Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Bei einer Europareise hat sich die Journalistin Elisabeth Tova Bailey eine schwere Krankheit zugezogen, die ihr ganzes Leben verändert und sie häufig für längere Phasen ans Bett fesselt. In ihrem Buch beschreibt sie, wie eine Schnecke ihr diese Zeiten erträglicher machte und wie ihre Begeisterung für Schnecken wuchs und gedieh. Übersetzt wurde das Buch von Kathrin Razum.

Der Titel klingt putzig und ich war gespannt: Wie hört sich denn nun eine Schnecke beim Essen an? „Es klang, als mampfe jemand sehr Kleines unablässig Selleriestangen“, so Bailey. Entzückend! Obwohl der Anlass tragisch ist, nämlich die schwere Erkrankung der Autorin, wirkt das kleine Buch nicht schwer, sondern leicht und geradezu belebend. Das liegt sicher auch daran, dass die Autorin ihren Zustand nicht bejammert, was ja durchaus verständlich wäre, sondern sich tatsächlich vor allem auf die Schnecke konzentriert. Den Kapiteln sind Zitate oder auch Schneckenhaikus vorangestellt. Ich wusste gar nicht, dass Kobayashi Issa so viele davon geschrieben hat. Mein Favorit:

Die Schnecke steht auf

Und legt sich wieder schlafen

Ohne viel Trara.

Und ohne viel Trara ist auch die Geschichte erzählt: Eines Tages schenkt eine Freundin der Autorin eine Topfpflanze, an die sie eine kleine Schnecke setzt. Bailey beobachtet die Schnecke, wohin sie „geht“, wie weit sie sich hinaustraut, wie sie ihr Schneckenleben verbringt und ist immer faszinierter. Sie entwickelt sich mit der Zeit zur Expertin für Schnecken, liest Fachliteratur, kommuniziert mit Experten und das bezaubernde Buch ist das Ergebnis dieser intensiven Beschäftigung. Dabei lernt man selbst eine Menge über Schnecken. So wusste ich zwar, dass sie Zwitter sind, aber nicht, dass sie in der Lage sind, Eier über lange Zeit aufzubewahren und erst zu legen, wenn sie sich wohl und sicher fühlen. Das alles und noch viel mehr erfährt man beim Lesen dieses wirklich empfehlenswerten Büchleins.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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17 Antworten zu Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

  1. SätzeundSchätze schreibt:

    Schneckenhaikus? Das macht mich jetzt sehr neugierig. Liebe Grüße, Birgit

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Es sind jetzt nicht sooo irre viele, 3, 4, 5, aber auch andere Zitate zu Schnecken von allerlei Leuten, von denen man eine derartige Begeisterung für Schnecken nicht unbedingt erwartet hätte : ) Und das Büchlein ist wirklich sehr nett, leider viel zu schnell fertig gelesen! Liebe Grüße!

  2. buchpost schreibt:

    Ich folge deinen Empfehlungen oft und gern, aber bei Schnecken bin ich raus, ohne Wenn und Aber 😉

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Magst keine Schneckchen? Die sind doch putzig?

      • buchpost schreibt:

        Uhhh, wir hatten wahre Monster im Garten…

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Also, da kann ich dich beruhigen, die Schnecken in diesem Buch sind ganz sympathisch : )

        • karu02 schreibt:

          Das kann ich bestätigen. Es ist ja eine Häuschenschnecke und die sind allesamt sympathischer als die Nacktschnecken. Außerdem fressen sie die Eier dieser Plagegeister, schon deshalb lohnt es sich, etwas mehr über sie zu erfahren. Ich fand das Buch sehr lehrreich, es hat meinen (Schnecken)Horizont enorm erweitert und sogar meine Abneigung gegen die nackten ein wenig gemildert, weil sie immerhin über ähnliche Fähigkeiten verfügen. In diesem Jahr gab es übrigens sehr wenig Nacktschnecken, vielleicht haben es die Häuschenschnecken geschafft, fast alle Eier aufzufressen.

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Ich hab deinen Artikel dazu in deinem Blog gesehen. Seltsam … Na, die GartenbesitzerInnen freut es wahrscheinlich, weniger angenagte Blumen und Blätter ; )

        • karu02 schreibt:

          Das schon, aber zusammen mit den fehlenden Insekten ist es auch beängstigend. Ich hoffe, nächstes Jahr ist alles wieder normal, meinetwegen auch die Nacktschnecken.

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Letztes Jahr hatten wir sehr viele Bienchen an unseren Lavendeltöpfen auf unserem kleinen Balkon, dieses Jahr waren es höchstens noch halb so viele. Das fand ich auch sehr schade. Aber dafür mehr Wespen. Hm.

  3. Xeniana schreibt:

    Ich habe das Buch auch gelesen. Das Haiku in deinem Beitrag trifft 🙂 und deine Beschreibung auch. Ein besonderes Buch, dass dem Leben im Kleinen Bedeutung abgewinnt.

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