Mimikry. Das Spiel des Lesens

Foto: © Stephan Porombka

Foto: © Stephan Porombka

Habt ihr früher gern das „Lexikonspiel“ gespielt? Und möglichst wahrscheinlich klingende Definitionen zu weitgehend unbekannten Fremdwörtern erfunden? Falls ja, könntet ihr auch an „Mimikry“ Gefallen finden – eine Erweiterung oder Variation des Lexikonspiels in Richtung Literatur. Das Buch Mimikry. Das Spiel des Lesens bietet eine tolle Mischung aus Spielanleitung und Best-Practice-Beispielen für Literaturbegeisterte. Nach dem Lesen möchte man am liebsten gleich selbst so eine Spielrunde organisieren.

Auf dieses Buch wies mich Karo von Deep Read hin, u. a. deshalb, weil sie beim Lesen über ein Zitat von Stephan Porombka gestolpert ist, bei dem als Quelle Philea’s Blog genannt war. Das freute mich natürlich, aber mehr noch faszinierte mich, was Karo sonst noch über das Buch erzählte. Kurz: Ich fand die Idee so grandios, dass ich den Verlag Blumenbar (Aufbau Verlag) ausnahmsweise um ein Rezensionsexemplar bat, das mir auch alsbald zugestellt wurde. Danke für dieses Buch, das amüsant und vor allem sehr anregend ist und durch seine zahlreichen, teils farbigen Abbildungen meine Augen erfreute.

Das Foto auf der Titelseite des Buchs wird allen vertraut vorkommen, die sich noch an die herrliche Bibliothek von Stephan Porombka erinnern, die er im Rahmen der Shelfies-Serie hier vorgestellt hat. Er ist einer der Gastgeber bzw. Mitspieler der „Mimikry-Serie“ gewesen, die im Sommer 2015 veranstaltet wurde: An 19 Abenden haben, in unterschiedlicher Zusammensetzung, insgesamt 101 Personen, die alle in der ein oder anderen Weise mit Literatur zu tun haben, mitgespielt.

Zum Spiel: Wir können vermutlich alle ein paar erste Sätze aus Romanen zitieren, die uns besonders gefallen haben. Aber bei den darauffolgenden Sätzen wird’s schon dünner. Wohl erinnere ich mich an den Ton, die Atmosphäre, die Bilder, die beim ersten Absatz in mir aufstiegen. Aber ganz bestimmt könnte ich ihn nicht korrekt zitieren. Und das ist auch gut so, denn es würde mich als Mitspielerin bei „Mimikry“ qualifizieren. Hier geht es darum, dass die Spielerinnen und Spieler den ersten Satz eines Romans vorgelesen bekommen, falls sie den Roman nicht kennen sollten, erhalten sie zusätzliche Infos zu Inhalt und Autor, um dann selbst den ersten Absatz möglichst echt klingend zu vervollständigen. Die selbst erdachten Absätze werden mit dem Original gemischt und dann muss geraten werden, welcher der echte ist. Punkte bekommt man sowohl fürs richtig Raten als auch, falls die eigene Version von anderen für richtig gehalten wurde. Famose Idee!

Einen solchen Abend kann man dann noch entsprechend liebevoll ausgestalten, den Gästen schmackhafte Speisen und Getränke servieren und alle können gemeinsam diese Mischung aus Literaturerlebnis, Kreativität, Spaß und Spannung genießen. Klingt für mich nach dem perfekten Spieleabend, dabei bin ich davon sonst nur in Einzelfällen ein Fan.

Das Buch kann man lesen als Anleitung, man kann sich über die vielen Farbfotos im hinteren Teil des Buchs freuen, die ein bisschen von der Atmosphäre dieser Abende vermitteln, und man kann das Ganze unter dem Aspekt„soziallliterarisches Experiment“ betrachten, wie es die Herausgeber Philipp Albers und Holm Friebe nennen. Außerdem kann man selbst mitraten. Denn es werden nicht nur die Gastgeberinnen und Gastgeber sowie die Gäste und der jeweilige Ablauf des Abends beschrieben, auch die verschiedenen Anfänge nebst Original sind den „Best-Practice-Beispielen“ beigefügt.

Ich rate zu und hoffe, eines Tages ebenfalls bei einem vielleicht selbst organisierten „Mimikry“-Abend mitzumachen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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17 Antworten zu Mimikry. Das Spiel des Lesens

  1. Pingback: [Philea’s] Mimikry. Das Spiel des Lesens – #Literatur

  2. gkazakou schreibt:

    Das klingt wirklich spannend. Und ist eine wunderbare Übung für angehende Schriftsteller, ähnlich wie das Kopieren für angehende Maler. (Wusstest du, dass Giacometti sämtliche Bilder des Louvre mehrfach kopiert hat? Aber natürlich sieht man, was Original, was Kopie ist, und das ist auch gut so 🙂

  3. perlengazelle schreibt:

    Was für eine tolle Idee. Da würde ich sofort mitmachen.
    Und vielleicht wird es besser als das Original? 😉

  4. ruggedkitchen schreibt:

    Was für ein cooles Spiel ! Hab das neulich ausprobiert, macht richtig Spass in geselliger Runde 😉

  5. dasgrauesofa schreibt:

    Liebe Petra,
    das ist ja ein ganz besonders toller Buchtipp. Ich will es SOFORT haben, das Werk. Ist also schon auf dem Einkaufszettel notiert. Und mal scheuen, was meine Literaturrunde dazu sagt…
    Viele Grüße, Claudia

  6. Xeniana schreibt:

    Danke für den tollen Buchtipp!

  7. BuecherFaehe schreibt:

    Das klingt ja nach einem sehr unterhaltsamen Spiel, das aber wirklich nur für hartgesottene Literaturfans geeignet scheint. ;D

  8. Karo schreibt:

    Hach, Petra, ich habe gerade wieder richtig Lust auf das Buch bekommen! Aber ich muss ja sagen, dass mir persönlich am allerbesten gefallen hat, dass man hier so schön in Literaten- und Kritiker-Wohnungen Mäuschen spielen kann. Da lacht mein Gossip-Herz!

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