Das Heine-Haus in Hamburg

Das Heine-Haus, Foto: Ulrike Pfeiffer

Vor fast 45 Jahren wurde der Heine-Haus e. V. gegründet, um das 1832 erbaute Gartenhaus des Bankiers Salomon Heine vor dem Verfall zu retten. Seit vielen Jahren ist das „Kleinod“ nun Gedenkstätte an den Philanthropen Salomon und seinen Neffen Heinrich Heine und bietet regelmäßig Raum für Kulturveranstaltungen. Im Interview spreche ich mit Frau Dr. Beate Borowka-Clausberg, der Vorstandsvorsitzenden des Heine-Hauses.

Das Hauptziel des Vereins ist ja mit Rettung des Gartenhauses erreicht. Welchen Aufgaben widmet sich das Heine-Haus heute? Inwiefern lässt sich das Ihrer Ansicht nach mit den Aufgaben anderer literarischer Gesellschaften vergleichen?

Dr. Beate Borowka-Clausberg

Dr. Beate Borowka-Clausberg, Vorstandsvorsitzenden des Heine-Hauses

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Auch wenn das Gebäude vor dem Verfall gerettet wurde bedarf es weiterhin der Pflege, die eine oder andere Renovierung muss ausgeführt werden und das wiederum ist ohne Geld nicht zu schaffen. Mittel einwerben ist also nach wie vor eine der dringlichsten Aufgaben. Selbstverständlich muss so ein Haus auch mit Leben gefüllt werden. Veranstaltungen, Lesungen, Rezitationen und manchmal auch musikalische Veranstaltungen sind daher von enormer Bedeutung.

Literarische Gesellschaften haben unterschiedliche Voraussetzungen, nicht alle haben ein Haus oder Räumlichkeiten zur Verfügung. Gemeinsam ist allen aber, ein interessantes Programm auf die Beine zu stellen und ein Publikum für die Themen zu interessieren.

Welche dieser Aufgaben liegt Ihnen besonders am Herzen?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Die Gestaltung des Programms natürlich, aber auch die Gestaltung und historisch stimmige Einrichtung des Hauses.

Foto: Elke Schneider

Im Heine-Haus, Foto: Elke Schneider

Unter welchen Aspekten stellen Sie das Jahresprogramm zusammen?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Das Programm stelle ich oft intuitiv zusammen, die Themen müssen zum Heine-Haus passen. An Jahresjubiläen komme auch ich nicht vorbei, was aber nicht bedeutet, dass nur solche Themen ausgewählt werden, die gerade ein Jubiläum haben.

Wie viele Mitglieder hat der Verein derzeit?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Derzeit hat der Verein 92 Mitglieder.

Machen Sie Werbung für die Mitgliedschaft, wenn ja, wie? Oder anders gefragt: Wie würden Sie jemanden davon überzeugen wollen, beim Heine-Haus oder einer anderen literarischen Vereinigung Mitglied zu werden?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Massive Werbung mache ich nicht, versuche mit dem, was da ist, Lust auf das Heine-Haus und eine Mitgliedschaft bei den Menschen zu wecken. Überzeugung muss sich von selbst einstellen. Wenn jemand nicht will, dann sollte man ihn nicht dazu zwingen. Selbstverständlich darf man Personen ansprechen, aber das sollte sehr individuell geschehen.

Arbeiten Sie mit anderen literarischen Gesellschaften oder Vereinen zusammen? Wie sehen die Kooperationen aus?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Ja, ich habe eine Ausstellung zusammen mit dem Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf gemacht. Mit der Hamburger Goethe-Gesellschaft gibt es einen Austausch, auch mit der Claudius-Gesellschaft und mit der Varnhagen-Gesellschaft.

Was denken Sie: Wie werden sich solche Gesellschaften oder Vereine entwickeln, welche Aufgaben der Zukunft sehen Sie?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Die literarischen Gesellschaften haben zu wenig jüngere Mitglieder, diese für solche historischen Themen zu gewinnen wäre sehr wichtig. Ob das gelingt, weiß ich nicht. Habe aber durchaus Hoffnung.

Wie kamen Sie persönlich zu den Heines? Was fasziniert sie besonders an Salomon bzw. Heinrich Heine?

Dr. Beate Borowka-Clausberg: Ich hielt einen Vortrag im Heine-Haus und war von der Institution sehr angetan, zumal ich vorher nicht viel über Salomon Heine wusste. Obwohl ich in Düsseldorf studierte, habe ich mich damals fast gar nicht mit Heine beschäftigt. Erst in Hamburg entdeckte ich die Spuren, die er hier hinterlassen hat und fand sie sehr spannend.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ich möchte noch hinzufügen, dass die Mittwochssoiréen im Heine-Haus (ich habe die Mitteilungen des Heine-Hauses abonniert) mich jedes Mal bedauern lassen, so weit weg zu wohnen! Also, wer von euch näher an oder gar in Hamburg wohnt: „Kultur im Kleinod“ bietet ein interessantes Programm!

 

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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5 Antworten zu Das Heine-Haus in Hamburg

  1. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    ich kannte das Heine Haus vor deiner Vorstellung nicht und dass, obwohl ich öfter in Hamburg bin. Vereine haben es grundsätzlich schwer, junge und neue Mitglieder zu gewinnen. Ich kenne das gerade von der Graphotek Berlin, die Mitglieder sind schon recht alt und neue sind kaum zu gewinnen. Ich finde die Mitgliederanzahl des Heine-Hauses schon recht stattlich. Damit lässt sich etwas anfangen.
    Viele Grüße sendet dir Susanne aus dem trüben Berlin

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Susanne, vielleicht passt es ja mal bei einem deiner Hamburg-Besuche, auch das Heine-Haus zu besuchen? Es ist allerdings, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht täglich öffentlich zugänglich, sondern nur zu Veranstaltungen oder Ausstellungen.
      Diese Problematik, neue Mitglieder zu gewinnen, teilen sich wohl etliche solcher Vereine und Gesellschaften, was ich sehr schade finde. Je mehr ich mich mit dem Thema befasse, umso wichtiger scheint mir, die Leutte dazu zu motivieren, auch kulturelle Einrichtungen und Vereine zu unterstützen. Es gibt durchaus auch sehr erfolgreiche Beispiele. Man müsste mal destillieren, was das Erfolgsrezept ist ; )
      Liebe Grüße aus dem ebenfalls trüben Karlsruhe!

      • Susanne Haun schreibt:

        Liebe Petra,
        ja, ich denke auch, dass es sehr schade wäre, wenn die Vereinskultur aussterben würde. Keiner hat mehr Zeit oder Lust, sich außerhalb des liebgewonnenen Rechners zu engagieren.
        Gerade den Verein der Graphothek empfinde ich sehr wichtig.
        Liebe Grüße von Susanne

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