Paris für Büchermenschen

Mein Liebster hatte mir zum Geburtstag ein Wochenende in Paris geschenkt – es war ganz wunderschön! Wir spazierten viel umher auf Wegen und zu Sehenswürdigkeiten, die vielleicht auch für andere Büchermenschen interessant sein könnten.

Obwohl Karlsruhe und Paris gar nicht so weit voneinander entfernt liegen – dank TGV nur 2,5 Stunden – war mein letzter Paris-Besuch schon 13 Jahre her. Aber ich denke, so lange wird es diesmal nicht bis zum nächsten Besuch dauern. Für die Übernachtung hatte ich uns ein hübsches kleines Hotel auf der Île St.-Louis ausgesucht. Das Zimmer zwar klein (Paris eben), aber sehr geschmackvoll eingerichtet und das Bett bequem. Ebenfalls positiv: Genügend Licht, um im Bett lesen zu können. Außerdem ist es auf dem Inselchen in der Nacht absolut still (das weiß ich, weil ich nachts manchmal aufwache; eventuell ist es zur Hauptsaison weniger ruhig). Am ersten Abend machten wir nur einen kleinen Spaziergang und aßen dann in der Auberge de la Reine Blanche zu Abend. Wir hatten Schnecken, Fisch mit Wurzelgemüse bzw. Boeuf Bourguignon und zum Nachtisch Schokoküchlein mit weichem Kern – das war alles so köstlich, dass wir auch am zweiten Abend dort speisten.

Am Freitag spazierten wir zunächst ein wenig im Marais herum, zum Hotel Sully und zum Place des Vosges. Hier nämlich liegt das sehenswerte Victor-Hugo-Haus, dessen Besuch sich durchaus lohnt. Ich hatte irgendwo gelesen, dass die Besichtigung kostenlos sei, dem ist allerdings nicht mehr so, wir zahlten für Haus und Ausstellung acht Euren pro Person. Anschließend Lunch im Ma Bourgogne, das hatte ich von damals in guter Erinnerung. Aber man steigt nicht zweimal in denselben Fluss. Ein drittes Mal würde ich das Restaurant eher nicht besuchen.

Dann spazierten wir über die Brücken auf die andere Seite der Seine zur Buchhandlung Shakespeare and Company.

Vermutlich wollen alle, die jemals Sylvia Beachs gleichnamiges Buch gelesen haben, die Buchhandlung besuchen – wobei „das Original“ schon lange nicht mehr existiert. Aber auch die zweite Buchhandlung mit diesem Namen hat längst Kultstatus erlangt. Unglaublich viele Büchermenschen aus allen möglichen Ländern drängten durch den Laden. Er war wirklich knallvoll.

Und man ist auch sehr geschäftstüchtig dort. Natürlich erwarb ich ein Buch (das neue von Kate Atkinson, Transcription) und an der Kasse bot man mir an, es zu stempeln. Wie nett! Außerdem musste ich natürlich dringend eine Büchertasche erwerben für schlappe 10 Euren, fast so teuer wie mein Buch. Egal, ich bin Touristin, ich wollte es ja nicht anders.

Nach dem Gedränge spazierten wir gemütlich weiter, ich wollte so gern die Durchleserin in ihrer „Librairie Allemande“ besuchen. Und das war richtig schön! Iris und ich kannten uns bisher ja nur per Blogs und Twitter. So war es eine große Freude, dass wir uns endlich mal „in echt“ treffen konnten. Ihre Buchhandlung ist nur etwa 20 m2 groß und beherbergt doch 5000 Titel. Klein, aber sehr fein! Das stellte ich rasch fest, als ich mir die Regale anschaute. Iris bietet ihrer Kundschaft eine ganz ausgezeichnete Auswahl.

Wir verabredeten uns für den nächsten Abend und folgten noch einer Empfehlung von Iris, nämlich das Les Editeurs zu besuchen – sehr schön ist es da! Mit den vielen Büchern an den Wänden passte das Café/Restaurant perfekt zu unserer Büchertour. Zurück dann an der Seine entlang bedauerte ich mal wieder, dass mein Französisch zu schlecht ist, um bei den Bouquinisten am Ufer ausführlich zu stöbern.

