ja geht es denn nicht in jedem Buch um Leben und Sterben? Ja und nein, nicht auf diese doch sehr spezielle Art und Weise-
    herzliche Grüsse
    Ulli
    ach … und Siri Hustvedt … irgendwie kommt sie für mich nicht mehr so richtig aus dem Quark, die letzten drei Bücher waren doch eher fad- schade, denn schreiben kann sie ja!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Ulli, das sind ja ganz schön dunkle Themen, mit denen du dich da gerade lesend befasst … Aber Sterben gehört zum Leben und es ist gut und wichtig, sich immer mal wieder darüber klar zu werden oder auch Bücher zu lesen, die das Thema von verschiedenen Seiten anpacken. Manchmal tut man es durch einen Impuls von außen, ich tue es im Moment lieber nicht, weil es auch einen ungefähren Impuls gibt, den ich aber noch wegschiebe …
      Tja, Siri, ich weiß auch nicht. „Was ich liebte“ fand ich grandios, immer noch ihr bestes Buch. „Blazing World“ ist durchaus interessant, aber irgendwie war ich bisher nicht mehr so richtig in Stimmung, mich auf die verschiedenen Erzählstimmen einzulassen. Ich denke aber, ich werde es auf jeden Fall irgendwann zu Ende lesen. Wenn ich in Stimmung bin ; )

      • Ulli schreibt:

        es ist sehr interessant, liebe Petra, dass ich so, wie die Themen gerade behandelt werden das Dunkle, die Schwere gar nicht da sind- es hat natürlich wirklich einen Hintergrund, aber selbst da merke ich gerade, dass es ja mindestens drei sind warum ich mich damit beschäftige …
        was ich liebte, ist auch für mich Siri Hustvedts bestes Buch, das liebe ich!

  8. The Tastemonials schreibt:

    Parallel lesen passiert doch immer dann, wenn gleich mehrere Bücher gelesen werden wollen und je nach Stimmungslage kann dann das eine oder andere herausgeholt werden. Jetzt habe ich 3 in der Mache: ‚Das Gegenteil von Einsamkeit‘ in den Endzügen (beeindruckend!!), ganz am Anfang ‚Fieber am Morgen‘ – sehr spannend, jedoch kam die Leihgabe von dir ‚Snobs‘ in die Quere, das sich so locker und leicht liest, das ich abends grade nicht davon lassen kann 😉 Liebe Grüsse und einen schönen Leseabend für dich, Heike

  9. belmonte schreibt:

    Ich lese immer parallel, mindestens zwei, meistens drei Bücher. Bemerkenswert sind dabei die ganz unterschiedlichen Lesegeschwindigkeiten und Buchlängen, so dass sich die Bücher oftmals umklammern, seltsam überwölben oder ineinander übergehen. Schon die unterschiedlichen Lesegeschwindigkeiten geben mir das Gefühl, wie in einer Zeitmaschine durch das wechselnde Lesen einen Zeithebel zu bedienen. Ich würde mich aber bei all dem Parallellesen doch verunsichert fühlen, wenn Tolkiens Frodo auf einmal in Tschechows Kirschgarten auftauchen würde.

    • Trippmadam schreibt:

      Ich träume mitunter von dem, was ich lese, und da tauchen die Figuren tatsächlich da auf, wo sie nicht hingehören. Manchmal hilft mir das sogar, ein Buch besser zu erfassen. Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Frodo könnte dann die Handlung des Kirschgartens aus seiner Sicht kommentieren, wäre sicher interessant…

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Das mit dem Überwölben und ineinander Übergehen gefällt mir … Besonders auch der Gedanke mit den Zeitreisen.
        Von Büchern oder Romanfiguren träume ich nie, schade eigentlich. Vor allem Frodo beim Kommentieren von Tschechow würde ich zu gern im Traum erleben : )

  10. Tobi schreibt:

    Liebe Petra,

    also ich lese nie parallel mehrere Bücher. Ich wähle immer genau das Buch, auf das ich auch richtig Lust habe und das wird dann auch konzentriert durchgelesen. Kontextwechsel habe ich in der Arbeit zuhauf und meistens laufen immer mehrere Themen parallel. Da genieße ich es, mich auf einen Autoren voll einzulassen, in eine Geschichte voll abzutauchen, ohne Ablenkung, ohne gedanklichen Wechsel. Ich mag die Einfachheit darin. „Sie wissen, daß die menschlichen Erfindungen von Komplizierten zum Einfachen übergehen, und daß das Einfache immer die Vollkommenheit ist.“ schreibt schon Dumas in „Der Graf von Monte Christo“ und auch wenn das Lesen keine Erfindung in dem Sinne ist, passt das für mich doch ganz gut.

