Das Haus der vergessenen Bücher

NYC_2010_MorlMit diesem Roman von Christopher Morley verbrachte ich einen gemütlichen Nachmittag. The Haunted Bookshop, so der Originaltitel, erschien 1919 und liegt nun als Taschenbuch aus dem Atlantik Verlag, übersetzt von Renate Orth-Guttmann vor. Ein nettes Schmökerchen für Bibliophile mit Hang zur Nostalgie.

Die Zutaten sind verheißungsvoll: ein Antiquariat in Brooklyn mit einem literaturliebenden, stark qualmenden Antiquar (Roger Mifflin), seiner patenten Ehefrau und einem netten Hund, dazu ein junger Mann und eine neue, bildhübsche Gehilfin für das Antiquariat sowie mysteriöse Ereignisse um ein Buch, das immer wieder verschwindet und auftaucht. Im angenehmen Plauderton erzählt, plätschert das Geschehen freundlich und nicht allzu aufregend vor sich hin. Zur sanften Entspannung durchaus zu empfehlen.

Was mir richtig gut an dem Buch gefiel, waren drei Aspekte: ein Antiquariat, in dem man rauchen darf (heute natürlich undenkbar!), Rogers (oder Morleys) Ansichten zu der bevorstehenden Friedenskonferenz und der Macht der Literatur sowie die zahllosen eingestreuten Lektüre-Tipps. Manche davon wollte ich sowieso schon immer mal, andere klangen einfach nur interessant. Einige habe ich mir nun notiert und tippe euch die Liste ab, vielleicht findet ihr auch etwas für euch darin.

Lektüreempfehlungen von Roger Mifflin:

Thomas Carlyle: Sartor Resartus

Logan Pearsall Smith: Trivia

Robert Burton: The Anatomy of Melancholy

Samuel Butler: Erewhon, The Way of all Flesh und Notebooks

G. K. Chesterton: Der Mann, der Donnerstag war

George Gissing: The House of Cobwebs

F. C. Burnand: Happy Thoughts

E. V. Lucas: Over Bemerton’s

R. L. Stevenson: Die falsche Kiste

Robert Cortes Holiday: Walking-Stick Papers

Leonard Merrick: Whispers about Women

Übrigens: Diese Tipps kommen nicht von ungefähr, denn Christopher Morley war Mitbegründer der Saturday Review of Literature und hatte, soweit ich das anhand des Romans beurteilen kann, einen ziemlichen guten Geschmack bei Büchern

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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38 Antworten zu Das Haus der vergessenen Bücher

  1. Pingback: [Philea’s] Das Haus der vergessenen Bücher – #Literatur

  2. Herr Ärmel schreibt:

    Vielen Dank für die Präsentation und die ergänzenden Hinweise dazu. Klingt vielversprechend.
    Abendschöne Grüsse aus dem antiquierten Bembelland

  3. ©lz schreibt:

    Erscheint mir ein feiner Hinweis / ich danke lesend.

  4. puzzleblume schreibt:

    Vielen Dank für die interessante Liste! Einiges davon reizt zu näheren Erkundungen.
    Bei der Lektüre deines Eintrags fragte ich mich, ob wohl der Begriff des „Schmökerns“ tatsächlich mit dem Rauchen bei einer Lektüre zusammenhängen könnte.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Puzzleblume, ich freue mich, dass die Liste auch für dich interessant ist : ) Werde nachher mal schauen, was sich davon, vielleicht auch aus zweiter Hand, erwerben lässt. Zu Schmökern fand ich gerade einen interessanten Link der Gesellschaft für deutsche Sprache: http://gfds.de/herkunft-von-schmoekern/

      • puzzleblume schreibt:

        Hm, ja, ob das nun wirklich bedeuten soll, ob ein Buch inhaltlich so wenig von Wert ist, dass es als Fidibus tzu mehr Erleuchtung führt, ist da auch nicht bewiesen, Wer Plattdeutsch kennt, weiss jedenfalls, das Schmöken das Rauchen von Tabak bezeichnet, und wer die TV-Serie „Neues aus Büttenwarder“ kennt, wird sich an Onkel Krischans Frage „Hast du mal nen Schmök?“ auch erinnern. Ich bezweifle ausserdem, dass Studenten früherer Zeiten es sich leisten konnten, Bücher zu Anzündern zu zerreisen, statt sie zu verkaufen, und sei es auch nur für das die nächste Mahlzeit, ein nächste Glas Bier, etwas Tabak, oder – noch wahrscheinlicher – das nächste Buch.

