Vorgelesen: Ready Player One

Besser als TV: Der Film vor dem inneren Auge beim Vorlesen.

Besser als TV: Der Film vor dem inneren Auge beim Vorlesen.

Normalerweise schlafe ich zuverlässig ein, wenn man mir vorliest – wohl ein Relikt aus der Kindheit. Aber bei diesem spannenden Science-Fiction-Roman von Ernest Cline (übersetzt von Hannes & Sara Riffel)  bekämpfte ich mein Schlafbedürfnis, zuletzt bis nachts um viertel nach drei, als mein Liebster mir die letzten Kapitel aus dem Buch vorlas.

Einer der Gründe, warum ich mich kaum für Hörbücher interessiere, war bisher der, dass ich immer beim Zuhören einschlief. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass Ready Player One so spannend war, oder daran, dass ich so entzückt war, dass mein Liebster beabsichtigte, mir ein Buch von über 500 Seiten vorzulesen, jedenfalls schlief ich höchst selten dabei ein.

Die ganze „Vorlesung“ dauerte eine Woche. Es begann ganz harmlos mit einer Stunde Vorlesen im Bett, bis wir beide wirklich zu müde zum Lesen bzw. Zuhören waren. Anderntags mussten wir ja fit sein fürs Bureau. Aber am Wochenende wurde es ein regelrechter Vorlese-Marathon mit vielen Stunden Lesezeit. Beim Vorlesen schafft man so etwa 30 Seiten die Stunde. Hätte ich den Page Turner selbst gelesen, hätte ich vermutlich etwa 100 Seiten pro Stunde geschafft. Doch es geht ja nicht um Schnelligkeit, sondern um das wunderbare Erlebnis, mal wieder etwas vorgelesen zu bekommen und das ausführlich genießen zu können.

Der Held des Buchs ist der junge Wade, der in einer deprimierenden Siedlung lebt, die aus übereinander gestapelten Trailern besteht. Er lebt bei seiner Tante, seine Eltern sind gestorben. Die reale Welt ist im Jahre 2044 ein grauer Ort geworden. Wer die Möglichkeiten dazu hat, entzieht sich ihr und reist in die virtuelle Welt von OASIS. Mit Kameras, Handschuhen und haptischen Anzügen führen die Avatare der Menschen dort ein aufregendes Leben, können Spiele selbst erleben und sogar die Schule dort besuchen. Wie Wade, der erzählt, wie er und seine Freunde versuchen, in OASIS einen Schatz zu finden, den ihr inzwischen verstorbener Schöpfer dort versteckt hat. Es gilt, drei Schlüssel zu finden und drei Tore zu überwinden, ehe man den Schatz gewinnt, der unter anderem aus einer ungeheuren Geldsumme besteht. Die Schatzsuche zieht weltweit die Jäger an, aber auch professionelle Jäger des alles beherrschenden Konzerns IOI. Würde IOI den Schatz gewinnen, so wäre die bisherige Traumwelt OASIS nicht länger die ersehnte Zuflucht, um der wirklichen Welt zu entkommen.

So, das ist die Handlung. Es gibt unzählige Verweise auf Spiele und die Popkultur der 1980er Jahre; wer beispielsweise Filme wie „War Games“ oder „Tron“ mochte und außerdem gelegentlich (oder auch öfter) Computerspiele spielt(e), könnte mit diesem Roman gut beraten sein. Ich gehöre als Germanistin und Anglistin nun eigentlich weniger zum angepeilten Zielpublikum als mein Liebster (eigener Nerd ist Goldes wert) und besonders viele Computerspiele habe ich auch nicht gespielt. Dennoch habe ich mich keine Sekunde gelangweilt und war unheimlich gespannt, wie es weitergeht. Es gibt einige überraschende, fast schockierende Wendungen, die mich teilweise um den Schlaf bzw. das Einschlafen gebracht haben. Wie ich hörte, soll das Buch 2018 als Film kommen – ich sah die ganze Zeit einen Film vor meinem inneren Auge.

Herzlichen Dank an Jakob für den tollen Buch-Tipp!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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17 Antworten zu Vorgelesen: Ready Player One

  1. Pingback: [Philea’s] Vorgelesen: Ready Player One – #Literatur

  2. dj7o9 schreibt:

    Das klingt ganz nach meinem Geschmack – bin ein großer Sci-Fi Fan. Vorgelesen bekommen ist ganz wundervoll, wobei ich fast noch lieber selbst vorlese 🙂
    Danke für diesen Tipp!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh fein, das könnte passen : ) Normalerweise wechseln wir uns ab, wenn wir uns längere Texte vorlesen. Aber hier hab ich nur gelegentlich abgelöst, damit mein Liebster zwischendurch mal was trinken oder knabbern konnte. War wirklich toll, so ausführlich vorgelesen zu bekommen, ich hab’s sehr genossen : )

  3. Constanze Matthes schreibt:

    Ich greife auch immer mal wieder in SF-Ecke, deshalb vielen Dank für diesen wunderbaren Tipp. Viele Grüße

  4. SätzeundSchätze schreibt:

    Kannst Du mir Deinen Liebsten mal ausleihen, wenn das so gut funktioniert? Normalerweise schlafe ich nämlich auch ein, wenn ich vorgelesen bekomme … okay, ich sehe ein, dass meine Frage nicht diskutabel ist, da muss ich mir eine andere Lösung suchen 🙂

  5. Ruhrköpfe schreibt:

    klingt gut, auch wenn Hörbücher mich bisher nur selten begeistern konnten

  6. perlengazelle schreibt:

    Mein Onkel (80) liest meiner Tante (75) immer vor, wenn sie bügelt. Sehr süß. Aber wahrscheinlich andere Bücher als Sci-Fi. 🙂

  7. herbstblatt101 schreibt:

    Ich bin kein Sci-Fi Fan, aber Oliver wird das Buch bestimmt neugierig stimmen, wenn ich ihm von deiner interessanten Besprechung erzähle. Ich danke für deinen Tipp u. sende liebe Grüße. 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich bin eigentlich auch kein großer Fan von Science Fiction, aber das hier hat sogar mir gefallen – vielleicht liest Oliver dir vor & überzeugt dich auch? ; )
      Liebe Grüße!

      • herbstblatt101 schreibt:

        … das soll was heißen. Oh ja, das ist `ne Idee, wo wir uns eh gerade gegenseitig aus „So zärtlich war Suleyken“ vorlesen. 🙂 Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebste Petra.

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Ach, wie schön, ihr seid auch im Vorlesemodus : ) Dann wird das ja ein besonders schönes Wochenende, zumindest wünsche ich euch das! Liebste Grüße : )

  8. Maike schreibt:

    Das Problem mit dem Einschlafen kenne ich auch ;-). Aber das klingt sehr interessant. LG, Maike

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Maike, mein Liebster „trainiert“ mich gerade, nicht einzuschlafen beim Vorlesen, derzeit liest er mir „Dame zu Fuchs“ vor, auch schön, aber natürlich ganz anders. Liebe Grüße!

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