Der Hydrograf

hydrografEin Roman wie aus der Zeit gefallen, irgendwo zwischen von Keyserling und Zweig – und für meinen Geschmack perfekt! Allard Schröders Der Hydrograf erhielt 2002 den AKO Literatuurprijs und wurde in den Niederlanden ein Bestseller. Der mare Verlag hat ihn nun in der Übersetzung von Andreas Gressmann gewohnt geschmackvoll herausgebracht.

Das Buch war mir schon in meiner Lieblingsbuchhandlung wegen des schönen Umschlagbilds und des ungewöhnlichen Titels aufgefallen. Ein Hydrograf, was mochte der machen? Nach der Empfehlung bei Leseschatz war ich mir sicher, dass ich den Roman dringend lesen muss.

Meeresforscher hat er werden wollen, der Franz von Karsch-Kurwitz (schon der Name klingt wie eine Romanfigur bei Keyserling) und ist nun Privatdozent am Ozeanographischen Institut in Hamburg. Sein Leben scheint ihm zu stagnieren, die ihm zugedachte Verlobte reizt ihn nicht. Er ist von adliger Herkunft, das Gut und alles, was damit zusammenhängt, hat er weit hinter sich gelassen. Doch eines nicht: Er lernte früh, immer Haltung zu bewahren, eine Lieblingsaufforderung seines Vaters. Äußerlich ungerührt, unberührt führt er sein Leben, ein Leben, bestimmt von Schwermut und Untätigkeit, ziellos, uninspiriert, unambitioniert.

Umso erstaunlicher sein plötzlicher Entschluss, sich nach Valparaiso einzuschiffen, vorgeblich aus beruflichen Gründen, doch wohl eher, weil er die Stagnation satt hat. Mit von der Partie sind der Salpeterhändler Moser, ein bauernschlauer Händler, der so gar nicht zu Franz passt, den er aber schlecht los wird, und Todtleben, bei dem nicht nur der Name eine Unmöglichkeit zu sein scheint. Erst als die geheimnisvolle Asta Maris an Bord kommt, beginnt sich Franz zu verändern. Seine spontane Reise wird zu seinem Schicksal in mehr als einer Hinsicht.

Mir hat der Roman ausgezeichnet gefallen, die ungewöhnliche Geschichte, der distanzierte Erzählstil, der übrigens gar nicht modern wirkt, sondern tatsächlich hervorragend in die Zeit passt, zu der die Geschichte spielt (ab 1913), und schließlich die geheimnisvolle, melancholische Atmosphäre – eine gelungene Mischung.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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8 Antworten zu Der Hydrograf

  1. Pingback: [Philea’s] Der Hydrograf – #Literatur

  2. marinabuettner schreibt:

    Das hatte ich gestern in der Bibliothek auch in der Hand … und war unschlüssig. Aber nun ist die Entscheidung leichter. Danke!

  3. Hauke schreibt:

    Liebe Petra,
    ich freue mich sehr, dass Dir das Buch gefallen hat!
    Vielen Dank (auch für den netten Link und der Erwähnung!) und mit liebebn Grüßen aus Kiel,
    Hauke

  4. Tobi schreibt:

    Liebe Petra,

    ah, das Buch hab ich auch schon einige Male gesehen und mir überlegt ob ich mir das holen soll. Mir geht es genauso wie dir, der Titel und die Umschlaggestaltung locken da schon. Aber irgendwie hat es dann doch nicht gezogen. Deine Beschreibung macht das Buch interessant. Es kommt mal auf die Wunschliste. Wenn mein SuB nur nicht so hoch wäre… 😉

    Liebe Grüße
    Tobi

  5. nweiss2013 schreibt:

    Den Titel habe ich vor einiger Zeit notiert, als ich irgendwo einen Artikel über niederländische Literatur las. Aber man muß ja noch Pläne für 2017 haben.

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