        • puzzleblume schreibt:

          Puh, und das nächste mal kommentiere ich wieder auf der Seite und nicht im „Seitenstreifen“ – tut mir leid für die Fehler. 😦

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Ich fand die Begründung aus ähnlichen Gründen schräg. Aber wenn sie ja tatsächlich nur Bücher verwendet haben, die nicht so doll waren … Dennoch … Jedenfalls sehr interessant, ich habe nie darüber nachgedacht (kann aber auch kein Platt).

        • puzzleblume schreibt:

          Welcher Bücherfreund bringt es fertig, auch noch die schrecklichsten Bücher einfach zu vernichten? Das tut man doch höchstens aus Empörung, wenn man es sich leisten kann.

      • buchpost schreibt:

        Danke für den Link! LG, Anna

  5. seestern12 schreibt:

    Hallo Petra, das ist ein tolles Buch. Kennst du auch die Vorgeschichte dazu? Eine Buchhandlung auf Reisen?
    Liebe Grüße,
    Petra

  6. mickzwo schreibt:

    Am meisten interessiert mich – neben dem hier vorgestellten Roman von Christopher Morley – die Empfehlung ‚G. K. Chesterton: Der Mann, der Donnerstag war‘.
    Danke dafür. LG, mick

  7. Meermond schreibt:

    Danke für die interessante Anregung. Der dunkle Winter dauert hier im Norden schließlich noch eine Weile…
    Herzliche Grüße

  8. Druckschrift schreibt:

    Schon interessant, wie man zu unterschiedlichen Urteilen kommt. Aber jede/r) liest halt anders. Meine Bewertung des Buches war jedenfalls deutlich kritischer (http://druckschrift.me/2015/05/18/christopher-morley-das-haus-der-vergessenen-bucher/). Ein schönes WE, Ingrid

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      So groß scheinen mir die Unterschiede eigentlich nicht, nett & mäßig spannend, genau. Ich fand allerdings seine Ansichten keineswegs ermüdend, damals war das sicher ein topaktuelles Thema, das sollte man im Hinterkopf behalten. Wenn ich ältere Bücher lese, muss ich versuchen, den Kontext zu berücksichtigen, auch wenn mir manches heute etwas altbacken vorkommen mag. Die Lektüre hat sich für mich jedenfalls schon wegen der Lektüretipps gelohnt ; ) Dir auch ein schönes Wochenende & herzliche Grüße!

      • Druckschrift schreibt:

        Ich habe durchaus versucht, das zu berücksichtigen. Aber für einen betulichen Kriminalroman war mir darin zu viel Message .

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          : ) Wie du schon sehr richtig sagtest, liest eben jede(r) anders, setzt andere Prioritäten, hat andere Erwartungen etc. (de gustibus et coloribus etc.). Es gibt ja auch nicht DIE RICHTIGE Meinung zu einem Buch, sondern einfach jede Menge Meinungen. Ich habe eine davon.

  9. Ich lach mich schlapp! Eine Freundin, Vielleserin (und wenn ich viel sage, meine ich viiiiiel und jahrzehntelang, vielfacher beruflicher Bücherhintergrund hat mir (auf mich trifft das alles auch zu) dieses Buch kürzlich geschenkt. Leider, denn so fühlte ich mich verpflichtet, es bis zum Ende zu lesen. Wenn ich ein Buch in der Hand habe, merke ich in ganz kurzer Zeit, ob es von mir gelesen werden möchte oder nicht. Dieses wollte gar nicht, obwohl die Zutaten hätten stimmen können. Die Lektüre des guten Herrn Morley kenne ich größtenteils und habe sie goutiert. Aber in dieser Geschichte habe ich vergebens auf irgendeinen Clou, einen Wendepunkt, etwas Überraschendes gewartet. Liebe Petra, Du hattest recht mit: „plätschert das Geschehen freundlich und nicht allzu aufregend vor sich hin …“ Ja, das trifft es gut! 🙂 Ich habe das Buch dem Oxfam-Laden geschenkt. Vielleicht weiß es jetzt eine andere Leserin zu würdigen. Am meisten wundert mich, dass ich von dem Autor noch nie gehört habe, obwohl er doch offenbar ein sehr bekannter Autor war, zumindest in den USA.

  10. entdeckeengland schreibt:

    Aber gemein ist das schon, dass Du uns hier nicht nur ein Buch vorstellst, sondern gleich eine ganze Liste interessant klingender Titel. Und das, wo ich gerade das Gefühl habe, ich müsste mir wieder mal was Gutes tun und in der Buchhandlung vorbeischauen … 😱

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