Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 2

tt_regaleHerzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser, zum zweiten Teil der kleinen Serie mit wertvollen Tipps & Tricks zum Überleben mit der Bibliophilie (oder Bibliomanie) für den Alltag. Heute wollen wir eine Nebenwirkung des Liebeslesens näher betrachten, die weitere Gefahren in sich birgt: Den hemmungslosen Bücherkauf.

Prinzipiell ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Frei nach Wilhelm Buch: „Froh schlägt das Herz im Buchkaufskittel, vorausgesetzt, man hat die Mittel.“ Aber das hemmungslose Kaufen von Büchern führt über kurz oder lang zu Platzproblemen in den heimischen Regalen, die wiederum jene Gefahr für Leib und Lesen nach sich ziehen kann, von der bereits im ersten Teil dieser Serie die Rede war: dem Stapeln und/oder Herabfallen von Büchern und der damit verbundenen Verletzungsgefahr für Mensch und Buch. Bei allzu entfesselter Kauflust sind eventuell gar finanzielle Probleme die Folge, was womöglich in bibliomane Beschaffungskriminalität mündet, auf die auch Birgits gleichbetitelter Beitrag jüngst unser Augenmerk lenkte.

Um den hemmungslosen Buchkauf etwas einzudämmen, könnte man beispielsweise Bücher zunächst aus einer Bibliothek oder bei befreundeten Buchfinken leihen und sich nach dem Lesen nur dann zu einem Kauf entschließen, wenn es besonders gut gefiel und Potenzial fürs Wiederlesen besitzt. Das ist möglicherweise die vernünftigste Herangehensweise an dieses delikate Problem. Allerdings kenne ich keine Viel-Leserinnen oder -Leser, die derart vernünftig mit ihrer Leseleidenschaft umgehen.

Ein probates Mittel gegen überfüllte Regale wäre, erst gar nicht so viele Bücher anzuschaffen, mögen manche einwenden. Aber die Spezies der Viel-Leser wird von diesem Vorschlag wenig halten. Überhaupt wird man ja allerorten ermahnt, kräftig zu entrümpeln und mit weniger, aber hochwertigeren Dingen glücklicher zu werden. Dazu gab es in der Zeit vom 2. Februar 2017 einen Artikel von Linda Tutmann mit dem Titel „Alles mein“. Schon die Gestaltung der ersten Seite war famos, nämlich ein Bild eines Raums voller Bilder, Blumen, Möbel und Muster und einer Frau, die las; der Stil erinnerte mich an manche Interieurs auf Werken Édouard Vuillards. Besonders hübsch: Drumrum lief Pablo Nerudas „Ode an die Dinge“. In besagtem Artikel jedenfalls findet sich der schöne Satz „Mein Besitz erzählt, wer ich bin“ – das gefiel mir natürlich, schrieb ich doch schon in Ganz weit weg: „mit der Zeit wird eine Wohnung zum Museum ihrer Besitzer. Sie drückt aus, wer wir sind und was uns wichtig ist. Ein Archiv unseres Selbst, unserer Geschichte und manchmal auch der unserer Ahnen.“

Kurz: So hübsch auch manche minimalistische Einrichtungen in irgendwelchen Magazinen oder Blogs anzusehen sind, so leben möchte ich nicht.

Denken wir also bei Büchern besser nicht an Entrümpelung und Minimalismus, sondern lieber an die Freuden, die eine wohlkurartierte Bibliothek bereitet. Und nennen wir es besser nicht Entrümpeln, sondern lieber ein Aussortieren von Büchern, an denen das Herz nicht hängt. Sollte man beabsichtigen, weitere Bücherregale anzuschaffen, oder den Umzug in eine geräumigere Wohnung erwägen, mag das überflüssig sein. Doch in allen anderen Fällen tut es nicht weh, gelegentlich die Regale abzuschreiten und jene Bücher auszusortieren, die nicht unbedingt behalten werden müssen, und erfreut möglicherweise mithilfe öffentlicher Bücherschränke die Herzen neuer Leserinnen und Leser.

Und nun komme ich zu meinem letzten Tipp in dieser Sache, den Norman bereits in den Kommentaren zu Teil 1 dieser kleinen Serie befürchtete: „Das Ganze wird noch unversehens zum Hoch auf diverse, stapelflächenbedürfnislose E-Reader…“ Nun, nicht ganz, aber ein bisschen doch. Wie so oft liegt auch hier die Lösung irgendwo dazwischen. Denn hat man sich erst einmal mit dem Gedanken an die Anschaffung eines derartigen Geräts vertraut gemacht (was bei mir mehrere Jahre dauerte), wird man bald dessen Vorteile zu schätzen wissen: Sehr viel Lesestoff passt auf ein sehr handliches Gerät und ergibt die perfekte Bibliothek für die Handtasche. Obwohl ich das nie erwartet hätte: Mein neuer E-Book-Reader und ich, wir sind so *Finger kreuz*. Ich befülle ihn munter mit Lesestoff, ähnlich wie bei analogen Bücher, sprich: Es ist eher eine Art Bevorratung mit Büchern, die ich schon immer mal lesen wollte, aber nicht unbedingt sofort. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass ich keine analogen Bücher mehr anschaffe, aber es ist auf jeden Fall eine gewisse Erleichterung meiner Regale. Und wenn ich ein E-Book absolut grandios finde, so wird es gewiss als gebundenes Werk den Weg in meine Bibliothek finden.

