Frauen und Literatur

Im März hat Kerstin Scheuer auf ihrem Blog die #Frauenlesen Challenge eröffnet, die vom 8. März 2017 bis zum 7. März 2018 läuft. Überhaupt begegnete mir auf Twitter immer wieder #Frauenlesen und ich dachte, ach, ich lese doch viel von Frauen, ob Sach- oder Fachbücher oder eben Romane, Gedichte, Biographien &tc. Oder? Also zählte ich mal die Empfehlungen in meinem Salon durch, um zu sehen, wie viele Bücher von Frauen und wie viele von Männern stammen. Überraschung: nur 140 von Frauen, aber 235 von Männern.

Tl;dr: Ich will mehr Bücher von Frauen lesen.

Oha! Okay, das sind nur die empfohlenen Bücher, ich lese ja noch viel mehr. Manche Bücher empfehle ich nicht, weil ich sie nicht so famos fand, andere, weil sie schon auf so vielen anderen Blogs bepriesen wurden, dass ich da nun irgendwie nichts Neues mehr hinzuzufügen gehabt hätte. Aber ich fürchte, auch bei den Unerwähnten sind mehr von Männern als von Frauen geschrieben. Das ist zwar nicht schlimm, aber ich war erstaunt, weil ich mir die Verteilung ausgewogener vorgestellt hatte. Andererseits haben Männer, was das Schreiben von Büchern betrifft, einen gewissen Vorsprung, weil das lange Zeit keineswegs Frauensache zu sein hatte. Ob heutzutage immer noch mehr von Männern als von Frauen geschrieben wird? Müsste man mal …

Jedenfalls machten mir mein Oha-Effekt sowie eine erneute Lektüre des wunderbaren Ein Zimmer für sich von Virginia Woolf Lust, gezielt mehr von Schriftstellerinnen zu lesen. Diese Entdeckungsreise ist auch als „geführte“ Exkursion horizonterweiternd. Wie modern sich da ein Roman von 1899 liest (The Awakening von Kate Chopin). Oder The Group von Mary McCarthy, veröffentlicht in den 1960er-Jahren, der für mein Gefühl wegen der Art, diverse (Frauen)Themen anzusprechen, auch aus wesentlich neuerer Zeit hätte stammen können.

Und das ist ja auch ein typisches Merkmal von Klassikern, dass wir beim Lesen nicht das Gefühl haben, hier geht es um Themen aus vergangenen Zeiten, mit denen wir schon lange nichts mehr zu tun haben, sondern um Themen, die über die Zeiten hinweg bewegen, interessieren und Gültigkeit besitzen.

Frauenliteratur?

Was soll eigentlich Frauenliteratur sein? Für manche hat dieser Begriff ein Geschmäckle, das an Trivialliteratur und Groschenromane erinnert. Und dann ist er auch ein bisschen schwammig, schließlich können damit auch Bücher, Kurzgeschichten &c. gemeint sein, die zwar Protagonistinnen haben oder sich mit der Gedankenwelt der Frauen befassen, aber von Männern geschrieben wurden. Beispielsweise Madame Bovary, Effie Briest oder auch Anna Karenina. Diese Romane sind allerdings für meinen Geschmack auch nicht besser oder schlechter als Jane Eyre oder The Awakening oder auch – um das Spektrum zu erweitern – als Essays von Ruth Klüger zum Thema Frauen lesen anders oder eben Virginia Woolfs grandioses A room of one’s own.

In der Wikipedia liest man dazu:

„Der Begriff Frauenliteratur bezeichnet ein Genre sowohl belletristischer als auch essayistischer Literatur, die – im weitesten Sinne des Begriffs – als ‚Literatur von Frauen und/oder über Frauen und/oder für Frauen‘ beschrieben werden kann. Mit Blick auf die äußerst wechselhafte, von verschiedenen literaturwissenschaftlichen und feministischen Paradigmen abhängige Begriffsgeschichte allerdings kann keines dieser Kriterien als vollkommen verbindlich aufgefasst werden.“