    Also Flaubert und Maupassant parallel zu lesen ist aber auch irgendwie crazy. Wenn du es schaffst, dass die Geschichten vom Ablauf auch über die Bücher hinweg zusammenpassen, dann hat das schon was von einer mehrstimmigen Fuge. Du kannst jedes Buch für sich lesen, oder die Handlungen über die Bücher hinweg. 😉

    Wie eulenausathen schreibt, ist „Das Schiff des Theseus“ tatsächlich ein sehr gutes Beispiel, denn da ist das ja tatsächlich ein zentrales Element des Buches. Btw: Es gibt auf der Webseite des KiWi Verlags eine Liste in welche Seite welche Beilage hinein gehört. Erst nachdem ich die Liste gefunden habe, habe ich mich mit dem Buch in die S-Bahn gewagt 😉

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Tobi,
      ich empfinde das eigentlich gar nicht als kompliziert. Eher wie eine Schachtel voller köstlicher Pralinen, aus der ich beliebig auswählen darf.
      Kicher, so, so, crazy, aha : ) Eigentlich haben mir bisher Flaubert und Maupassant für sich allein genügt, dass ich die beiden parallel las, lag wirklich nur daran, dass mir die „Erziehung“ wirklich nicht besonders gefiel. Zu Ende las ich es eigentlich nur wegen der doch sehr schönen Sprache und weil ich wissen wollte, wie das alles nun ausgehen sollte.
      Das mit der Handlung über die Bücher hinweg ist tatsächlich eine Gefahr: Wenn zwei Romane einander zu ähnlich sind (Zeit, Plot, bestimmte Figuren), ist es mir schon passiert, dass sich nach längerer Zeit in der Erinnerung die Bücher vermischten. Das fand ich etwas ärgerlich.
      Das mit der KiWi-Liste ist ja praktisch!
      Liebe Grüße!

  11. Andreas Wolf schreibt:

    Ha, ich wusste es, dass du den bibliophilen Reizen des Theseusschiffs nicht würdest widerstehen können. Da ich dich nun schon mal nicht erfolgreich vor dem Buch warnen konnte, kann ich dir wenigstens mit dem Einlegerproblem helfen: Hier ist die Liste, wo die alle genau hingehören: http://www.kiwi-verlag.de/files/platzierung_der_einleger_neu_skaliert.pdf

    Bei mir ist es im Übrigen so, dass Parallellektüre fast nie funktioniert. Wenn ich ein neues Buch anfange, während ich mit einem anderen noch nicht durch bin, dann bedeutet es fast immer den Abbruch. Ich sag mir zwar immer vor, dass ich das andere Buch bestimmt auch noch mal fertiglesen werde, aber mittlerweile kenne ich mein Leseverhalten gut genug, um im Hinterkopf schon zu wissen: Ich tus ja doch nicht.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Tja, ich konnte wirklich partout nicht widerstehen, obwohl du ja sehr schön davor warntest (auch andere hoben zwar die Gestaltung lobendst hervor, waren aber vom Inhalt nicht so angetan). Lieben Dank für den Link!
      Aha, noch jemand, der nicht parallel liest. Interessant. Vor lauter Multitasking und Debatten um sinkende Aufmerksamkeitsspannen etc. hätte ich vermutet, dass auch dies Gründe für die Parallelleserei sein könnten.

