Manchmal muss es ein Stück Sahnetorte sein

Literatur kann einen vielleicht nicht retten und doch hat sie mich schon ab und zu gerettet. Etwa wenn ich düsteren Gedanken eine gewisse Zeit entfliehen wollte, um Abstand zu gewinnen. Damit sich die Gedanken nicht allzu sehr im Kreise drehen, was ja vermutlich noch niemandem geholfen hat.

So stand ich neulich in der reizenden kleinen Buchhandlung in der Nähe des Bahnhofs und suchte nach einer Sahnetorte in Form eines Buchs. Die nette Buchhändlerin hatte eigentlich auch eine sehr schöne Empfehlung, aber ich fürchtete, die Geschichte könnte ungut enden, mit Krankheit oder Tod. Die Buchhandlung führt vor allem sehr gute Literatur und Kinderbücher, aber mein Blick blieb am einzigen Roman von Nicolas Barreau (oder Daniela Thiele?) hängen. Das Café der kleinen Wunder – der Titel schien mir hinreichend kitschig und meine Erwartung befördernd, dass dieser Roman die LeserInnen weitgehend tragödienfrei unterhält. Und ich erinnerte mich, vor einiger Zeit schon einmal ein Buch von Barreau gelesen zu haben, das ich damals mit dem Genuss einer Schachtel Pralinen verglich.

In der Tat erwies sich Das Café der kleinen Wunder als das gesuchte Stück Sahnetorte in Buchform. Ein hübscher Liebesroman, der erst in Paris spielt und dann in Venedig. Romantischer geht es ja kaum. Besonders die Beschreibungen des winterlichen Venedigs haben mir sehr gefallen (eines meiner Sehnsuchtsziele, das ich irgendwann besuchen möchte). Dazu die nötigen Figuren und Verwicklungen, die eine Liebeskomödie gelingen lassen. Außerdem kam im Roman ein weiterer Venedig-Roman vor, der ebenfalls hübsch eskapistisch klang: Gültig zehn Tage von Silvio Toddi, bei Diogenes ist der kleine Roman 2003 allerdings unter dem Titel Einmal Venedig und zurück erschienen. Vielleicht lese ich den irgendwann auch noch. Ebenfalls interessant: Im Café der kleinen Wunder geht es auch ein bisschen um den Philosophen Paul Virilio und seine Dromologie, von der ich bislang kaum gehört hatte.

Da sieht man mal wieder: Lesen bildet, sogar das Lesen von Liebesromanen. Und dieser verschaffte mir noch dazu einige leichte Stunden zwischendurch.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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26 Antworten zu Manchmal muss es ein Stück Sahnetorte sein

  1. gkazakou schreibt:

    entspannende und zugleich bildende Romane gibt es wohl nicht sehr viele, weniger jedenfalls als echte Sahnetörtchen. Ich wünsche dir, weiterhin fündig zu werden. Und ja, nach Venedig im Winter – da solltest du fahren, bevor es ganz untergeht mit all den Kreuzfahrern, die davor anlegen und ihre Tausendschaften abladen. ich war mal im November dort, lang lang ists her, und hab da meine ersten Aquarelle gemalt. Nass die Stufen runter zu den Kanälen, nass das Papier. Und schön neblig. Liebe Grüße!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Venedig im November stelle ich mir sehr malerisch vor, viel Nebel, wenig TouristInnen – ich wäre zwar dann auch eine, aber es ist sicher schöner, wenn man sich nicht so drängeln muss ; ) Liebe Grüße!

  2. Susanne Haun schreibt:

    Micha und ich sind der Torte (generell) verfallen. Am Wochenende probieren wir gerne ein neues Café aus oder besuchen wohlbekannte.
    Das winterliche Venedig können wir auf jeden Fall empfehlen – Gummistiefel dabei nicht vergessen! Aquaalta ist im Winter in der atmosphärischen Stadt schon mal angesagt.
    Ach ja, zu den Pralinen, sagte nicht Sally Field in Forrest Gump das Leben sei wie eine Pralinenschachtel? Man weiß nie was man bekommt :-).
    Liebe Grüße von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Im Roman kommen zwischendurch auch Gummistiefel zum Einsatz – ich habe gar keine mehr. Aber dem kann man ja abhelfen.
      Ja, bei Torten und anderen süßen Genüssen kann ich auch ganz schlecht nein sagen ; ) Vor allem die griechischen so klein und harmlos aussehenden Stückchen sind köstlich (und haben vermutlich so viele Kalorien wie hierzulande zwei große Stücke).
      Liebe Grüße!