Hier findet sich auch eine kleine Geschichte des Begriffs, wie er zunächst, vielleicht in guter Absicht, Ende des 19. Jahrhunderts entstand, um Literatur zu benennen von Schriftstellerinnen mit „künstlerisch ambitionierten Ausdruckswillen“. Damals schon waren „Frauenliteratur“ und „Frauenromane“ „feuilletonistische und buchhändlerische Kategorien“. Gerade der Begriff „Frauenroman“ erlebte dann in den 1930er-Jahren eine Abwertung und wurde tatsächlich in Richtung „Heft- oder Groschenroman“ bzw. „Trivialliteratur“ verstanden. Im Laufe der Zeit wurden die Begriffe dann umfassend auch für „fast alles“ verwendet, „was in irgendeiner Art und Weise ‚mit Frauen zu tun‘ hatte“. Später folgte eine Begriffsverengung „auf feministisch-emanzipatorisch ausgerichtete Werke, sei es belletristischer oder essayistischer Art“ und schließlich die Frage, warum man überhaupt „Frauen“ an „Literatur“ anhängen muss, da es ja offenbar darum geht, Werke unter weiblicher Perspektive von denen unter männlicher zu unterscheiden und bislang kein „Männer“ vor „Literatur“ gesetzt wird, was den Schluss nahelegt, dass die männliche Perspektive die Norm und Abweichendes entsprechend mit einem Zusatz zu benennen ist. (Gibt man bei Google übrigens „Männerliteratur“ ein, so finden sich da durchaus diverse Werke und zum Beispiel auch eine Liste von Men’s Health von Büchern, die Mann im Regal haben sollte. Die meisten davon habe ich selbst im Regal bzw. schon einmal gelesen.)

Wer war’s?

Und nicht zu vergessen natürlich die Frage, ob es überhaupt einem Werk anzumerken ist, ob ein Mann oder eine Frau über eine Frau oder einen Mann bzw. aus deren Perspektive geschrieben hat. Diese Frage finde ich überaus interessant. Denke ich an Romane von Donna Tartt, in denen aus männlicher Perspektive geschrieben wurde, so lesen sich diese Romane für mich so, als hätten sie ebenso gut von einem Mann geschrieben worden sein können. Umgekehrt gibt es natürlich auch viele Beispiele, in denen ein Autor sich sehr gut in die Perspektive, die Gedankenwelt einer Frau eingefühlt hat, sodass das Buch genauso gut von einer Frau hätte stammen können. Beides ist für mich wunderbar. Schließlich will ich vor allen Dingen gute, interessante Literatur lesen, die mich weiterbringt, egal, ob sie von einer Frau oder einem Mann geschrieben wurde.

Und doch halte ich an meinem Vorhaben fest, mich eine Weile stärker mit Büchern von Frauen zu beschäftigen und enge für mein Vorhaben den Begriff ein bisschen ein: Für die Auswahl meiner Lektüren ist mir am wichtigsten, dass die Texte von Frauen geschrieben wurden. An zweiter Stelle steht für mich, dass sie sich mit weiblichen Hauptfiguren befassen. Außerdem möchte ich möglichst unterschiedliche Gattungen und Genres lesen, also das, was ich sowieso gern lese: Sachbücher, Essays, Romane, Novellen und Kurzgeschichten.

Eine Art Frauenquote fürs Leseverhalten? Ist das Unfug? Ist mir egal, ich habe Lust darauf!

Kleine Liste der Bücher, die ich bisher in diesem Zusammenhang las oder noch lese (ich mache das ja gern parallel) oder vorhabe zu lesen:

Frauen lesen anders von Ruth Klüger

Was Frauen lesen von Ruth Klüger

The Awakening von Kate Chopin

Ein gewisses Lächeln von Françoise Sagan

Schlaflos von Sarah Moss

Miss Phryne Fisher Investigates von Kerry Greenwood

The Group von Mary McCarthy (übrigens die Inspirationsquelle für Candace Bushnells Sex and the City)

The Age of Innocence von Edith Wharton

Ein Zimmer für sich von Virginia Woolf

Die Geschichte der Frauenbewegung von Michaela Karl, die übrigens auch eine Biographie zu Dorothy Parker geschrieben hat (Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber)

The Garden Party and other stories von Katherine Mansfield

I love Dick von Chris Kraus

Schriftstellerinnen! von Katharina Mahrenholtz und Dawn Parisi. Dieses wiederum inspirierte mich zur Lektüre weiterer „Frauenliteratur“, z. B. von George Eliot, Edith Wharton und Mary McCarthy.

