Die Rumpelkammer

Saki_RumpelkammerSaki – als ich den Namen auf einem Buch in meiner Lieblingsbuchhandlung las, wusste ich, dass ich es haben muss. Ich hatte eine Erzählung des Schriftstellers mit dem etwas japanisch klingenden Namen im Dekadenz-Raben in guter Erinnerung behalten. So war ich hocherfreut über den Fund der Rumpelkammer, die gleich 22 Erzählungen enthält – und wurde nicht enttäuscht.

Saki hieß eigentlich Hector Hugh Munro – und sein Schreibstil gefällt mir ungemein. Die Erzählungen handeln zum Beispiel von Kindern, die sich zu wehren wissen, wie Nicholas, der seine Tante überlistet und entdeckt, dass die vermeintliche Rumpelkammer eigentlich eine Schatzkammer ist. Oder wie Matilda, die zwei Damen erst in die Bredouille und dann zum Spenden bringt. Auch etliche der erwachsenen Figuren haben sich eine kindliche Freude an Streichen bewahrt, wenn sie ihre Gäste hereinlegen – mal zu ihrem Besten, mal um eine Schwindelei auffliegen zu lassen. Andere wiederum sind nicht ganz so gewieft wie sie dachten oder ein bisschen arg zerstreut und „verlegen“ auch mal eine Nichte.

Ohne überflüssige Worte schafft Saki bildhafte Szenen und schrullige Figuren. Naseweise Kinder, trocken-schlagfertige Kommentatoren, Würdenträger mit ungeahnten Nebeneinkünften – herrlich! Jede Erzählung und jede der Figuren besitzt ihren speziellen Witz und Charme. Die Figuren erinnerten mich an jene englischen Exzentriker, die Edith Sitwell so wunderbar beschreibt. Der Stil ließ mich – nicht zuletzt wegen der geistreichen Dialoge und der amüsanten Erzählweise Sakis – an Oscar Wildes Gesellschaftskomödien denken. Im Nachwort weist auch Monte Packham auf Sakis Nähe zu Wilde hin, einmal scheint er sogar geradezu eine berühmte Szene aus The Importance of Being Earnest zu zitieren.

Von dem Verlag – L.S.D. – hatte ich bislang noch nichts gehört. Mein Buchhändler klärte mich auf, dass er teils Karl Lagerfeld gehöre. Den Lagerfeld. Steidl. Druckerei. Verlag gibt es seit 2010. Wie den Seiten des Verlags zu entnehmen ist, ist Lagerfeld dessen Programmchef „der die Titel anhand seiner vielseitigen Interessen – Literatur, Biografie, Mode, Kunst, Ästhetik, Musik – auswählt“. Mehr zu Lagerfeld als Bücherliebhaber gibt es etwa hier zu lesen.

Der vorgestellte Band enthält 22 Erzählungen Sakis, übersetzt von Werner Schmitz und Claus Sprick, mit einem Nachwort von Monte Packham, das wiederum von Silvia Morawetz übersetzt wurde. Mir gefällt er ganz ungemein und ich werde bestimmt noch mehr von Saki lesen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Die Rumpelkammer

  1. Pingback: [Philea’s] Die Rumpelkammer – #Literatur

  2. Paul Hübscher schreibt:

    Saki lohnt sich immer. – Aber dass Siebensteins Koffer jetzt bei Dir lebt, wusste ich nicht…

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Aha, noch ein Fan! Nun musste ich aber erst mal Siebensteins Koffer googeln, lieber Paul. Und siehe da: Eine offenbar sehr nette Kinderserie, die auf einer hübschen Idee basiert, leider lief sie erst zu einer Zeit, als ich schon lange keine Kinderserien mehr anschaute, sehr bedauerlich. Die wäre bestimmt nach meinem Geschmack gewesen. Wieder was gelernt.

  3. SätzeundSchätze schreibt:

    Dass Lagerfeld ein Bibliophiler ist, wußte ich aus einschlägigen Frauenmagazinen 🙂 Dass er aber auch unter die Verleger gegangen ist, ist mir neu …ebenso wie der Name Saki. Da hast Du wieder Schätzchen ausgegraben aus dem Koffer 🙂

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich auch, liebe Birgit, sehr eindrucksvolle Fotos gibt es ja dazu : ) Also, dieser Saki, der könnte dir auch gefallen. Vielleicht entdeckst du ihn ja noch für dich. Liebe Grüße!

  4. entdeckeengland schreibt:

    Das klingt wirklich sehr verlockend und nach einer guten Inspirationsquelle für meinen Zweitjob als Geschichtenerzählerin. 🙂 Liebe Grüße, Peggy

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