Shelfie Nr. 29 von Eva Wahrburg

buchschrank-_detail_1Heute habe ich die besondere Freude, euch die Shelfies der Schriftstellerin Eva Wahrburg zeigen zu dürfen. Unlängst erschien ihr Roman Der Dornengarten, zu dem sie inspiriert wurde, als sie „an einem vereisten Dezembermorgen draußen auf eine noch lebendige Rose stieß“. Eva Wahrburg wurde in Tschenstochau in Polen geboren und wuchs in der Nähe von Hamburg auf. Sie studierte deutsche und  amerikanische Literatur und arbeitet als Technische Übersetzerin – doch vor allen Dingen schreibt sie und lebt in einem Haus im Wald.

Über die Literatur sind wir auch aufeinander aufmerksam geworden: Eva las meinen Beitrag zu Jane Eyre, ein Roman, den sie selbst sehr schätzt, und wir begannen, uns zu mailen. Inzwischen liegt ihr Roman Der Dornengarten bei mir und ich freue mich darauf, ihn zu lesen. Aber nun zu ihren Shelfies und ihren Gedanken dazu:

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„Wir haben ein Regal im Schlafzimmer, mit Büchern, die noch im Bett zu lesen sind (es wird nie leer, weil immer welche nachrücken), wir haben Bücher in der Küche, einige voller Rezepte für köstliche Sachen, und andere voller Ratschläge, wie man die überschüssigen Pfunde wieder los wird, es gibt einen alten Bücherschrank im Wohnzimmer, in dem die Thriller meines Mannes stehen, und dann ist da ein großes Wandregal in meinem Arbeitszimmer, in dem ich alles Mögliche sammle, das Buchstaben hat.

Das Foto zeigt meinen ganz besonderen Buchschrank. Er ist vom Flohmarkt, ich habe ihn selbst geleimt, ihm neue Beschläge, eine neue Front und eine neue Farbe gegeben, damit er es wert ist, meine ganz besonderen Schätze zu beherbergen. Die meisten sind (inzwischen) zerlesene Taschenbücher, es gibt nur wenige gebundene Bücher darunter, denn lange hatte ich kein Geld für teure Bücher, und irgendwann habe ich mir angewöhnt, sie gebraucht zu kaufen, aber sie alle haben mich zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr erfreut, inspiriert und bereichert. Und tun es seither immer wieder.“

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„Auf dem Bücherschrank steht übrigens ein gerahmter Brief. Es ist der einzige erhaltene Brief meines Opas an meine Oma, den er schrieb, als sie im Krieg getrennt gewesen waren. Die Anrede lautet (auf Deutsch übersetzt, denn er ist auf Polnisch geschrieben): ‚Meine teuerste Gottheit‘. Und Opa Wiktor beschreibt, wie seine Gedanken gleich der wandernden Sonne über die Wälder und Felder zu seiner Frau Bronislawa zurück eilen. Die Ehe meiner Großeltern war später nicht sehr glücklich, aber diese Zeilen halten einen einzigen Moment in der Zeit fest, sie sprechen von Angst, Heimweh und Liebe und machen einen Mann wieder lebendig, der jetzt schon 39 Jahre tot ist. Wenn ich den Brief lese, weiß ich, warum Briefe, Bücher – und das Schreiben – für mich wichtig sind.“

Was für eine bezaubernde Idee, einen so schönen Brief nicht nur aufzubewahren, sondern ihm sogar gerahmt einen besonders schönen Platz zu gönnen. Und wie geschickt von dir, liebe Eva, aus deinem Flohmarktfund mit viel Liebe und Arbeit ein „neues“ Schmuckstück zu schaffen. Ich wünschte, ich wäre handwerklich auch etwas begabter … oder weniger faul in dieser Hinsicht ; ) Jedenfalls bedanke ich mich ganz herzlich bei dir fürs Mitmachen!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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7 Antworten zu Shelfie Nr. 29 von Eva Wahrburg

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  2. Rabin schreibt:

    Was für ein herrlicher Artikel und ganz besonders die Idee, den Brief aufzuheben. Meiner Meinung nach kann es gar nicht genug Briefe geben. Denn wer hätte schon jemals eine eMail ausgedruckt – vom Aufhängen ganz zu schweigen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich finde das auch wunderbar, liebe Rabin! Allerdings habe ich mir tatsächlich mal eine sehr putzige Mail im Büro ausgedruckt, es ging darum, dass ich einen Artikel für ein englisches Magazin geschrieben hatte und der zuständige Redakteur, der mit Nachnamen SHAKESPEARE (!) hieß, war sehr erbaut. Eine Kollegin leitete mir seine Antwort weiter mit dem Kommentar: „SHAKESPEARE likes it“ – da konnte ich nicht widerstehen ; )

  3. Tinka Lukenda schreibt:

    Huhu,

    seufz ist der Kasten schön! Und der Brief dann dazu…ich mag alte Sachen einfach total gerne. Vielen Dank für diesen schönen und so kurzen Beitrag, hab ihn mit einem Lächeln gelesen ! Lg Tinka

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