Miss Phryne Fisher Investigates

Cozy Crime meets Flapper Style – und zwar im Australien der 1920er-Jahre. Die Krimiserie um „The Honourable Miss Phryne Fisher“ von Kerry Greenwood erinnert an die Lord-Peter-Reihe von Dorothy L. Sayers und sorgt für amüsante und behagliche Lesestunden.

Gut, die Dialoge sind nicht so geschliffen wie bei Dorothy L. Sayers, die einzelnen Bücher der Reihe auch recht kurz, meist deutlich unter 200 Seiten, und das Ganze ist schon deutlich auf ein weibliches Lesepublikum mit einer Vorliebe für Cozy Crime und die Roaring Twenties zugeschnitten. Aber sehr hübsch sind die Reminiszenzen an Dorothy L. Sayers, z. B. die Zitate aus der englischen Literatur zu Beginn der Kapitel, und eben auch in der Gestaltung der Hauptfigur.

Phryne, die versehentlich auf den Namen einer griechischen Kurtisane, statt – wie eigentlich beabsichtigt – auf den Namen Psyche getauft wurde, ist so eine Art Gegenstück zu Lord Peter. Sie klärt Morde auf, obwohl sie finanziell keineswegs auf ihren Job angewiesen ist, ist überaus kultiviert, unabhängig, unkonventionell und amüsant. Dazu sieht sie natürlich umwerfend aus, ist immer todschick und absolut angemessen gekleidet, hat außer einer Menge Geld, auch einen Führerschein und kann fliegen. Also mit Propellermaschinen. Sie weiß, was sie will, ist gebildet, sehr intelligent und hat in jedem Buch die eine oder andere Affäre. Kinder und Ehe sind allerdings nicht so ihr Ding. Aber sie ist sehr hilfsbereit und hat eine Schwäche für Leute in Schwierigkeiten. Wenn sie sieht, dass jemand ein gutes Herz hat und nur durch ungünstige Umstände in eine missliche Situation geraten ist, versucht Phryne zu helfen.

Auch die anderen weiblichen Figuren sind meist patente und moderne Frauen, die versuchen, in einer von Männern dominierten Welt ihren Weg zu machen. Im Gegensatz dazu werden die wenigen Frauen, die dem althergebrachten Bild entsprechen, meist negativ dargestellt und tendieren dazu, beim Lesen zu nerven.

Die aufzuklärenden Fälle sind in etwa so aufregend wie bei Lord Peter oder Miss Marple, aber wie es gerne geht bei Serien, sie entwickeln doch eine gewisse süchtig machende Wirkung. Zumindest auf mich. Zumal der Schreibstil sich von Buch zu Buch verbessert, die feine Ironie immer ausgefeilter wird und einen sehr interessante Passagen erwarten, beispielsweise über den Australischen Busch und wie man ihn am besten in einer kleinen Propellermaschine erreicht. Dass gibt dem Ganzen schon noch mal einen besonderen Schliff.

Den ersten Roman der Reihe, Cocaine Blues, las ich eigentlich nur, um mir mal ein Bild von der Sache zu machen. Und dann las ich weiter: Flying Too High, Murder on the Ballarat Train, Death at Victoria Dock, The Green Mill Murder – als angenehme Unterhaltung für allzu heiße Sommernachmittage ideal. Beim Lesen bekommt man allerdings das Bedürfnis, sich mehrmals am Tag umzuziehen und dazu jede Menge Kaffee, Tee und Cocktails zu konsumieren. Aber dem muss man ja nicht nachgeben.

Was mich an dieser Figur fasziniert, ist vor allem, dass bei Phryne Unabhängigkeit und Weiblichkeit wunderbar harmonieren. Sie weist die Männer in ihre Schranken, die sie für dumm verkaufen möchten, lässt sich aber auch problemlos die Tür aufhalten. Mit Phryne Fisher hat Kerry Greenwood eine Gestalt geschaffen, der man gern beim Umziehen und Fälle lösen zusieht (bzw. „zuliest“).

Die australische Schriftstellerin Kerry Greenwood ist übrigens Anwältin, wobei sie mal meinte, dass ihre juristische Erfahrung ihr beim Schreiben nichts nütze. Das kann ich mir vorstellen, aber ich denke, sie hat sehr gut recherchiert, was Zeit, Gepflogenheiten, Gesellschaft, Politik etc. der 1920er-Jahre angeht – und eben auch solche Metainformationen über das Fliegen mit Propellermaschinen. Ich war selbst überrascht, wie sehr mich das interessierte, das spricht wohl auch für ihren Schreibstil, der wirklich flott und unterhaltsam ist. Die Reihe ist übrigens auch in 13 Teilen verfilmt worden.

Falls ihr Phryne Fisher näher kennenlernen möchtet, findet ihr hier ihr eine Auflistung der einzelnen Bände mit einer kurzen Beschreibung.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Lesenswertes abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Miss Phryne Fisher Investigates

  1. Pingback: [Philea’s] Miss Phryne Fisher Investigates – #Literatur

  2. Tinka Lukenda schreibt:

    Liebe Petra, Miss Phryne ist klasse und mochte die Serie so gerne!! Vielleicht komme ich auch mal dazu die Bücher zu lesen! Ein toller Tipp wieder mal hier auf deinem Blog 🙂 Sommerliche Grüße Tinka

  3. Ulrike Sokul schreibt:

    Liebe Petra,
    nachdem ich die erste DVD-Staffel von „Miss Fishers Mysteriöse Mordfälle“ zu Weihnachen geschenkt bekam und mit viel Vergnügen angeschaut habe, fragte ich mich, wie wohl die Romane selbst seien. Dank Deiner Besprechung weiß ich nun Bescheid, und ich kann gerne gestehen, daß ich Phryne sehr gerne beim Umziehen und Fälle knacken zugesehen habe. 😉
    Mode interessiert mich meist nur marginal, aber die überaus anmutige Bekleidungsmode der 1920er liebe ich. Es wäre wunderschön, wenn dies wieder modern würde …
    Flapperige Grüße von
    Ulrike
    *mitellenlangerperlenketteklimper*

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ah, noch ein Fan : ) Auf Twitter wurde mir die Serie auch schon empfohlen.
      Ja, diese Mode damals – herrlich! Und so anschaulich in den Romanen beschrieben. Ich winke mit einer imaginären dreireihigen bauchnabellangen Perlenkette zurück & sende herzliche Grüße!

      • Ulrike Sokul schreibt:

        Schön, dann befinden wir uns modisch in harmonischen Gefilden.
        Herzlich grüßt, anmutig mit dem Federfächer winkend und Deine Perlenkette bewundernd 😉
        Ulrike

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s