Zwei Novellen von Stefan Zweig

zweig_wienDer Verlag Topalian & Milani hat ein in jeder Hinsicht wunderschönes Buch mit zwei Novellen Stefan Zweigs, „Buchmendel“ und „Die unsichtbare Sammlung“ herausgebracht, angereichert im besten Sinne mit Illustrationen von Florian L. Arnold und Joachim Brandenberg.

Et in Arcadia ego – so möchte ich die Empfehlung für dieses schöne Buch beginnen und in die bisherigen Lobeshymnen einstimmen: Empfohlen wird es bislang auf buchpost und auch Birgit hat das Buch kürzlich vorgestellt und für sich zum schönsten Buch des Jahres erklärt.

Die Zusammenstellung der beiden Novellen und der Illustrationen ist so rund und passend, auf so vielen Ebenen! Vor allem natürlich, weil beide Novellen von besonderen Menschen und ihren Passionen handelt: Eine Novelle von einem Kunstsammler und eine von einem Büchermenschen, vereint in einem Buch, das kunstvoll illustriert wurde. Für mich waren ja schon die beiden Themen Kunstsammler und Büchermensch interessant, die Illustrationen dazu eine wundervolle Überraschung.

In „Die unsichtbare Sammlung“ geht es um einen alten Kunstsammler, der erblindet ist. Doch das allein macht die Sammlung noch nicht unsichtbar, wie der Kunstantiquar, der den alten Mann besucht, bald feststellt. Der Beginn ist ein bisschen spiralig, ein Reisender erzählt, wie jener Kunsthändler in sein Abteil tritt, er ihn erkennt und dieser ihm wiederum von seinem Besuch bei dem Sammler erzählt. So sonderbar, so unglaublich, so traurig ist ihm das Erlebte, dass er gleich darüber reden muss. Und obwohl für ihn am Ende nicht das Erhoffte bei dem Besuch herausspringt, nämlich dem alten Sammler ein paar Drucke abschwatzen zu können, damit er wieder Futter für den gierigen Kunstmarkt hat, stimmt ihn das Erlebte auch froh. So zumindest habe ich es am Ende gedeutet, denn er hat in gewisser Weise gnädig gehandelt und ein Glück unangetastet gelassen. Die Zeichnungen von Florian L. Arnold waren passend und anregend, sie sind, so steht im Beitext zu lesen, aus Tuschfeder und Collage geschaffen; besonders gefiel mir die „merkwürdig zerbrochene Fassung von Dürers Melencholia“.

„Der Buchmendel“ handelt von einem ganz besonderen Büchermenschen, der sich vor allem durch ein phänomenales Gedächtnis für Buchkataloge auszeichnet. Sammler und Suchende von nah und fern fragen ihn um Rat, schreiben ihm, wenn sie etwas Spezielles brauchen, und können sicher sein, dass Herr Mendel ihnen helfen wird. Die Geschichte beginnt schon melancholisch mit einer Leerstelle: Der Erzähler tritt in ein Kaffeehaus und irgendwie kommt es ihm bekannt und fremd zugleich vor. Als er sich erinnert, was bzw. wer in diesem Café fehlt, fällt ihm alles wieder ein und er will unbedingt in Erfahrung bringen, was aus dem „Buchmendel“ geworden ist. Nur die Toilettenfrau hat ihn noch gekannt und sie wird ihm Mendels Geschichte erzählen. Eine faszinierende und sehr traurige Geschichte, die außerdem geradezu prophetisch scheint … Und auch hier wieder großartig die Bereicherung durch die Illustrationen, diesmal von Joachim Brandenberg.

Wer über Literatur bloggt, bekommt viele interessante Angebote für Rezensionsexemplare. Da es meist um Neuerscheinungen geht, ich aber bekanntermaßen gern Älteres lese, passt es selten. Doch dieses Angebot war perfekt, meinen herzlichen Dank an den Verlag!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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15 Antworten zu Zwei Novellen von Stefan Zweig

  1. Pingback: [Philea’s] Zwei Novellen von Stefan Zweig – #Literatur

  2. dj7o9 schreibt:

    Hab es bei Sätze und Schätze schon gesehen und ein klarer Fall von muss ich haben – klingt nicht nur interessant, ist auch wirklich noch wunderschön🙂

  3. Pit schreibt:

    Hallo Petra,
    wie ich gerade schon bei Sofasophia kommentiert habe: ich Augenblick komme ich so gut wie gar nicht zum Lesen. 😦 Zu viel um die Ohren. Wird aber wieder werden.
    Hab’s fein,
    Pit

  4. buchpost schreibt:

    Ja, wirklich ein ausgesucht schönes Buch, das hat mir richtig vor Augen (!) geführt, wie lieblos und rasch zusammengeschustert viele Bücher sind. Danke auch für die Verlinkung. LG, Anna

  5. Pingback: Stefan Zweig: Buchmendel/Die Unsichtbare Sammlung (2016) – buchpost

  6. nweiss2013 schreibt:

    „Ein Glück unangetastet lassen“ – welch schöne Formulierung; vor allem angesichts der bitteren Umstände.

  7. Trippmadam schreibt:

    Hach, meine Lieblingsuhr (auf dem Foto). Lange nicht mehr gesehen…

  8. karu02 schreibt:

    Und schon wieder gerate ich in Versuchung, danke für den Hinweis. Ich weiß jetzt schon, dass ich wieder schwach werde, obwohl ich doch die Buchkäufe ein wenig einschränken wollte.

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