Noch mehr cozy Krimis von Dorothy L. Sayers

D_Sayers_2Nachdem ich im Januar meine beiden ersten Krimis von Dorothy L. Sayers gelesen hatte, konnte ich nicht widerstehen, weitere von ihr zur Entspannung zu genießen. Da mein Einstieg mit Oxford in Aufruhr und dem chronologisch korrekten Nachfolger Hochzeit kommt vor dem Fall so gut lief, beschloss ich, nur die Folgen aus der Serie um den adligen Amateurdetektiv Lord Peter Wimsey zu lesen, bei dem auch Harriet Vane mit ermittelte. Ein bisschen was fürs Herz bei all der Verbrechensaufklärerei kann ja nicht schaden.

So machte ich weiter mit jenem Fall, bei dem die beiden sich kennengelernt hatten: Starkes Gift (übersetzt von Otto Bayer). Darin wird Harriet angeklagt, ihren ehemaligen Geliebten vergiftet zu haben. Lord Peter muss sich sehr anstrengen, um sie in letzter Sekunde vor dem Todesurteil zu bewahren. Zwar nicht rasend spannend, was die eigentliche Krimi-Handlung betrifft, aber schwungvoll und mit interessanter Auflösung.

Nach diesem Zeitsprung zurück ging es vorwärts weiter: In feiner Gesellschaft (übersetzt von Beate Smandek). hier wirkte Jill Paton Walsh sozusagen als Co-Autorin mit bzw. hat sie den Krimi von Dorothy L. Sayers fertig geschrieben. Das hat sie meiner Ansicht nach auch gut hinbekommen, hätte ich es nicht gewusst, so hätte ich es wohl nicht bemerkt. Diesmal geht es um die Aufklärung des Mordes an einer Schönheit aus der besseren Gesellschaft, recht spannend und unterhaltend.

Dann wieder eine Rolle rückwärts: Zur fraglichen Stunde (übersetzt von Otto Bayer). Dieser Krimi spielt chronologisch nach Starkes Gift. Ich fand ihn allerdings arg konstruiert und ziemlich langweilig. Allzu lange wurden hier die verschiedenen Möglichkeiten durchdekliniert, wie der Tote und von wem und wann und überhaupt … Auch die Sache mit der Decodierung von Briefen, eigentlich ein interessantes Thema, wurde für meinen Geschmack zu sehr ausgewalzt. Die Auflösung wirkte durch allerlei wenig wahrscheinliche Zufälle und Ereignisse arg fadenscheinig.

Den bisherigen Abschluss meiner Cozy-Krimi-Leserei bildete Magere Zeiten (übersetzt von Beate Smandek), wieder gelungen und aus der Mitfeder von Jill Paton Walsh. Besonders interessant aus mehreren Gründen: Er spielt während des zweiten Weltkriegs und schien mir ganz gut recherchiert, das Thema Spionage fügt sich passend in die Handlung und außerdem ist Harriet über die Hälfte des Krimis ganz auf sich gestellt bei den Ermittlungen, weil Peter in gefährlicher und geheimer Mission unterwegs ist. Aber er kommt natürlich noch rechtzeitig hinzu und alles klärt sich.

Dafür, dass ich jahrelang so gut wie gar keine Krimis mehr gelesen habe, scheint diese Serie geradezu eine kleine Sucht bei mir ausgelöst zu haben. Mir gefällt daran, dass es relativ unblutig zugeht und die Krimis ohne allzu detaillierte Beschreibungen irgendwelcher Verbrechen und forensischer Untersuchungen auskommen. Sie sind geruhsam und ich konnte sie gut vor dem Einschlafen lesen, ohne Albträume zu bekommen oder vor lauter Wissen-wollen-wie-es-weitergeht um den Schlaf gebracht zu werden. Dazu die liebenswerten Schrullen von Lord Peter und die unterschiedlich sympathischen Nebenrollen, die alle zwar etwas starr (ohne viel charakterliche Entwicklung), aber dennoch nicht zu flach gestaltet sind und der Handlung zusätzliche Würze verleihen. Besonders gefällt mir nach wie vor, dass es schöne Zitate zu finden gibt und auch in Dialogen, besonders zwischen Lord Peter und Harriet, viel mit literarischen Bezügen gespielt wird. Bei den beiden Krimis unter Mitwirkung von Jill Paton Walsh fiel mir im Unterschied zu den früheren Krimis der Reihe auf, dass Harriet bei aller Coolness etwas warmherziger wirkte. Es gibt noch zwei weitere Krimis um Peter und Harriet, die (wenn ich das richtig verstehe) komplett aus der Feder Jill Paton Walshs stammen, The Attenbury Emeralds und The Late Scholar. Ich glaube, die lese ich auch noch.

Menschen, die gern Krimis und Thriller mit viel Forensik etc. und Pageturner-Qualitäten lesen, werden die Krimis um Lord Peter vielleicht etwas dröge finden. Für mich sind sie gerade richtig.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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23 Antworten zu Noch mehr cozy Krimis von Dorothy L. Sayers

  1. puzzleblume schreibt:

    Immer schön, wenn, das, was einem selbst gefällt, von jemandem entdeckt und gemocht wird. Wenn du mit Sayers „durch“ bist, empfehle ich, P.D. James anzuhängen,

  2. Pingback: [Philea’s] Noch mehr cozy Krimis von Dorothy L. Sayers – #Literatur

  3. Mich hat Lord Peter mit seinem Weinwissen schwer beeindruckt! 😉 Ich halte so was ja eher für einen Taschenspielertrick. Allerdings lag die Winzertochter Julia K. (setz hier einen Politikerinnennamen ein) bei einem Test auch nicht so ganz falsch.