Middlemarch von George Eliot

Karl und Manci von Mala Laaser

Briefe aus dem Gefängnis von Rosa Luxemburg

Alexander von Humboldt und die Entdeckung der Natur von Andrea Wulf

Augenblicke des Daseins. Autobiographische Skizzen von Virginia Woolf

Ihr seht: Hier wird gut gemischt. Vielleicht sind ja auch ein paar Tipps für euch dabei?

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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35 Antworten zu Frauen und Literatur

  1. Pingback: [Philea’s] Frauen und Literatur – #Literatur

  2. sommerdiebe schreibt:

    Unbedingt „Die Glasglocke“ von Sylvia Plath, falls du sie noch nicht gelesen hast 🙂

  3. SätzeundSchätze schreibt:

    Liebe Petra,
    witzig – ich habe auch erst vor einiger Zeit mal durchgezählt und war ebenso erstaunt wie Du, weil das Ergebnis ein ähnliches war (ein Drittel Schriftstellerinnen, zwei Drittel Schriftsteller). Und ich meine auch: Es liegt einfach am Vorsprung. Denken wir mal dran, dass ein klassischer bildungsbürgerlicher Haushalt verschiedene Shakespeares, Goethes und Schillers rumstehen hat – da gibt es schon einen Vorsprung. Die Weimarer Klassik: Die schreibenden Frauen jener Zeit werden ja nach wie vor nicht ebenso wahrgenommen wie die Dichterfürsten. Deine Gedanken zu „Was ist Frauenliteratur“ und die Definitionsversuche sind interessant. Aber am Ende zählt dann doch nur die Frage: Ist es ein gutes Buch? Und da gibt es von Frauen viele (meine Tipps: https://saetzeundschaetze.com/2016/11/04/romane-von-frauen-11-buecher-die-frau-gelesen-haben-sollte-bevor/)!
    Ich wünschte mir aber, dass vor allem männliche Leser sich nicht vom Etikett „Frauenliteratur“ abschrecken lassen – ich nehme mal einfach an, dass es mehr Männer gibt, die bei Bücher von Autorinnen zögern als Frauen, die bei einem Buch schauen, ob es von einem Mann oder einer Frau ist. Liebe Grüße Birgit

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Birgit,
      da bin ich ja erleichtert, dass es bei dir ähnlich aussieht. Und eigentlich sind wir vielleicht, wenn man den männlichen Schreibvorsprung bedenkt, gar nicht mal so unausgewogen. Deine Tipps hab ich natürlich auch gelesen : )
      Ja, dieser Begriff ist wirklich schwierig. Interessanterweise habe ich Frauenliteratur nicht als negativ aufgefasst, eher den Begriff Frauenroman, da muss ich immer an Hera Lind et al. denken, das ist jetzt auch nicht so die Richtung, die mich interessiert. … Jedenfalls freue ich mich immer sehr, dass mein Liebster da recht aufgeschlossen ist, von Virginia Woolfs Ein Zimmer für sich war er sehr angetan. Er schlug auch vor, als ich gestern über ein Buchgeschenk für einen gemeinsamen Freund nachdachte, genau das zu schenken – Mission accomplished ; )
      Liebe Grüße!

  4. SätzeundSchätze schreibt:

    PS: Auf dem Blog habe ich schon seit einiger Zeit die Kategorie „Frauenschreiben“ (das erleichtert das Zählen 🙂 ): https://saetzeundschaetze.com/category/frauenschreiben/

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich weiß, das is ne ziemlich gute Idee, ich hab das auch als Schlagwort für diesen Artikel genutzt : ) Allerdings: Bei Mehrfach-Besprechungen muss man dann irgendwie doch wieder zählen. Und vielleicht bin ich auch zu faul, das nachträglich an die bereits besprochenen Bücher zu hängen … ; )

