Pique-Dame und andere Erzählungen

PuschkinMeine Ausgabe von Alexander Puschkins Pique-Dame und andere Erzählungen stammt aus der schönen Manesse Bibliothek der Weltliteratur, wurde übersetzt von Fega Frisch und mit einem Nachwort von Erich Müller-Kamp versehen. Das reisehandliche Büchlein enthält eine sehr gelungene Zusammenstellung verschiedener Novellen und Erzählungen des großen russischen Schriftstellers.

Das Nachwort zum Autor ist sehr lesenswert, besonders wenn man wie ich noch kaum etwas von und über ihn las. Mit Puschkin sei „Russland in das Licht der literarischen Welt“ getreten, so Mülller-Kamp. Er beschreibt in seinem Nachwort auch die verschiedenen Entwicklungen, die einen Schriftsteller wie Puschkin „ermöglichten“. In seinen Gedichten sei immer wieder „Freiheitsliebe“ und der Kampf gegen „Heuchelei, konventionelle Verlogenheit, Scheinheiligkeit und Uniformität“ zum Ausdruck gekommen – das passt auch zu den vorliegenden Erzählungen. Sie sind voller „Typen“ aus unterschiedlichen Schichten – vom Bauern bis zum Adligen, vom Gauner bis zum edlen, man möchte fast „Ritter“ schreiben, tatsächlich aber erinnert eine der Figuren sehr an Robin Hood.

Die Sammlung beginnt mit den „Erzählungen des seligen Iwan Petrowitsch Belkin“, fünf Novellen nebst Vorwort des „Herausgebers“ (natürlich alles von Puschkin). Dann folgt „Dubrowskij“ über einen jungen Mann, der ohne Schuld über einen ungerechten Rechtsstreit alles verliert und zu einer Art Robin Hood wird. Die titelgebende Geschichte „Pique-Dame“ ist ein bisschen gothic. Sehr wendungsreich ist „Die Hauptmannstochter“.

Die Erzählungen sind mal im bäuerlichen, mal im adligen Milieu angesiedelt, einige enthalten Szenen aus dem Soldatenleben. Zeitlich versetzen uns die Erzählungen in jene Zeit in Russland, als Menschen noch anderen Menschen „gehörten“, für sie Fronarbeit auf dem Feld verrichteten und selbst unter einfachsten Bedingungen lebten, ohne ihr Schicksal allzu sehr zu verwünschen, sofern ihre Herren einigermaßen gerecht waren. Die Erzählungen handeln von Gerechtigkeit, Liebe, Willkür, Krieg, Raffgier, Rache, Demut und immer wieder von Menschen, die unter widrigsten Umständen versuchen, ihren Weg zu gehen. Einige lesen sich wie Stücke aus einem Schelmenroman, andere sind hochdramatisch oder sogar ein bisschen unheimlich.

Mir hat die Zusammenstellung sehr gefallen, weil sie mir zumindest einen ungefähren Einblick in Puschkins Schaffen erlaubte. An den einzelnen Erzählungen gefiel mir besonders ihr Stil und wie anschaulich Puschkin schrieb. Er ließ viele eindrucksvolle Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen, besonders von endlosen weißen Winterlandschaften. Für mich war das Bändchen ein sehr gelungener Einstieg.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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15 Antworten zu Pique-Dame und andere Erzählungen

  1. Pingback: [Philea’s] Pique-Dame und andere Erzählungen – #Literatur

  2. gkazakou schreibt:

    Und für mich ist deine Besprechung eine wunderbare Zusammenfassung und Erinnerung an diesen schönen Band

  3. Tobi schreibt:

    Liebe Petra,

    sehr genial. Das Buch ist seit ein paar Monaten ganz weit oben auf meiner momentan sehr kurzen Wunschliste. Echt schräg dass Buch hier bei dir wieder zu finden. Meine Zweifel es zu holen waren sehr gering, nun sind sie völlig weg.

    Herzlichen Dank für die Besprechung! Dein Blog ist definitiv der Beste, das steht mal fest!

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Tobi,

      wir haben einfach beide einen guten Geschmack ; ) Aber ich bin jetzt schon ein bisschen rot geworden vor Freude über deine Worte – dafür allein lohnt es sich schon zu bloggen!

      Vielen Dank & liebe Grüße!

      PS: Ich bereite gerade einen Beitrag vor, bei dem ich wieder mal denke, „das ist auch was für Tobi“.

  4. nettebuecherkiste schreibt:

    Kommt auf meine Liste!

  5. The Tastemonials schreibt:

    Was für eine interessante Zusammenfassung.. das liest sich so schön, dass ich mir das vielleicht mal gönnen sollte. Vor allem die endlosen weißen Winterlandschaften sind bei dem schwülen Wetter durchaus reizvoll 😉 Liebe Grüsse, Heike

  6. entdeckeengland schreibt:

    Ja, die Russen haben eine sehr poetische und bisweilen melancholische Ader. Schoene Matroschkas uebrigens. Ich wollte mir damals in Moskau auf der Weltreise welche kaufen, in den Souvenirgeschaeften waren sie mir aber zu teuer. Liebe Gruesse, Peggy

  7. Madame Filigran schreibt:

    Gleich mal meine alte Puschkin-Ausgabe rausgesucht. Danke für die Erinnerung und lieben Gruß.

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