Bis bald wieder bei den Tipps & Tricks!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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23 Antworten zu Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 2

  1. Pingback: [Philea’s] Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 2 – #Literatur

  2. literaturreich schreibt:

    Ach wie schön! Jemand, der es mit ebooks so hält wie ich (gefällt mir was, brauche ich es in gebundener Form: ansonsten schleppe ich eine kleine, leichte Stadtbücherei mit mir herum).Schöne Serie! Viele Grüße, Petra

  3. puzzleblume schreibt:

    So herum funktioniert es bei mir auch manchmal, dass das e-book sich von der virtuellen Affäre zur Liebe entwickelt.

  4. textstaub schreibt:

    Sehr schön deine Edits über die Gefahren des Lesens.
    Toll zu lesen und zum Schmunzeln auch. Dankeschön.

  5. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    was für ein schönes Wort: wohlkurartierte Bibliothek!
    Ich kenne dieses Gefühl, Bücher haben zu wollen und das, obwohl ich Tage in der Unibibliothek verbringe, dort wichtiges kopiere, gibt es einfach Bücher, die ich haben möchte. Meine „kunsthistorisch / philosophischen Regal sind gerade doppelreihig an die Grenzen gestoßen. Ich habe mir nun gewünscht, bis zur Decke aufzustocken. Das wäre auch ein guter Grund, mal wieder durchzuschauen, was ich nicht mehr brauche. Meistens finde ich an der Uni andere, die genau meine aussortierten Bücher für ihre überfüllten Regale brauchen.
    Danke für diese schönen Beiträge zu den gefahren des Lebens. Ich würde dein Buch gerne signiert kaufen, geht das über dich? Wie beim letzten Buch?
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

  6. Herr Ärmel schreibt:

    Eine feine Serie. Vielen Dank für die Ausführungen.
    Mir fallen beim Lesen noch die Sammler ein, die ganze Verlage, Illustratoren oder besondere Ausgaben zusammentragen.
    Morgengruss,
    Herr Ärmel

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Dankeschön, lieber Herr Ärmel! Ja, Sammlerinnen & Sammler von bestimmten Ausgaben et al. sind natürlich besonders von diesen Gefahren betroffen. Es gibt auch so viele schöne Reihen, Verlage &c., die man sammeln könnte … Schlimm! Herzliche Abendgrüße!

  7. Sabine schreibt:

    Dein Bericht gefällt mir gut. Mein Bücherregal kommt auch langsam an seine Grenzen. Ich müsste Bücher aussortieren. Im iBook habe ich einige Bücher. Aber lese darin kaum. Noch sitze ich über 9 Std. am PC. Da hat man keine Lust noch weiter am Tablett zu sitzen…., obwohl man macht es ja, Emails sichten etc. Danke für die Serie!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke, liebe Sabine! Ich verbringe auch viel Zeit am Laptop, aber auf dem Reader liest es sich doch anders & viel angenehmer als z. B. auf dem iPad. Ist auch leichter &c. – für mich hat sich die Investition gelohnt.

  8. buchpost schreibt:

    Petra, ich bin hin und weg von deiner Serie, auch wenn ich den Beiträg über die Bücherschädlinge ja schon fast beängstigend finde, die Gefahren lauern – schaut man sich erst einmal danach um – plötzlich überall. 🙂 Aber aus leidvoller Erfahrung (instabile Blumenhocker, verdunkelte Fensterbänke, eingeschränkte Sitzflächen, der drohene finanzielle Ruin, ängstliche Berechnungen, was das Verhältnis von Alter und ungelesenen Büchern angeht etc.) möchte ich doch noch eine Lanze für die gänzlich unpopuläre Idee „weniger kaufen“ brechen. Gerade meine Spontankäufe beäuge ich im Nachhinein doch manchmal sehr skeptisch. Deswegen seit dem 1. Januar: wenn ich es schaffe, einen Monat kein Buch zu kaufen, gibt es eins als Belohnung; Tauschbörsen sind ausgenommen. Klappt wunderbar, ich werde plötzlich viel wählerischer und gleichzeitig entspannter. LG, and keep up the good work, Anna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Vielen Dank, liebe Anna, ich werde gleich rot *-*
      Tja, Wohl jenen, die es schaffen, ihre Kauflust im Zaume zu halten. Eine gewisse Zeit habe ich das auch versucht, aber irgendwie ist das nichts für mich. Immerhin stapelt es sich platzsparender auf dem Reader, das ist ja schon mal was ; ) Viel Erfolg weiterhin bei deinem Selbstversuch & liebe Grüße!

      • buchpost schreibt:

        Ach, ich bin auch gespannt, ob ich das längere Zeit durchziehe. Es gab da in der Vergangenheit ähnliche Versuche, einer hat mal eine ganze Woche funktioniert 🙂 Aber jetzt fühlt sich das stimmig an. Wir werden sehen. Der Reader liegt allerdings hier und verstaubt, womit wir dann wieder… LG, Anna

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