Gute Unterhaltung mit Allmen

In meiner Eigenschaft als persönliche Bibliothekarin meines Vaters hatte ich vor ein paar Jahren die Krimiserie von Martin Suter um den Bonvivant Johann Friedrich von Allmen entdeckt. Ich kannte bereits einige Romane Suters, etwa Small World oder Lila, Lila, oder auch seine pointierten Beobachtungen der „Business Class“; nun also Krimis. Gleich vom ersten Band Allmen und die Libellen war ich angetan, Cozy Crime mit Niveau.

Meinem Vater gefiel der Band ebenfalls. Weiter ging es mit Allmen und der rosa Diamant, Allmen und die Dahlien, Allmen und die verschwundene Maria, Allmen und die Erotik und zuletzt mit Allmen und der Koi. Möglichst gleich nach Erscheinen gekauft und von Tochter und Vater verschlungen.

Bevor wir mit Allmen begannen, hatten wir Der letzte Weynfeldt gelesen, der ja auch schon ein bisschen in die Krimi-Richtung ging. Überhaupt scheinen mir Weynfeldt und Allmen ein bisschen wie zwei Seiten einer Medaille oder zwei Möglichkeiten, Variationen bei ähnlichen Grundvoraussetzungen. Wobei Weynfeldt grundsolide und letztlich ganz schön gewitzt ist, Allmen dagegen mehr so der raffinierte Lebenskünstler, der das ererbte Riesenvermögen lustig verprasste, weshalb er sich ja nun als Privatermittler verdingen muss.

Die Fälle, die Allmen lösen soll, sind zwar zuweilen etwas konstruiert, aber letztlich bilden sie sowieso nur die Folie, vor der wir dem munteren Allmen zusehen, wie er zwischen Soll und Haben, Luxus und kriminellem Potenzial laviert (im fünften Band stiehlt er sogar ein Fabergé-Ei). Stets unterstützt von seinem treuen Diener Carlos, der alles kann, was Allmen nicht kann, und das ist eine Menge, er ist nun mal eher der schöngeistige Theoretiker.

Außer oft zumindest interessanten Fällen im Kunst-Umfeld erwarten einen noch meist eine kleine Liebschaft pro Band sowie putzige Geplänkel mit Carlos, später auch mit dessen Freundin Maria, insbesondere rund ums Thema Geld. Denn Allmen gibt zwar gern selbiges aus, windet sich aber immer peinlich berührt, wenn es beispielsweise um die Rechnungsstellung geht, als habe er das alles im Grunde nicht nötig, so als Gentleman-Ermittler, nur hat er es leider doch ziemlich nötig. Eigentlich ist er ja schon ein Hochstapler, der Allmen, dennoch sympathisch, wenn er mal wieder charmant über seine Verhältnisse lebt und mild snöbbelnd seiner Wege geht. Oder vielmehr fährt, in einer Luxuslimo mit Chauffeur natürlich.

Inzwischen sind einige Teile der Reihe auch verfilmt worden, gar nicht übel, aber mir persönlich sind die Bücher lieber. Und wie sagte mein Vater so schön nach Lektüre von Band sechs: „Also von mir aus kann der ruhig noch ein paar davon schreiben.“ Von mir aus auch!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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9 Antworten zu Gute Unterhaltung mit Allmen

  1. puzzleblume schreibt:

    Der Tipp weckt grossen Appetit darauf, es auch einmal mit dem snöbbelnden Lebenskünstler zu versuchen, vielen Dank!

  2. Susanne Haun schreibt:

    Ich bin auch so ein Allmen Fan. Genau wie du und dein Vater habe ich vorab auch den letzten Wynfeldt gelesen ähmmm gehört. 😉
    Leichte entspannte intelligent gemachte Unterhaltung 🙂
    Liebe Grüße sendet dir Susanne

  3. karu02 schreibt:

    Danke für die Lese-Hinweise. Es ist jetzt so früh dunkel, dass ich etwas mehr Lektüre benötige. Deine Empfehlungen machen die Entscheidung leichter. Danke.

  4. Pit schreibt:

    Klingt hochinteressant, liebe Petra!

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