Philea's Blog

Vorgelesen: Blackout

Offenbar hat der letzte spannende Roman, den wir von Marc Elsberg lasen, bei meinem Liebsten und mir das Vorlesefieber ausgelöst. Jedenfalls lasen wir uns als nächstes BLACKOUT. Morgen ist es zu spät vor. Und was soll ich sagen: Besser geschrieben und spannender als ZERO – und die Paranoia fast noch stärker befeuernd.

Stilistisch hat uns BLACKOUT wesentlich besser als ZERO gefallen. Beim Vorlesen/Zuhören nervten nicht mehr diese karg-kurzen Sätze, wobei eine häufigere Verbindung der Satzteile mit dem Wörtchen „und“ angenehmer gewesen wäre als das magere Komma. Aber sei’s drum. Die Romanhandlung findet diesmal klassischer nicht im Präsens statt, was den Lesegewohnheiten entgegenkommt. Dass die Charaktere deutlich besser ausgestaltet sind, macht sich beim Zuhören angenehm bemerkbar, da man gleich weiß, um wen bzw. welche Personengruppe es aktuell geht. Denn in BLACKOUT wird wie in ZERO nicht an Figuren gespart, die diesmal vor allem in Europa, besonders Frankreich, Deutschland, Brüssel und Holland, agieren.

Doch zum Inhalt: Wer schon mal einen Stromausfall erlebt hat, war gewiss froh, wenn nach ein paar Stunden alles wieder funktionierte. Man kann kurzzeitigen Stromausfällen sogar eine gewisse Romantik abgewinnen, überall Kerzenlicht, ist ja irgendwie auch mal schön. Aber was, wenn der Strom für lange Zeit ausfällt? Und nicht nur der Strom, sondern auch lauter wichtige Ressourcen nicht mehr zur Verfügung stehen, z. B. Heizung, Wasser oder Treibstoff, weil die Versorgung der Haushalte oder Tankstellen auf Elektrizität angewiesen ist? Elsberg hat dieses Gedankenexperiment in seinem Roman sehr konsequent und für alle möglichen Lebensbereiche durchgespielt: Was bedeutet ein totaler Blackout für Verkehr, Infrastruktur, Krankenhäuser, Supermärkte, Öffentliche Verkehrsmittel, Logistik, Produktion, Medien, Banken, Atomkraftwerke, Energieversorgungsunternehmen, das menschliche Miteinander und so weiter und so fort. Und die Szenarien sind alle von beklemmend über schlimm bis schrecklich.

Die europaweiten Stromausfälle beginnen im Februar in Italien und Schweden und erreichen nach und nach weitere europäische Staaten. Am Beispiel von Einzelschicksalen ebenso wie an den oben angesprochenen Bereichen zeigt der Autor mögliche Konsequenzen. Die beherrschende Frage ist natürlich: Wie konnte das passieren und wer ist dafür verantwortlich? Relativ früh kommt der Italiener Piero Manzano dahinter, wodurch die Stromausfälle in Italien und Schweden ausgelöst wurden: durch manipulierte Smart Meter, intelligente Stromzähler, die digital Daten empfangen und senden können. Denn diese beiden Länder sind bereits flächendeckend mit der neuen Technologie ausgestattet. Doch zunächst will niemand dem einstigen Hacker und derzeitigen IT-Berater glauben und hält ihn für einen Verschwörungstheoretiker. Schließlich gewinnt er das Interesse des Europol-Kommissars Bollard. Und dann fällt einige Tage später auch in den USA der Strom aus …

Dieser fast 800 Seiten starke Technik-Thriller hat uns ordentlich in Atem gehalten, denn er bewahrt die Spannung bis zum Ende. Der Autor hat offenbar kräftig recherchiert und kann zudem komplexe Zusammenhänge und Funktionsweisen sehr gut erklären. Die möglichen Folgen eines lange andauernden Stromausfalls sind dermaßen bildhaft beschrieben, dass ich angefangen habe, doch mal ein paar Vorräte anzulegen – wenn auch längst nicht in den empfohlenen Mengen, die man im Zivilschutzkonzept der Bundesregierung von 2016 finden kann.

Fazit: Spannend und Paranoia-fördernd.