An wunderbaren Quellen der Inspiration

Gestern war ich auf einem hochinteressanten Vortrag, auf den ich mich schon einige Zeit gefreut hatte: „An wunderbaren Quellen der Inspiration – Schriftstellerinnen in Kurorten“ von Dr. Beate Borowka-Clausberg. Und da ich selbst tags zuvor von meiner Reha zurückgekehrt war, schien es mir überaus passend, diesen Vortrag zu besuchen. Eine gute Entscheidung!

Aufmerksam wurde ich darauf über den Newsletter der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe, bei der ich seit vielen Jahren Mitglied bin, der darauf hinwies, dass die Goethe-Gesellschaft mit diesem Vortrag zu Gast im PrinzMaxPalais sein würde. Das Thema des Vortrags schien mir ein würdiger Abschluss meiner Reha zu sein. Wobei eine Reha ja keine Kur ist, anfangs hatte ich beide Ausdrücke als austauschbar verstanden, aber  bei einer Kur geht es um die Erhaltung der Gesundheit, bei einer Reha um die Wiederherstellung. Wobei ich denke, dass manche Kurgäste, sagen wir im 19. Jahrhundert, durchaus auch auf Wiederherstellung ihrer Gesundheit hofften, wenn sie sich in Kur begaben.

Überhaupt, so Dr. Beate Borowka-Clausberg, gab es zwei Gruppen von Kurgästen, diejenigen, die wirklich eine Kur brauchten, weil sie krank waren, und jene, die eher aus gesellschaftlichen Gründen in Kur gingen und dort eine Art Urlaub verbrachten. Denn die Kurorte und später auch die Seebäder waren damals nicht einfach nur Orte, um sich zu erholen, sondern auch Zentren der Begegnung, wo sich zuweilen das Who-is-Who der Kulturszene traf.

Für Frauen nun waren diese Kurorte im 18. und 19. Jahrhundert auch deshalb interessant, weil sie sich dort freier bewegen konnten als beispielsweise in ihrer Heimatstadt. Zur Kur oder einem Seebad zu reisen, war für Schriftstellerinnen damals in etwa so, wie wir heute in die Ferien fahren, nur dass es sie außerdem inspirierte zu Erzählungen und Romanen, Gedichten u. s. f. Dr. Beate Borowka-Clausberg stellte ihrem Publikum etliche, damals sehr bekannte Schriftstellerinnen vor und ihre Bezüge zu Kurorten. Darunter Johanna Schopenhauer, Rahel Varnhagen, Therese von Bacheracht und Ida Gräfin Hahn-Hahn. Letztere übrigens eine der meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit und ihr Roman Zwei Frauen war vielleicht einer der ersten Emanzipationsromane. Interessant in diesem Zusammenhang auch, dass es wohl allerlei Gedenktafeln von männlichen Kulturgrößen in Kurorten gibt, aber kaum oder gar keine beispielsweise zu Schriftstellerinnen.

Dr. Beate Borowka-Clausberg, die auch die Vorsitzende des Hamburger Heine-Hauses ist, schreibt auf ihrer Seite „Meine Vorträge sind Promenaden in die Vergangenheit“ – dem kann ich nur erfreut beipflichten. Nach der Veranstaltung hatte ich noch Gelegenheit, mich ausführlich mit ihr und auch der Gastgeberin, also der 1. Vorsitzenden der Goethe-Gesellschaft Karlsruhe, Dr. Beate Laudenberg, zu unterhalten. Die Themen, mit denen sich Dr. Beate Borowka-Clausberg in ihrer Forschung, in Vorträgen und Büchern beschäftigt, interessieren mich persönlich sehr. Und ihr Buch Salonfähig: Frauen in der Heine-Zeit muss ich mir natürlich gleich bestellen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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11 Antworten zu An wunderbaren Quellen der Inspiration

  1. gkazakou schreibt:

    Hallo, Petra! Nun bist du also zurück und gleich ins Kulturleben eingetaucht. Sicher hast auch du viel Erzählstoff mitgebracht, wenngleich die Umstände nicht so erfreulich wie an mondänen Kurorten waren. Dennoch wäre es ja höchst interessant zu erfahren, was eine zeitgenössische Schriftstellerin wie du an einem solche Ort beobachtete. Herzliche Grüße aus Athen!

  2. Ulli schreibt:

    So hoffe ich, liebe Petra, dass du wieder ganz genesen bist!
    Die Frauen und die Kunst, ob nun als Malerinnen oder als Schristellerinnen, Musikerinnen, immer kommen sie kurz. Ich freue mich immer, wenn es andere Frauen gibt, die sie sichtbar machen.
    Gerade jährten sich 100 Jahre Frauenwahlrecht in D und wieder dachte ich, dass wir Frauen zwar schon Land gewonnen haben, dass es aber noch immer viel zu tun gibt.
    Herzliche Grüße und weiterhin viiiiel Gesundheit und Freude wünscht dir
    Ulli

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Ulli, man darf leider keine Wunder von der Reha erwarten, aber – wie es eine Twitterfreundin so schön formulierte – man wird dort „auf Zukunft eingenordet“. Man beginnt, wieder Licht zu sehen, Kräfte zu sammeln etc. Und das ist ja auch schon was.
      Ich freue mich auch immer über Events, Aktionen etc., bei denen Frauen und ihre kulturellen, wissenschaftlichen und sonstigen Leistungen ins Bewusstsein gerückt werden. Und bei diesem Vortrag habe ich einige neue Persönlichkeiten kennengelernt. Es gibt noch viel zu tun und zu lerrnen! Liebe Grüße!

  3. nweiss2013 schreibt:

    Liebe Petra,
    vielen Dank für den schönen Beitrag – der interessante Pfade eröffnet – und das damit verbundene Lebenszeichen. Liebe Grüße und weiterhin alles Gute!
    Norman

  4. Pit schreibt:

    Prima, dass Du wieder da bist! 🙂

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