  5. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra, liebe Birgit,
    wie du schon geschrieben hast Birgit, der Begriff „Frauenliteratur“ schreckt mich und ich finde ihn nicht gelungen, um Bücher zusammenzufassen.
    Was meint ihr beiden? Gibt es auch die Bezeichnung „Männerliteratur“? Ist es nicht diskriminierend von „Frauenliteratur“ zu sprechen? Warum können die dazu gehörigen Bücher nicht in die anderen bestehende Gattungen gefasst werden?
    Liebe Grüße von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Susanne,
      prinzipiell werden sie das ja, also Romane von Schriftstellerinnen sind in erster Linie mal Romane, außerdem vielleicht Krimis oder sonst was. Aber leider ist mir auch noch kein besserer Ausdruck eingefallen, um deutlich zu machen, dass es um einen Roman von einer Schriftstellerin geht und nicht von einem Schriftsteller. Und eigentlich finde ich den Begriff Frauenliteratur nicht negativ, dann eher Frauenroman, das erinnert mich an diese Titel, wo Herzen in Wäschekörben verloren wurden und so, das ist ja auch nicht so meins. Aber diese Frage, ob es diskriminierend sei, wurde ja durchaus schon diskutiert, hab ich auch oben im Artikel geschrieben. Ich sachmaso: Solange keine eine bessere Idee hat, ist der Begriff für mich okay und schreckt mich auch nicht ab.
      Den Begriff Männerliteratur scheint es auch zu geben, zumindest findet man da allerley, wenn man googelt …
      Liebe Grüße
      Petra

      • Susanne Haun schreibt:

        Danke für deine ausführliche Amtwort, Petra. Ich denke noch weiter darüber nach 🙂

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          : ) Okeeeh. Vielleicht sind wir irgendwann inspiriert zu einer besseren Begriffsfindung.

        • Susanne Haun schreibt:

          Liebe Petra,
          es stimmt schon, es gibt Frauenkleidung und Männerkleidung. Anatomisch bedingt gibt es bei der Kleidung doch meistens einen Unterschied.
          Vielleicht sollte ich deshalb die Abgrenzung von Frauen- zu Männerliteratur nicht so negativ sehen.
          Ich bin froh, dass es keine Frauen- oder Männerkunst gibt, sondern, dass die Kunst im allgemeinen doch als gleich vom Sinn betrachtet wird, auch wenn Frauen soviel weniger Geld für ihre Kunst bekommen als Männer.
          Ich denke manchmal, dass gerade die unterschiedlichen Betitelungen, die auf Frau oder Mann hinweisen, diese Ungerechtigkeit forciert. Auch wenn mein Satz über Kunst dem entgegen läuft.
          Nicht einfach …. ich denke weiter darüber nach,
          einen schönen Abend von Susanne

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Liebe Susanne,

          dein Kleidungsbeispiel ist ja sehr entspannt, das gefällt mir : ) Da fühlt sich dann auch hoffentlich niemand diskriminiert.

          Auch in der Kunst glaube ich schon, dass es in einigen Köpfen Unterschiede gibt. Bei Kunst von Frauen, die vielleicht nicht Kunst studiert haben, hört man leider oft den fürchterlich diskreditierenden Ausdruck „Hausfrauenkunst“ oder „Hobbykunst“. Bei Männern, die ebenfalls hauptsächlich anderen Beschäftigungen nachgehen, nicht Kunst studierten, aber Zeit finden, Kunst zu schaffen, hört man eher „ein Autodidakt“, von Hobbykunst ist da viel seltener die Rede. Noch gibt es in zu vielen Köpfen diese Differenzierung; schön wäre, wenn das irgendwann keine Rolle mehr spielte, Frauen genauso viel für ihre Werke bekommen wie Männer und uns auf die Frage, mal bedeutende Künstlerinnen und Künstler des letzten Jahrhunderts zu nennen, noch mehr Künstlerinnen einfallen würden.

          Ein weites Feld …

          Liebe Grüße!

