Blick zurück: 2019, das Jahr der Frauen?

In diesem Jahr haben erfreulich viele Frauen von sich reden gemacht: Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Margarete Stokowski, die finnischen Ministerinnen und ihre Ministerpräsidentin, um nur mal einige zu nennen. Doch während sich gefühlt der Rest des Jahres über einen Literaturnobelpreisträger aufgeregt hat, hat es mich genervt, nicht mindestens genauso viel in den diversen Medien über die Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk lesen zu können. Frauenleserin Kerstin Herbert jedenfalls hat wieder zur Zählung aufgerufen, an der ich mich gern beteilige. Also, was war lektüremäßig los bei mir anno 2019?

Zu Frage Nr. 1, wie viele Bücher ich gelesen habe und wie viele der gelesenen Bücher von Frauen geschrieben wurden: Gelesen habe ich (mit Wiederlesebüchern) 52 Bücher, davon waren 37 (darunter Sachbücher, Biographien, Romane und Gedichtbände) von Frauen.

Zu Frage Nr. 2: Lesehighlights von Autorinnen gab es auch in diesem Jahr gleich mehrere, beispielsweise Invisible Women von Caroline Criada-Perez. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, wie und warum Frauen in allen möglichen Lebensbereichen überall auf der Welt benachteiligt werden, kommt um dieses äußerst erhellende Buch nicht drumrum. Der kleine Manesse-Band Erzählungen und Tagebücher von Katherine Mansfield hat mir sehr gut gefallen. Aus der Ratgebersparte (die einzigen beiden Ratgeber, die ich las) fand ich die beiden Bücher von Marjorie Hillis, Live Alone and Like it und Orchids on Your Budget sehr interessant und amüsant. An Romanen empfehle ich wärmstens Irmgard Keuns Gilgi sowie die Cazalet-Chroniken von Elizabeth Jane Howard. Letztere eine Familiensaga in 5 Bänden, beginnt kurz vor WW2 und folgt den Geschicken der verzweigten Familie Cazalet. Ich bin bereits bei Band 4, die Saga schmökert sich schön weg, ohne seicht zu sein, und eignet sich besonders für alle, die auf Downton-Abbey-Entzug sind.

Bei Frage 3 möchte Kerstin wissen, welche Autorin man für sich entdeckt habe. Eine Wiederentdeckung war für mich auf jeden Fall Katherine Mansfield. Bei ihr beeindruckt mich auch ihre Lebensgeschichte – und damit leite ich ungeheuer elegant zur 4. Frage über. Gleiches gilt für Marjorie Hillis, aber auch für Maeve Brennan, über deren Leben Michaela Karl die Biographie Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen schrieb. Von Brennan hatte ich vor Jahren einige Erzählungen gelesen, manche sehr gemocht, andere weniger. Aber dass sie vielleicht die „wahre Holly Golightly“ gewesen sein könnte, war mir neu.

Zu Frage 5, welches Buch einer Autorin ich 2020 unbedingt lesen will: Ich habe schon einige ganz hervorragende Bücher in diesem noch so jungen Jahr gelesen, zum Beispiel Sarah Kirschs Ænglisch – famos, von ihr will ich auf jeden Fall noch mehr lesen! – sowie Caroline Danneils Gedichtband hinter hand | vier auszeiten und Doris Brockmanns bezauberndes Büchlein Die Erbseninseln. Außerdem bin ich sehr gespannt auf das von Anna auf Buchpost empfohlene Habe ich denn allein gejubelt? Eine Jugend im Nationalsozialismus von Eva Sternheim-Peters. 

So, das war mein persönlicher Rückblick mit Empfehlungen für euch. Falls ihr auch bei Kerstins Blogparade mitmachen möchtet, so habt ihr dazu noch bis zum 23. Januar Zeit.

Also, auf ein neues Lesejahr!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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9 Antworten zu Blick zurück: 2019, das Jahr der Frauen?