Am Samstag spazierten wir zum Eiffelturm und aßen im Deux Magots zu Mittag. Das hatten wir vor 13 Jahren auch getan – und ich würde es auf jeden Fall wieder tun. Nicht nur, weil es zu den traditionsreichen Etablissements zählt, wo sich literarische und philosophische Geistesgrößen getroffen haben (und auch heute noch treffen). Es ist einfach immer noch schön da und das Essen schmeckt gut. Gemütlich mäanderten wir zurück zum Hotel, wo ich erst mal ein bisschen meine Füße hochlegen musste – wir waren am Tag zuvor schon 11 km spaziert und inzwischen auch schon wieder fast 10. Später hatten wir noch einen sehr schönen Abend mit Iris in ihrer Lieblingsbrasserie. Tja, und am Sonntag reisten wir wieder nach Hause.

Hier noch ein paar Buch-Tipps für eine Reise nach Paris – und wenn sie nur vom Lesesessel aus stattfindet:

Sylvia Beach: Shakespeare and Company

Adrienne Monnier: Aufzeichnungen aus der Rue de l’Odéon

Ernest Hemingway: Paris / Ein Fest fürs Leben

Roland Barthes: Der Eiffelturm

Gertrude Stein: Autobiographie von Alice B. Toklas

Paula McLain: Madame Hemingway

Irène Némirovsky: Pariser Symphonie

Sehr leichte, etwas klischeehafte Kost war How To Be Parisian wherever you are – aber auch recht unterhaltsam und zügig durchzulesen.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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21 Antworten zu Paris für Büchermenschen

  1. Christoph schreibt:

    Das hört sich nach einem höchst gelungenen Wochenende an — nur auf die Schnecken hätte ich persönlich verzichtet. 😉

  2. Constanze Matthes schreibt:

    Ach, ich wollte schon immer mal nach Paris. Leider beherrsche ich die französische Sprache nicht und habe so meine Befürchtung, etwas scheel angeschaut zu werden. Ich meinte zu lesen, dass die Franzosen es nicht sehr lieben, wenn man mit ihnen in einer anderen Sprache (Englisch) spricht. Viele Grüße

  3. Ulli schreibt:

    Das habe ich alles voller Freude gelesen, liebe Petra, da denke ich, dass es dir wieder gut geht!?!
    Herzensgruß an dich und gerne auch an den Liebsten,
    Ulli

  4. durchleser schreibt:

    Das war ein so wunderbares Treffen, liebe Petra! Und die Durchleserin freut sich sehr über diese so schöne „Werbung“ ihrer Buchhandlung!

    Paris ist immer eine Reise wert und die Auswahl an vielen kleinen und großen Buchhandlungen ist entdeckenswert. Es gibt immer noch ca. 700 Buchhandlungen in Paris!

    Durchleserin freut sich auf das nächste Treffen und grüßt herzlich aus Paris!

  5. arnoldnuremberg schreibt:

    Danke. Deine Schilderung weckt die Erinnerung an einen lange zurückliegenden Besuch in Paris und das Lied von Chris de Burgh, „A Rainy Night In Paris“. Was für eine Stadt.

  6. gkazakou schreibt:

    Klingt nach Genuss pur, liebe Petra! Und die langen Fußmärsche und das Rumstehen in Buchhandlungen hast du schon geschafft. Es geht offenbar aufwärts! Die Freude des Reisens möge ihren Teil zum Gesundwerden beitragen. Liebe Grüße!

  7. Pit schreibt:

    Jetzt weiss ich, wo ich hin muss, wenn ich denn mal nach Paris komme.
    Danke, liebe Petra. 🙂

  8. Tobi schreibt:

    Ah Petra, ich beneide dich. Auf Paris hätte ich auch echt wieder viel Lust. Das Balzac Museum wäre auf jeden Fall ganz oben auf der Liste. Aber deinen Beitrag hebe ich mir auf jeden Fall in meinen Bookmarks auf. Gerade die Tipps zu der ein oder anderen Gelegenheit gut zu schmausen sind sehr wertvoll 😉 Und das Victor Hugo Museum wäre auch Pflichtprogramm.

    Liebe Grüße
    Tobi

  9. Sandra schreibt:

    Uh! Wir fahren bald nach Paris. Danke für die schönen Tipps. Ich stelle dann schon mal unseren Plan um… GLG Sandra

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