  6. nettebuecherkiste schreibt:

    Ein guter Tipp ist meiner Meinung nach die Longlist des Bailey’s Women’s Prize for Fiction. Der diesjährige Siegertitel, „The Power“ von Naomi Alderman ist bisher eines von zwei Jahreshighlights für mich. Das zweite stammt auch von einer Frau: „Heimkehren“ von Yaa Gyasi 🙂

  7. nweiss2013 schreibt:

    Liebe Petra,
    spannendes Thema, bei dem der Vorsprung von mehreren Jahrhunderten wohl nur schwer auszugleichen ist, wenn man nicht verstärkt auf Rosamunde Pilcher und andere setzen will. Aber die Brontë-Schwestern und Virginia Woolf wiegen ja viele durchschnittliche Männer auf.
    Ich nutze nochmal die Gelegenheit, hier auf Sophie Hasenclever hinzuweisen: eine Autorin, Übersetzerin, Salonnière im 19. Jahrhundert.
    https://notizhefte.com/2017/05/08/sophie-hasenclever-autorin-uebersetzerin-salonniere/
    Liebe Grüße
    Norman

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Oh, danke für den Tipp! Es gibt inzwischen natürlich eine Menge großartiger Schriftstellerinnen, wir müssen sie nur lesen, manchmal auch erst entdecken. Einige ihrer Bücher werde ich in nächster Zeit ja peut à peut vorstellen. Hoffentlich macht es auch Lesern Lust auf ihre Bücher … Liebe Grüße!

  8. andreaschopfbalogh schreibt:

    The age of Innocence gehört zu meinen Lieblingsbüchern (und den Film dazu finde ich auch sehr gelungen. Ich habe zwei weitere Bücher von Wharton gelesen – leider haben sie mir gar nicht gefallen.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Aha, Film gibt es auch – gut zu wissen! Der Roman lässt sich ja schon sehr gut an. Das alte Haus am Hudson River fand ich ganz gut, an Twilight Sleep war okay. Was hattest du gelesen? Liebe Grüße!

  9. dagmaregeroffel schreibt:

    Heieiei, es ist schon verblüffend, dass man immer noch den selben Mechanismen aufsitzt, die seit Jahrhunderten wirken. Obwohl ich mich eine zeitlang intensiv mit Feminismus und mit der Reproduktion von Strukturen der Macht und Ausgrenzung beschäftigt habe – ich mag gar nicht zählen. Es sind viele treffende Gründe hier genannt, doch eins möchte ich noch hinzufügen: Das Ganze hat auch System. Und solange die Sprache erstarrt bleibt, werden wir Schriftsteller lesen und nicht Schriftstellerinnen. Und wir reproduzieren wertende Kategorisierungen. Den Begriff „Frauenliteratur“ von dieser Konnotation mit „Gschmäckle“ zu befreien, wird schwierig, aber das ist das Ziel. Wir brauchen ihn, um gezielt auf die Schieflage aufmerksam machen zu können, jetzt müssen wir ihn nur noch aufwerten. 😉 Schätze, ich muss heute mal wieder meine Bücherregale durchforsten. Und – danke für die Erinnerung – Virginia Wolf steht ganz oben auf dem Lesezettel. Freue mich sehr auf deine weiteren Anregungen, liebe Petra!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Dagmar, hab herzlichen Dank für deinen Kommentar! Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, man weiß es doch, aber dennoch …
      Dazu fällt mir ein, dass ich mich während meines Studiums u. a. mit feministischer Sprachkritik befasst habe und dass auf das Referat dazu selbst die jungen Frauen teilweise mit Unverständnis reagierten. Immerhin hat mir der Leserinnenbrief an unser hiesiges Kulturmagazin, in dem ich den Kolumnisten ein bisschen aufzog, der sich über feministischen Sprachgebrauch lustig machte, einen Job dort eingebracht ; ) Und wenn ich heute sehe, dass man inzwischen immer öfter versucht, alle zu nennen, die man ansprechen will, denke ich, dass wenigstens ein bisschen was erreicht wurde. Aber insgesamt ist der Weg noch lange nicht zu Ende.
      Eigentlich bin ich kein Fan von Challenges, aber so eine kleine Privat-Challenge, bei der ich selbst Regie führe, gefällt mir gut, zumal es vielleicht die eine oder den anderen auf Ideen für künftige Lektüren bringt. Liebe Grüße!

  10. entdeckeengland schreibt:

    Spannendes Thema, Petra. Seit Birgit davon angefangen hat, habe ich auch begonnen, bei meiner Lektüreauswahl gezielter nach Schriftstellerinnen zu schauen. Liebe Grüße, Peggy

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