Shelfie Nr. 17 von NeinQuarterly

NeinErst in der Zeit, dann im New Yorker, jetzt auf Philea’s Blog: NeinQuarterly aka Eric Jarosinski hat seine Bücher arrangiert für die Shelfie-Serie.

Bücher zu arrangieren – zumindest im Geiste – ist eines der Themen, über die er unter seinem Account @NeinQuarterly immer mal wieder twittert, zum Beispiel so: „Arranging my books by those I started to read, those I started to write, and those I started to resemble.“ Oder so: “Arranging my unwritten books by those that ruined my career, those that ruined my life, and those that saved my life by ruining my career.” Oder auch so: “Arranging my books by those that changed my mind. Those that changed my life. And those that changed my mind about changing my life.” Schon allein (aber nicht nur) wegen dieser Tweets schien mir Eric Jarosinski mehr als qualifiziert für die Shelfie-Serie und ich bat ihn, hier mitzumachen – zu meiner Freude sagte er zu.

Weitere Themen, die NeinQuarterly in hintergründige, oft witzige, manchmal melancholische Tweets verpackt, sind unter anderem Philosophie, Literatur, die deutsche Sprache („German is for lovers. Angry lovers. Of grammar.“) oder das aktuelle Geschehen („Yes, Switzerland, you can run from globalization. But you can’t Heidi.“). Grandios finde ich auch seine Reanimierung des guten alten Bar-Witzes mit seinen Lieblingsthemen („Hermeneutics walks into a bar. Forgets why it came in. Orders a circle of drinks.” “Habermas walks into a bar. It turns into a library. Of unread books.“) Kein Wunder, dass die Fangemeinde von @NeinQuarterly auf über 56.000 Follower gewachsen ist – und täglich werden es mehr. Sein Kultstatus beschäftigte bereits zahlreiche Medien, zum Beispiel den Spiegel, die Süddeutsche, Cicero, The Wall Street Journal, die Neue Zürcher Zeitung und die FAZ.

Aber nun lasse ich ihn selbst zu Wort kommen:

Ladenhüter. Der Erinnerung.

von Eric Jarosinski (@NeinQuarterly)

Eigentlich eine Unverschämtheit, wehrlose Bücher zu photographieren. Vor allem die eigenen. Noch schlimmer: wenn man so wenige davon gelesen hat. Und wohl weiß, dass man es auch niemals tun wird. Denn so sieht’s nämlich bei mir aus. Ich lese langsam.

Sehr.

Sehr.

Langsam.

Als Professor für Germanistik ist das nicht gerade ein Vorteil. Kann aber die glückliche Folge haben, dass man bald ehemaliger Professor für Germanistik sein wird. Bin gerade dabei.

Aber bevor ich weg von der Uni gehe, weg von den schweren Regalen im Büro, erlaube ich mir, den guten Walter Benjamin noch einmal kurz in Erinnerung zu rufen. Genauer: seinen Aufsatz „Beim Auspacken meiner Bibliothek“. Darin bittet er uns, mit ihm „in die Unordnung aufgebrochener Kisten, in die von Holzstaub erfüllte Luft, auf den von zerrissenen Papieren bedeckten Boden, unter die Stapel eben nach zweijähriger Dunkelheit wieder ans Tageslicht beförderter Bände sich zu versetzen, um von vornherein ein wenig die Stimmung, die ganz und gar nicht elegische, viel eher gespannte zu teilen, die sie in einem echten Sammler erwecken.”

Ein „Shelfie“ wäre wahrscheinlich gerade das Gegenteil von jenem Bild der Unordnung der Neuentdeckung. Das erklärt vielleicht gerade die elegische Stimmung, die ich bei Photos von Büchern manchmal spüre. Bücher die auf ihre Leser warten. Wenn sie kommen. Wenn sie sich an sie erinnern. Ob.

————–

Eric Jarosinski, 42, betreibt den Twitter Account @NeinQuarterly. Er lebt in Philadelphia und New York. Er liest langsam.

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Sehen wir uns nun an, wie NeinQuarterly seine Bücher für die Shelfie-Serie arrangiert hat:

Shelfie no. 1 von @NeinQuarterly aka Eric Jarosinski

Shelfie no. 1 von @NeinQuarterly aka Eric Jarosinski

„Freilich: das ist kein richtiges ‚Shelfie‘. Eher ein Shelfiechen. Allerdings eine meiner Lieblingsstellen im Bücherregal, dort wo viele der alten Modern Library Bände hausen. Lauter Klassiker — Dante, Gogol, Sherwood Anderson — damals in den Dreißigern und Vierzigern billig verkauft, noch billiger gedruckt. Es fehlen manchmal die Serife, manchmal ganze Buchstaben. Aber sie haben es gut, die alten Bände. Die Zeit bleibt ihnen gnädig. Meistens lese ich einen, wenn ich tagelang krank im Bett liege (Dostoyevsky). Oder wenn ich Twitter nicht mehr sehen kann (Sherwood Anderson).“

Shelfie no. 2 von @NeinQuarterly aka Eric Jarosinski

Shelfie no. 2 von @NeinQuarterly aka Eric Jarosinski

„Es stehen auch einige meiner Bücher bei meiner Freundin in New York. Eine etwas bunte, wenn nicht seltsame Mischung. Entweder geschenkt bekommen, von den Büchertischlern am Broadway gekauft oder in der Nähe der Columbia University aus dem Müll gerettet. Highlights: JM Stims Trotzdem und Hier ist Berlin (geschenkt); Ben Schotts Schottenfreude (vom Verlag geschenkt und vom Autor gewidmet) und The Lonely Crowd (aus dem Manhattaner Müll geholt).“

Herzlichen Dank, lieber Eric Jarosinski, für die Shelfies und besonders auch für die Texte dazu! Benjamins Aufsatz über seine Gedanken während des Auspackens seiner Bücherkisten gehören zu meinen Lieblingstexten über Bücher und das Lesen. Schön, sie hier wiederzufinden.

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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12 Antworten zu Shelfie Nr. 17 von NeinQuarterly

  1. literaturen schreibt:

    Arranging my unwritten books by those that ruined my career, those that ruined my life, and those that saved my life by ruining my career …grandios! Und tolle Shelfies! 😉

  2. Petra Wiemann schreibt:

    Bisher war ich der festen Überzeugung, dass ich Twitter nicht brauche. Aber nach dem Sound von Neinquarterly kann man ja süchtig werden! Also brauche ich Twitter wohl doch.

  3. Petra Wiemann schreibt:

    Danke, dass du mein Interesse dafür geweckt hast! Ich war bisher sehr skeptisch, aber es scheint sich zu lohnen.

  4. das AundO schreibt:

    NeinQuarterly sagt Ja zu einem exklusiven Blogbeitrag bei dir! Ich wiederhole andächtig meinen Tweet: Can it get any more shelfie than that?

    Buchstabenbunte Grüße
    von das A&O

  5. Martina Wald schreibt:

    Twitter und Literatur? Faszinierend. 🙂

  6. Pingback: Bookmark Selection | Freiraum

  7. Maren Wulf schreibt:

    So viele Arten, Bücher zu sortieren, so viele Arten, eine Geschichte zu erzählen!

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