Ausflüge nach England

Es mag daran liegen, dass ich auf Downton-Abbey-Entzug bin, jedenfalls las ich in letzter Zeit allerlei Bücher von Frauen über Frauen, und zwar englische. Frauen. Das gefällt mir richtig gut, besonders wenn’s drin gemütlich ist mit Tee, Kerzen etc. und draußen der Regen an die Scheiben klopft. Das kommt mir dann – Klischee, Klischee – gleich noch viel englischer vor. Es erwarten euch Jane Austens Speisen und Feste, extravagante Engländerinnen und eine sehr charmante Provincial Lady.

Gäste und Feste bei Jane Austen

Dieses reizende Buch war ein Weihnachtsgeschenk einer lieben Twitterfreundin und eignet sich natürlich besonders für Fans von Jane Austen. Wobei es keinesfalls mit allzu vielen Vorräten im Hause gelesen werden sollte. Es sei denn, man möchte sprunghaft zunehmen. Das von Brigitte Ebersbach herausgegebene Buch nämlich stellt sozusagen die schönsten Speiseszenen aus diversen Jane-Austen-Romanen zusammen. Das liest sich zwar gut, ist aber auch überaus appetitanregend. Wir besuchen Mr. Darcy am Morgen, machen ein Picknick am Box Hill, nehmen an diversen Abendessen und Festen teil – und ständig läuft uns dabei das Wasser im Munde zusammen!

Sehr schön ist auch die Idee, am Ende noch einige „Rezepte à la Jane Austen“ zu versammeln. Praktischerweise auf unsere Maße umgerechnet:

„Die Rezepte sind dem Jane-Austen-Kochbuch von Maggie Black und Deirdre La Faye entnommen, das dem Rezeptbuch Martha Lloyds folgt (Martha Lloyd hatte einige Jahre bei der verwitweten Mrs. George Austen und ihren unverheirateten Töchtern Jane und Cassandra gearbeitet), sowie dem Rezeptbuch einer Freundin der Austens, Mrs. Philipp Lybbe Powys, und anderen zeitgenössischen Publikationen der georgianischen Zeit.“ [Gäste und Feste bei Jane Austen, S. 122] Also alles ganz authentisch.

Apropos Rezepte: Was passt besser zu Lektüreausflügen nach England als die Tea time? Auf dem Blog von Marianne Kohler, die offenbar auch gern Tee trinkt, gibt es dazu allerlei Rezepte und Anregungen.

Extravagante Engländerinnen

Dieses Buch von Luise Berg-Ehlers ist in erster Linie ein sehr hübsch bebildertes Buch, das einige ungewöhnliche Frauen vorstellt. Peggy hatte es mal vor längerer Zeit bei sich besprochen und ihrer Einschätzung würde ich mich auch anschließen: Bisschen auf den Downton-Abbey-Zug aufgesprungen (was aber in meinem speziellen Fall, Entzug und so, okay war) und nicht sehr tiefgehend, weil Themen eher angerissen werden. So meinte Peggy abschließend: „Das Buch ist locker leicht geschrieben und wieder einmal schön gestaltet mit vielen alten und neuen Fotos. Es ist ein netter Zeitvertreib für einen sonnigen Nachmittag im Garten.“ Genau. Besonders lobend erwähnen möchte ich außerdem das Literaturverzeichnis, das mich auf allerlei Ideen für weitere Lektüren gebracht hat (beispielsweise mal Elizabeth und ihr Garten zu lesen sowie die Biographie über die Mitford-Schwestern).

In diesem Zusammenhang möchte ich euch noch mal die lesenswerte Zusammenstellung Englische Exzentriker. Eine Galerie höchst merkwürdiger und bemerkenswerter Damen und Herren von Edith Sitwell ans Herz legen, falls es der Extravaganzen noch nicht genug war.

Die Provincial-Lady-Serie

Sehr cozy und perfekt bei Downton-Abbey-Entzug ist die Serie um die „Provincial Lady“ von E. M. Delafield. Den ersten Teil, Tagebuch einer Lady auf dem Lande las ich auf meinem Reader und in der Übersetzung von Thomas Stegers und war gleich so erbaut, dass ich mir The Greatest Works of E. M. Delafield (Illustrated Edition): The Complete Provincial Lady Series, Novels, Short Story Collections & Plays (Including Zella … Lady, The War-Workers…) auf meinen Reader lud und nun fleißig die Serie weiter lese.

Es passiert nicht viel, aber das sehr hübsch und vor allem höchst amüsant beschrieben im etwas telegrammhaften Stil, den manche Leute in ihren Tagebüchern pflegen. Wir befinden uns im England der Dirty Thirties, aber dirty ist in diesem Roman höchstens mal das Schuhwerk vom Spaziergang, denn wir befinden uns überdies meist in einem Dorf in Devon. Hier lebt die Provincial Lady mit ihrem Mann, zwei aufgeweckten Kindern und ein bisschen Personal. Die Lady vertraut ihrem Tagebuch nicht nur ihre alltäglichen Aufgaben an, auch Geldsorgen, den Wunsch nach einem aufregenderen oder zumindest erfüllenderen Leben (Aufregung gibt es ja genug, etwa im Zusammenhang mit der biestigen Köchin oder der französischen Drama-Queen), dazu natürlich Dorftratsch, allerlei Begegnungen, ihre Gespräche, ihre Interessen und vieles mehr. Das klingt nun alles nicht sehr spektakulär, interessiert mich aber trotzdem brennend dank des Schreibstils von E.M. Delafield, von der ich zuvor übrigens nie etwas gehört oder gelesen hatte. Sie lebte von 1890 bis 1943, war die Tochter eines Grafen und einer ihrerzeit erfolgreichen Schriftstellerin, die als Mrs. Henry de la Pasture reüssierte. Ihren ersten Roman schrieb Delafield 1917, heiratete 1919 und lebte mit ihrem Mann zwei Jahre in Südostasien, bevor sie sich in Devon niederließen. Die Romanserie um die Provincial Lady trägt stark autobiographische Züge.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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4 Antworten zu Ausflüge nach England

  1. letternwald schreibt:

    Tolle Tipps, danke!

  2. andrea schreibt:

    Kochen wie in Büchern finde ich immer sehr spannend. Ich war mal eine Zeitlang in einer Bücherrunde, die sich einmal im Monat traf. Der Gastgeber kochte jeweils ein Drei-Gänge-Menü passend zum Buch, das er vorgeschlagen hatte. Das war eine tolle Zeit. Leider gibt es die Gruppe nicht mehr, ich will aber wieder eine neue starten. Mal sehen, ob es mir gelingt. Die Idee ist auf jeden Fall zur Nachahmung zu empfehlen. 🙂

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