    • tontoeppe schreibt:

      Ja… Forrest sagte, dass es seine Mutter immer sagte… ach.. . Wie schön.

      • Susanne Haun schreibt:

        Ja, finde ich auch, ich habe den Film im Kino hochschwanger gesehen, es war mein letzter Film als „kinderlose“. Nun ist es 23 Jahre später, es ist schwer vorstellbar, dass der Film und mein Sohn schon so alt sind 🙂

  3. SätzeundSchätze schreibt:

    Liebe Petra,
    ja manchmal muss es Sahnetorte sein, in meinem Fall am liebsten jedoch eine Schwarzwälder Kirsch. Das scheint ja das ideale Buch zur richtigen Zeit für Dich gewesen zu sein. „Venedig kann sehr kalt sein“ kann ich da wirklich nicht empfehlen…
    Ich hoffe, es kommen bald wieder leichtere Zeiten.
    Liebe Grüße, Birgit

  4. Tobi schreibt:

    Liebe Petra,

    das Buch hat mir auch sehr gut gefallen. Ich lese immer mal wieder gerne so einen richtigen Liebesroman und Thiele beschreibt die Kulissen immer sehr malerisch und übertrieben perfekt. Bücher die einfach entspannen, besonders weil das Happy End sicher ist. Definitiv eine sehr schöne Empfehlung!

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Lieber Tobi,
      das ist ja schön : ) Irgendwie hatte ich angenommen, dass solche Romane meist von Frauen gelesen werden. Weißt du, ob die Romane nun wirklich von Frau Thiele stammen oder war das nur ein Gerücht? So richtig viel habe ich dazu nicht gefunden …
      Liebe Grüße!

      • Tobi schreibt:

        Liebe Petra,

        ich glaube solche Romane werden wahrscheinlich tatsächlich primär von Frauen gelesen. Zumindest wenn man dem Klischee glaubt. Aber ab und zu eine schöne Liebesgeschichte geht bei mir immer 😉

        Ich glaube das mit Frau Thiele ist schon ziemlich sicher. Auch die WELT hat darüber einmal geschrieben: https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article108626704/Autor-ueberfluessig.html
        Ich finde es schade, dass hier aus Marketinggründen den Lesern etwas vorgemacht wird. Es ist doch ein Unterschied einen Autor zu „erfinden“ als klar zu benennen, dass es sich um ein Pseudonym handelt.

        Darüber hinaus finde ich die Barreau/Thiele Bücher immer wieder sehr unterhaltsam und durchaus empfehlenswert. Egal unter welchem Autoren-Label es geführt wird.

        Liebe Grüße
        Tobi

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Schon eine komische Marketing-Strategie … Aber im Zusammenhang mit „Das Lächeln der Frauen“ fast wieder genial ; ) Ich hatte mir dann noch 2 Bücher auf den Reader geladen, die allerdings beide nicht so gelungen waren wie Das Café der kleinen Wunder. (Du findest mich am Ende der Welt & Paris ist immer eine gute Idee). Hast du noch einen Tipp von Daniela Barreau?

  5. kopfundgestalt schreibt:

    Leichte Stunden zwischendurch, die müssen sein.
    Danke für den Tip!

  6. buchpost schreibt:

    Hallo Petra,
    huch, das mit den erfundenen Autoren war mir gar nicht bekannt, wieder was gelernt. Finde ich aber eine doofe Marketingmasche, mit der man die LeserInnen doch versucht, für dumm zu verkaufen.
    Einer meiner Favouriten für entsprechend tröstliche oder ablenkende Lesestunden ist ganz klar Alexander McCall Smith. Dir liebe Grüße und ein Wochenende, das dir guttut. Anna

  7. karu02 schreibt:

    Vielen Dank für das Wasser, was mir sogleich im Mund zusammenläuft bei der Aussicht auf gute Tortenstückchen. Die bekommt man so leicht ja nicht mehr. Weder die realen, die ich nur noch Kunstkuchen – von Kunststoff kommend – nenne, noch die gemeinten in Buchform. Da ich seit einer Weile nur Katastrophen-Literatur gelesen habe, weil dann die eigenen Sorgen etwas kleiner erscheinen, greife ich jetzt gerne mal zu einer anderen Art der Ablenkung, auch wenn ich keine „Süße“ bin und Saures und Scharfes bevorzuge. Gerne warte ich auf Empfehlungen in dieser Geschmacksrichtung von Dir. 😉

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