  1. Susanne Haun schreibt:

    Dein neues Profilbild gefällt mir gut, Petra!
    Ich weiss gar nicht, wieviele Bücher ich gelesen habe! Ich schreibe kein Lesetagebuch mehr. Vielleicht sollte ich da eine Seite auf meinem Blog einrichten ;-).
    Ich habe Delia Owens mit dem Gesang der Flusskrebse entdekct, ich werde sicher mehr von ihr lesen. Nachdenklich haben mit die Zeuginnen von Adwood gemacht und Das achte Leben von Nino Hartischwile hat mir sehr gefallen. Krimis habe ich von Val McDermid gelesen, bis sie mir zu schrecklich wurden. Dörte Hansen hat mich mit ihrer Mittagsstunde unterhalten und Terésia Mora mit der Liebe unter Aliens. Und hast du das Buch über die römische Familie – Alle außer mir von Francesca Melandri gelesen oder Daniela Krien mit Die Liebe im Ernstfall gefolgt?
    Nun höre ich aber auf — danke für die Inspiration meine 2019 gelesenen Büchern von Frauen aufzuzählen. Vielleicht ist etwas für dich dabei.
    Liebe Grüße von Susanne

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke, liebe Susanne : ) Auch für deine interessanten Empfehlungen. Das achte Leben scheint insgesamt sehr gut angekommen zu sein, ich lese fast nur Gutes darüber und will es auf jeden Fall auch mal lesen. Altes Land von Dörte Hansen hatte mir ja sehr gefallen, da könnte ich doch auch mal die Mittagsstunde versuchen. Die beiden letztgenannten Bücher kenne ich gar nicht, klingen auch gut … Die Liste wird lang und länger!
      Liebe Grüße!

      • Susanne Haun schreibt:

        Liebe Petra,
        ja, das haben die Listen so an sich. Morgen werde ich mich mit einer Variation des Kommentars bei der auch auf meinem Blog an der Blogparade beteiligen. 🙂
        Hast du eigentlich Herfkunft von Stanisic gelesen? Ich war sehr fasziniert.
        Einen schönen Morgen von Susanne

        • Petra Gust-Kazakos schreibt:

          Guten Morgen, liebe Susanne! Herkunft habe ich noch nicht gelesen, aber irgendwann… Derzeit lese ich noch den Prosaband von Sarah Kirsch und diese Familiensaga. Danach dann wahrscheinlich das Buch, das Anna auf ihrem Blog besprochen hat. Dir noch einen schönen Tag!

  2. buchpost schreibt:

    Hallo Petra,
    wie schön, mal wieder einen Blick auf deine Lektüren werfen zu können. Hansen und Das achte Leben liegen oder stehen hier auch noch irgendwo – leider bisher ungelesen. Bei der Erwähnung von Howard wurde ich schon wieder kribbelig. Dem Satz „Die Liste wird lang und länger“ ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Bei der lange von mir vernachlässigten Lyrik entdecke ich gerade einige Schätze von Reiner Kunze. Danke, dass du auch auf Sternheim-Peters verweist. Das freut mich sehr.
    Dir liebe Grüße für ein rundherum gutes und gesundes 2020 und natürlich immer ein paar gute Bücher in Reichweite.
    Anna

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Danke dir, liebe Anna, das wünsche ich dir auch von Herzen!
      Hihi, dass die Howard was für dich sein könnte, dachte ich mir schon : ) Vielleicht auch ganz erholsam nach dem anderen Buch, auf das ich sehr gespannt bin. Liebe Grüße!

  3. Philipp Elph schreibt:

    Fast wäre Olga Tokarczuk in meiner Wahrnehmung wegen der Omnipräsenz Handkes in den Medien untergegangen. Ein Zufall hat mit dann ihre Bücher in die Hände gespielt. Zwar habe ich bisher nur ihr kleines herrlich illustriertes Kabinettstück „Die verlorene Seele“ gelesen, fest steht jedoch für mich, dass sie größere Aufmerksamkeit verdient hat.

  4. Pingback: Bücherzählung 2019 – Susanne Haun | Susanne Haun

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