  4. Mina schreibt:

    Liebe Petra,
    das sind ja spannende Empfehlungen, da ich ja selbst nie so die Krimileserin war, könnte das in der Tat etwas für mich sein.
    Grüße aus dem gerade endlich mal wieder sonnigen Hessen!
    Mina

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Kannst ja mal reinlesen, liebe Mina, vielleicht packt dich auch die Sucht ; )
      Sitze gerade mit Tee auf dem sonnigen Balkon – & gestern hat’s noch geschneit! Verrückt, aber schön. Liebe Grüße!

  5. Tinka schreibt:

    Liebe Petra, das hört sich ja genau so an, als würde mir das gefallen. Ich lese auch lieber stimmungsvolle und beschauliche Krimis. Muss mal danach googlen. Liest du auch gerne Agatha Christie Krimis? Die gehen auch in diese Richtung. Englische Krimis sind einfach einzigartig und um ehrlich zu sein, war die Englische Literatur ausschlaggebend dafür, dass ich ein Anglistik Studium begonnen habe 🙂 Und jetzt werd ich mal Dorothy L. Syers etwas unter die Lupe nehmen. Ganz liebe Grüße

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Tinka, das freut mich sehr! Als junges Mädchen habe ich ein paar wenige Krimis von Agatha Christie gelesen, aber noch lieber die Verfilmungen angeschaut, „Mord im Orientexpress“ war mein Favorit : ) Ja, die englischsprachige Literatur wird auch in meinem Herzen (und Kopf) immer ihren Platz haben, ich habe ja auch Anglistik studiert (und Germanistik) – eine der besseren Entscheidungen meines Lebens : ) Liebe Grüße!

      • Tinka schreibt:

        Ich studiere auch Germanistik und Anglistik 🙂 Die Filme habe mir auch gefallen, sehr nostalgisch. Hab mir übrigens Mord brauch Reklame bestellt von Sayers Dorothy. Bin wirklich schon sehr gespannt ^^

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Das soll auch gut sein, jemand hatte mir das auch schon hier bei den Kommentaren empfohlen. Bin gespannt, wie du es findest! Gibste Bescheid? Heute habe ich die beiden Krimis nach Art von Dorothy von Jill Paton Walsh abgeholt, bin gespannt. In der Bahn las ich in den einen rein, auf Englisch ja noch feiner zu lesen! Fängt schon mal ganz gut an und sehr im Stile von Dorothy gehalten : )

  6. Tinka schreibt:

    ja klar 🙂 Jetzt freu ich mich wirklich schon ein bisschen auf Lord Peter Wimsey !

  7. Lakritze schreibt:

    Oh, aber … aber! Darf ich ein bißchen quengeln? Unter den Harriet-losen Krimis sind einige rechte Perlen. Wir sprachen schon über The Nine Tailors, aber auch Murder Must Advertise ist klasse, oder The Unpleasantness at the Bellona Club, alle sympathisch altmodisch. Für jeden muß Sayers sich in ein Fachgebiet eingearbeitet haben. Ich weiß, so many books, so little time, aber diese hier …!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Hmmmm, ich überdenke das mal. Du Schlimme! ; )

    • Schröersche schreibt:

      Genau, genau! Ich las Sayers auf Englisch, und Murder must Advertise (Mord braucht Reklame) war der erste, ungeheuer witzig in jeder Hinsicht. Sayers war selber Werbetexterin und beschreibt herrlich das Büro-Milieu. Ich mochte auch „Five Red Herrings“, (obwohl das Fahrplanstudium etwas öd in die Länge geht). Sayers beschreibt darin ganz herrlich eine Künstlerkolonie in Galloway, und man macht dort gleich beim Lesen sozusagen Ferien. „Bellona Club“ ist für das weibliche Geschlecht reizvoll, weil man da ja eigentlich nicht reingehört. Der Fall ist auch schön abstrus. Wenn ich mich recht entsinne, geht es bei „Whose Body“ um eine ‚alte Leiche‘, und ich fand es bemerkenswert, wie Sayers das Thema Alter und Gleichgültigkeit über das Schicksal alter Menschen behandelt (ein bisschen wie bei der Barnaby-Episode „Drei tote alte Damen“, nur intelligenter).
      Als nächstes Abenteuer literarischer Krimis, bzw Agentenabenteuer würde ich die Ashenden-Kurzgeschichten von Somerset Maugham lesen. Sehr, sehr gut.

    • Lakritze schreibt:

      … und diesen Tip nehme ich mir mit. Dankesehr!
      (Whose Body</i< startet gleich mit einer längeren Passage über das Sammeln von Inkunabeln; da muß man durch. Die späteren Geschichten sind etwas benutzerfreundlicher. Mir gefallen ja gerade die Exkurse besonders gut. Nine Tailors! Nutzloses Wissen bester Qualität!)

  8. arwyn_yale schreibt:

    Ich lese oft gerne „gemütliche Krimis“ ohne viel Blutvergießen, kann da auch sehr die Agatha Raisin Reihe empfehlen. Habe ich als Hörbuch gehört, abends, herrlich zum Entspannen mit skurillen englischen Dorfbewohnern und einigen lustigen Szenen.

    LG Arwyn

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