  12. Susanne Haun schreibt:

    Guten Morgen, Petra,
    wenn ich deinen Bericht lesen, dann denke ich an eine gute Haus- oder Bachelorarbeit. Dabei ist es zwingend notwendig, viele Bücher parallel zu lesen und Verbindungen herzustellen. Vielleicht ist dir das auch bei der Lektüre der anderen Bücher, die du liest, in Fleisch und Blut übergegangen. Ich mag es, diese Verknüpfungen herzustellen.
    Zur Zeit lese ich aufgrund meiner Bachelorarbeit viele Bücher mit dem Thema Dürer parallel. Zur Entspannung habe ich gerade die letzten Worte eines Grönland Krimi, Die Eisblaue Spur, von der Isländerin Yrsa Sigurðardóttir gehört. Eine Verknüpfung von Unterhaltung und Informationen über Grönland. Nun werde ich nochmal von Irving Gottes Beitrag und Teufels Werk hören. Ich leihe mir die Bücher in der Onleihe der Stadtbücherein von Berlin aus. Leider kann man beim Vorbestellen der Bücher nie einen Termin angeben, wann mann das Buch lesen möchte und so habe ich gleich 3 Bücher aus meiner Vorbestellung erhalten: Allendes japanischer Liebhaber, von Modeano Damit du dich im Viertel nicht verirrst und eben der Irving. Alles dicke Bücher, ich fürchte, ich werde sie alle drei nicht in den 14 Tagen Ausleihdauer hören können und muß sie noch einmal vormerken lassen.
    Einen schönen Tag wünscht dir Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Susanne, von den genannten Büchern kenne ich nur den Irving, der hat mir damals sehr gut gefallen. Die anderen klingen auch interessant!
      Drei Bücher in zwei Wochen, wenn man eine Bachelorarbeit zu schreiben hat – das wird wohl wirklich eng. Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, besonders für deine Arbeit! Liebe Grüße & noch einen schönen Tag!

  13. Corinna schreibt:

    Hallo Petra,

    auch ich gehöre zu den Parallel-Leserinnen. Allerdings achte ich darauf, dass die Bücher möglichst wenig miteinander zu tun haben, da ich sonst im Nachhinein nicht mehr genau weiß, welche tolle Stelle, die mir gerade wieder einfällt, zu welchem Buch gehört und wo ich sie nachschauen kann…
    Meistens sind es ein Roman (deutsch), ein Roman (englisch), ein Fachbuch, ein bereits gelesener Krimi zum Im-Bett-einschlafen 😉
    (Aktuell: Jean-Michel Guenassia, Der Club der unverbesserlichen Optimisten / Jonathan Franzen, Purity / Rammsayer/Weber, Differentielle Psychologie / Agatha Christie, Und dann gab’s keines mehr)
    Frau Hustvedt liegt noch bei mir auf dem to-do-Stapel und kommt bei der nächsten Reise mit in den Zug. Ich bin schon mal gespannt auf Deine Rezension!

    Viele Grüße
    Corinna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hallo Corinna, ja, das ist sicher sinnvoll, dass die Bücher einander nicht zu ähnlich sind. Diese Vermischung in der Erinnerung kenne ich auch.
      Du liest Krimis mehrmals? Aber dann kennst du doch schon die Lösung?? Andererseits kann man dann ja wirklich getrost das Buch beiseite legen und schlafen ; )
      Liebe Grüße!

      • Corinna schreibt:

        …da hast Du natürlich recht, die Lösung kenne ich schon (ich gestehe, dass ich mich manchmal trotzdem nicht recht erinnern kann, ob nun A oder B der Bösewicht war 😉 )
        Allerdings kann es auch ein großes Vergnügen sein, den Krimi mit dem Wissen um die Lösung nochmal zu lesen, um nachzusehen, ob die Spuren schlüssig gelegt sind, oder der Autor nicht doch zu dicke Fährten zu einem Unschuldigen legt.
        Bei einem richtig guten Krimi geht es mir auch oft um das „Beiwerk“, also Atmosphäre, Nebenhandlungen, ggf. philosophische Erwägungen und die Sprache an sich.
        Aber ich lese ja ohnehin Bücher gerne mehrfach und genieße sie beim zweiten Lesen meistens noch viel mehr, weil ich schon weiß, wann eine tolle Stelle kommt 😉
        Viele Grüße
        Corinna

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Das ist natürlich eine gute Idee, also Krimis noch mal auf ihre Plausibilität hin zu lesen … Und überhaupt mehrmals lesen, um sich wieder auf die schönen Stellen zu freuen : )

        • Pit schreibt:

          Geht mir mit Krimis genauso: nicht immer kann ich mich an die Loesung erinnern. Macht wohl auch das Alter. 😉 Und die Einzelheiten, isnbesondere Charakterisierungen, machen immer wieder erneut Entdeckerfreude, wie z.B. jetzt mit den Cadfael-Krimis.

