How to Be a Victorian

strauss_januarVor längerer Zeit verfolgte ich mit großem Interesse die vierteilige Reihe Annas von buchpost über das Buch How to Be a Victorian von Ruth Goodman (Reihenstart hier). Und nun lese ich selbst dieses Buch auf meinem Reader, das einem den Alltag des viktorianischen Zeitalters (1837 – 1901) so lesenswert und vergnüglich nahebringt.

Tanja, die Hauptfigur in Lara Vapnyars Roman Erinnerungen einer Muse, bedauert, dass sie während ihres Geschichtsstudiums so wenig über den Alltag der Menschen verschiedener Epochen erfährt: „Am lästigsten fand ich Kriege. […] Die meisten Kriege waren so sinnlos wie grässlich, dennoch nahmen sie in unseren Geschichtsbüchern fast den ganzen Raum ein. […] Und nur ein kleiner, wenig imposanter Anhang am Ende des Lehrbuchs widmete sich den wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen, kulturellen Errungenschaften oder künstlerischen Leistungen einer bestimmten Epoche.“ Und sie mutmaßt: „Ein Außerirdischer, der einen Blick in unsere Geschichtsbücher warf, wäre garantiert zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen zu neunundneunzig Prozent ihrer Zeit damit beschäftigt gewesen seien, sich gegenseitig umzubringen.“ [Lara Vapnyar: Erinnerungen einer Muse, S. 74]

So ähnlich ging es mir früher im Geschichtsunterricht. Und vielleicht ist das mit ein Grund, warum ich so gern Biographien und Tagebücher lese, in denen der Alltag der Menschen mehr Raum gewinnt. Schon deshalb macht Ruth Goodmans Buch How to Be a Victorian so viel Freude, denn sie beschreibt den typischen Tagesablauf von Frauen und Männern aus unterschiedlichen Verhältnissen. Wer sich mit kaltem oder warmem Wasser wusch und wie, was man anzog, welche Bedeutung der Nachttopf in WC-freien Zeiten hatte, wie verpestet schon damals die Luft in den Städten war, wie schwer die Arbeitsbedingungen, egal, ob man auf dem Lande oder in einer Fabrik arbeitete, und vieles mehr. Besonders interessant ist das Ganze, weil die Autorin vieles selbst ausprobiert hat, von der Art, sich zu waschen über Kleidungsstücke bis hin zur Arbeit oder auch Herstellung alltäglicher Produkte jener Zeit.

Mir gefällt dieser „Geschichtsunterricht“ jedenfalls sehr gut und ich erwäge bereits die Anschaffung ihres Buchs How to Be a Tudor.

 

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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12 Antworten zu How to Be a Victorian

  1. buchpost schreibt:

    Hallo Petra,
    abgesehen davon, dass ich dem Zitat nur zustimmen kann, bin ich gespannt, ob es zu der von dir in Erwägung gezogenen Buchanschaffung kommt ;-), und vielen Dank für die Erinnerung an meine kleine Reihe. LG Anna

  2. Pingback: [Philea’s] How to Be a Victorian – #Literatur

  3. SätzeundSchätze schreibt:

    Als ich bei Anna mitlas, dachte ich mir schon, dass Dich das Buch anspringt 🙂 Wie man ein Tudor wird (oder heißt das bei Frauen Tutorin, Schwachwitz meinerseits?), das würde mich fast noch mehr interessieren als die Victorians. Die Tudors waren doch noch ein Stück rustikaler …

  4. nettebuecherkiste schreibt:

    Ich bin ja ein Geschichtsfreak, interessiere mich aber eben am meisten für das Leben in vergangenen Zeiten. Die Bücher möchte ich auch auf jeden Fall lesen 🙂

  5. perlengazelle schreibt:

    Spannend, spannend, wie ich auch schon bei Anna festgestellt habe. Hier ist noch ein kleines Schmankerl: Ruth Goodman herself zeigt, wie man eine Frau in victorian style frisiert. Ganz wichtig: zum Schluss ein Schuss Wodka ins Haar!!

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