Später Ruhm

Wien_2011Die lange verschollen geglaubte Novelle Später Ruhm von Arthur Schnitzler wurde vor wenigen Jahren entdeckt und 2014 erstmals veröffentlicht. Inzwischen liegt die reizende Geschichte, die mit melancholischem Zauber und allerlei satirischen Hieblein besticht, als Taschenbuch vor – mir hat sie sehr gut gefallen.

Als Eduard Saxberger von einem Spaziergang zurückkehrt, wartet auf ihn schon ein junger Mann, der es kaum erwarten kann, ihn kennenzulernen. Der Gast, ein Schriftsteller namens Wolfgang Meier, hat in einem Antiquariat den Gedichtband Wanderungen gefunden, den Saxberger vor Jahrzehnten veröffentlicht hatte, und voller Begeisterung gelesen. Fast hat Saxberger selbst nicht mehr an diese Zeit in seinem Leben gedacht, da er hoffte, als Schriftsteller einmal zu Ruhm und Ehren zu gelangen. Die Bewunderung des jungen Schriftstellers lässt in Saxberger, der inzwischen seit 35 Jahren in einem Amt arbeitet, noch einmal die Erinnerung an jene Jahre aufscheinen und man ist mit ihm gerührt von der späten Anerkennung, die Meier dem einstigen Dichter zollt.

Der Besuch wird Saxbergers bis dahin beschaulichem Leben neuen Schwung verleihen. Statt weiter abends in sein Stammlokal zu gehen, um sich dort mit seinen völlig unpoetischen Bekannten zu treffen, gesellt sich Saxberger immer öfter zum Schriftstellerverein „Begeisterung“, dem auch der junge Meier angehört. Und die Begeisterung der jungen, allesamt erfolglosen Künstler über ihn und sein Werk nährt und beflügelt Saxberger für gewisse Zeit. Allerdings muss er auch erkennen, dass sich zwar Geschichte zuweilen wiederholt, aber er nicht mehr an sein Talent der frühen Jahre anknüpfen kann.

Beim Lesen wird einem ganz warm ums Herz darüber, wie sehr sich Saxberger freut und wie schön doch diese Begeisterung der jungen Leute für ihn sein muss. Aber rasch zeigt sich, dass die angehenden Genies sich in ihrer unbedingten Abgrenzung zum – heute würden wir sagen: „Mainstream“ – und in ihrer Verachtung für das bürgerliche Leben und seine Pflichten doch vor allem selbst überschätzen und ein Stück weit auch selbst betrügen. Man kann sich gut vorstellen, dass sie selbst eher künftige Saxbergers sein werden als die gefeierten Künstler der Zukunft oder gar die Erneuerer der Künste, die sie so gern wären.

Insgesamt sehr liebevoll beschrieben und mit einigen hübsch-bösen kleinen Seitenhieben gegen Selbstüberschätzung und Möchtegerntum. Ich rate zu!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Später Ruhm

  1. Pingback: [Philea’s] Später Ruhm – #Literatur

  2. dechareli schreibt:

    Das klingt doch ganz verlockend… Da werde ich mal ein ernstes Wort mit meinem Buchhändler reden!

  3. Pingback: Arthur Schnitzler: Später Ruhm (1894) |

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