  14. Pit schreibt:

    Hallo Petra,
    parallel lesen mache ich auch gerne und häufig, aber Beziehungen zwischen den Büchern sind mir bisher nicht aufgefallen. Oder nicht bewusst geworden. Muss ich mich mal intensiver mit befassen, denn es ist ein interessanter Aspekt.
    Zur Zeit lese ich [mal wieder] „A Morbid Taste for Bones“ von Ellis Peters [ein mittelalterlicher Krimi] und „Patriot Games“ von Tom Clancy [ein „Reißer“ von nicht unbedingt hoher literarischer Qualität, aber, da es um Terrosrismus geht, leider wieder aktuell]. Ich habe mir vorgenommen, die gesamte Reihe der „Cadfael mysteries“ von Ellis Peters mal wieder zu lesen. Sie machen mir immer wieder erneut Spaß.
    Hab’s fein,
    Pit

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Pit, also, die kenne ich alle nicht! Bei Krimis und Thrillern bin ich irgendwie nicht so auf’m Quivive … Was sind denn diese Cadfael Dingsis, vielleicht sollte ich mal danach googeln … Liebe Grüße!

      • Petra Gust-Kazakos schreibt:

        Hab gegoogelt, klingt nach prima Pageturnern!

        • Pit schreibt:

          Hallo Petra,
          Du hast zwar schon gegoogelt, aber ich will trotzdem noch meinen Senf dazu geben. Die Romane sind wirklich gut. Ich würde sagen, Krimis mit Tiefgang. Es geht nicht um Mord und Totschlag, sondern um die Ermittlung des Täters. Und das im Mittelalter, ohne unsere heutigen technischen Mittel. Bruder Cadfael, der Detektiv, ist ein Benediktinermönch [spätberufen, nach einem sehr weltlichen Leben, u.A. als Kreuzfahrer, aber gerade deswegen mit viel Lebensweisheit gesegnet] in Shrewsbury in England [zwischen 1137 und 1145] zur Zeit des Streits zwischen Stephen und Mathilda um die Krone. Ich mag diese Figur, so wie Ellis Peters [eigentlich Edith Pargeter] sie darstellt. Er ist, wie es im Titel eines anderen Buches von ihr heißt, „A Rare Benedictine“. Die Bücher sind zwar chronologisch, aber man braucht sie nicht in der Reihenfolge zu lesen. Meine Meinung: als Krimiautorin kann Ellis Peters durchaus Agatha Christie das Wasser reichen.
          Übrigens: auch die Verfilmungen mit Derek Jacobi als Cadfael sind sehenswert, ganz besonders die Serie 1 mit Sean Pertwee als Sheriff Hugh Beringar. Der zeichnet den Charakter ganz ausgezeichnet. Sein Nachfolger in den weiteren Serien weniger.
          Eine weitere historische Krimireihe, die ich sehr mag, ist die um Sister Fidelma, von Peter Tremayne [Pseudonym für Peter Beresford Ellis], die in der Mitte des 7. Jahrhunderts spielt. Sister Fidelma ist das weibliche Gegenstück – eine detektivisch veranlagte Nonne – zu Bruder Cadfael.
          Übrigens: eine unsere Katzen [http://tinyurl.com/je9ut4s] ist nach ihr benannt. 😉
          Hab’s fein,
          Pit

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Ui, lieben Dank für die ausführlichen Informationen dazu!

        • Pit schreibt:

          Gern geschehen, liebe Petra. Mittlerweile bin ich – mit großem Vergnügen – bei Band drei.
          Hab‘ ein feines Wochenende,
          Pit

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Das klingt ja nach einem prima Lesewochenende : ) Liebe Grüße & genug Muße dazu!

        • Pit schreibt:

          Die Zeit nehme ich mir, auch wenn – das Wetter [strahlender Sonnenschein und maximal 15,5 Grad] ist prima dafür – viel Gartenarbeit anstehen würde.
          Vorhin war ein wunderbares Schauspiel draußen: wir hatte Rauhreif auf dem Rasen, was an sich schon sehr schön aussah, aber dann dampfte es leicht, wo die Sonne draufschien. Das sah fantastisch aus. 🙂

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Das klingt ja klasse! Hier ist es deutlich kühler, grau und es sieht nach Regen aus. Lesewetter ; )

        • Pit schreibt:

          Ist Lesewetter nicht immer? Und nur die Frage, ob drinnen oder draußen? 😉

  15. dasgrauesofa schreibt:

    Liebe Petra,
    nun wollte ich, ganz Oberschlaumeier, den tollen Tipp geben, dass die Kiwi-Menschen an die von Dir benannten Probleme beim Lesen des Schiffs des Theuseus gedacht und eine entsprechende Einsortierhilfe ins Netz gestellt haben, bin mit meinem Tipp aber zu spät. Aber Du hast völlig Recht: Ich habe es versucht, das Buch im Liegen zu lesen und dann, wenn man nicht immer ganz genau zupackt, purzeln alle möglichen Briefe, Postkarsten, Servietten, Zeitungsausschnitte lustig aus den Seiten heraus. Und wenn man noch retten möchte, was zu retten ist und man die Aufmerksamkeit an anderer Stelle ein wenig absenkt, macht sich dort sofort wieder so ein Einleger selbstständig – es ist dann ein bisschen wie beim „schiefen Bild“ von Loriot, zum Lesen kommt man jedenfalls nicht :-).
    Ich finde auch immer spannend, Beziehungen zwischen Büchern zu knüpfen, natürlich beim Parrallel-Lesen, aber auch beim Nacheinander-Lesen. So entstehen immer ganz neue Einblicke und Perspektiven. Gerade habe ich im Zeit Literaturheft die Rezension zu Johnsons (?) „Empathie-Test“ gelesen und musste ganz stark an der kurz zuvor beendeten Roman von Friedrich Ani denken. So eröffneten sich noch einmal ganz neue Eindrücke. Ich finde also so einen texterweiternden Ansatz sehr fruchtbar.
    Viele Grüße, Claudia

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Claudia, du hast es tatsächlich gewagt, das Buch liegend zu lesen! Heieiei, mutig – und zeitaufwändig hinterher ; ) Der Vergleich mit dem schiefen Bild passt da sehr gut!
      Ach, das war das Interview mit der Frau, die als next Susan Sontag gehyped wurde, gell? Allerdings konnte ich den Hype nicht ganz nachvollziehen, wenn auch ihr Thema durchaus interessant klingt. Aber Susan Sontag ist vielleicht noch zu früh als Maßstab (du merkst schon, ich halte extrem viel von ihr). Liebe Grüße!

  16. valentino schreibt:

    Ich versuche das Parallellesen, zumindest von Belletristik, eigentlich zu vermeiden. Allerdings hab ich „Die Brüder Karamasow“ nach dem ersten Drittel unterbrochen, weil sich die Handlung immer weiter auffächerte. Daraufhin bin ich von Vargas Llosa über Faulkner zu Kafka gekommen – und dabei denke ich schon, dass ich ein Buch nicht ohne die vorherige Lektüre des anderen Buchs angefangen hätte. Vielleicht schließt sich ja der Kreis, wenn ich jetzt wieder zu Dostojewski zurückkehre.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Bei Belletristik empfinde ich es beim Parallellesen als einfacher, sehr unterschiedliche Bücher zu lesen – Kafka und Dostojewskij, das ist ein etwas größerer Kreis, aber ein sehr schöner! Von Faulkner und Vargas Llosa habe ich noch gar nichts gelesen … Liebe Grüße!

      • valentino schreibt:

        Dass es für Dich einfacher ist, kann ich gut nachvollziehen. Es gibt sicher die vielfältigsten Wege, sich die Literatur zu erschließen. Mit Kafka habe ich auch erst begonnen („Der Prozess“) – mal abgesehen von „Die Verwandlung“, das wir in der Schule gelesen haben, was schon eine Weile her ist. Von Dostojewski fand ich „Schuld und Sühne“ wesentlich eingängiger als „Die Brüder Karamasow“. Interessant finde ich allgemein die Verflechtungen und Bezüge zwischen den Werken, denn die Autoren haben sich ja zum Teil auch gegenseitig gelesen, oder zumindest der eine den anderen.
        Und Faulkner ist sicher auch ein weites Feld, das sich noch zu erschließen lohnt … ja wenn die Zeit nicht begrenzt wäre …
        Liebe Grüße,

  17. Pit schreibt:

    P.S.: Gerade bin ich in einem anderen Blog, „Kunterbuntes Allerlei“ [http://tinyurl.com/h45klt5] auch auf Beiträge zu „zwei Mal lesen“ gestoßen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Früher habe ich ständig Romane mehrmals gelesen. Dann kam eine Phase, in der ich nur noch ständig für mich Neues lesen wollte. In letzter Zeit lese ich zwischendurch Romane wieder, die ich einst sehr gut fand und damals unzählige Male gelesen hatte. Manche finde ich immer noch ganz hervorragend (Jane Eyre), andere hatte ich etwas anders in Erinnerung und war nicht mehr ganz so hingerissen bzw. bestimmte Figuren, die mich einst faszinierten, gehen mir heute auf den Wecker (Cathy aus Wuthering Heights).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s