Das Meer, ach, das Meer!

Viele von uns haben eine Sehnsuchtslandschaft, in die sie sich bei starker Urlaubsreife hineinträumen, eine existierende oder auch imaginierte Idylle, in die man sich gern öfter als nur in den Ferien zurückzöge, um sich zu erholen. Bei mir liegt dieser ideale Ort immer am Meer.

Dabei liegt mein Wohnort denkbar ungünstig für meine Meeressehnsucht. In die meisten Richtungen ist es mindestens acht und mehr Autostunden entfernt. Man kann natürlich auch fliegen, dann geht es schneller, aber für einen kurzen Ausflug am Wochenende ist es einfach zu weit weg. Das einzige Meer, das uns näher liegt, ist das sogenannte Schwäbische, besser bekannt als Bodensee. Der ist auch schön, aber eben kein Meer.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich gern am Meer leben, am liebsten am Atlantik oder an der Nordsee. Das liegt vermutlich daran, dass das erste Meer, das ich als kleines Mädchen sah, eines mit Gezeiten, Salzduft und wilden Wellen war, die Nordsee auf Norderney. Später kamen die Ostsee, das Mittelmeer und der Atlantik hinzu, noch später auch der Pazifik. Schon früh haben mich Reisen in bergigere Gegenden nie so begeistert wie Reisen ans Meer. Auch heute planen wir unsere Urlaube gern so, dass wir möglichst viel Zeit an Küsten verbringen, denn zum Glück ist mein Liebster auch eher der Meer- als der Bergmensch. Dabei geht es uns nicht darum, stundenlang am Strand zu liegen und uns zu sonnen. Eher am Strand entlang zu spazieren, eine Küste entlang zu fahren oder irgendwo zu sitzen und auf das Meer schauen. Am Meer zu sein, das ist es, was ich möchte. Ich fotografiere es, das Licht auf den Wellen, die Wellen selbst, die Boote, das Schwappen ans Ufer, ich mache kleine Filmchen für zu Hause, ich sammle zum xten Male und mit immer der gleichen Begeisterung Muscheln und berausche mich an ihren Farben und Formen. Und ich könnte stundenlang einfach nur da sitzen und auf das Meer sehen. Als müssten sich meine Augen mit dem Anblick vollsaugen, damit es für die meerlose Zeit zu Hause reicht. Aber natürlich reicht es nie.

Warum diese unglaubliche Sehnsucht nach dem Meer? „Das Meer betrachten heißt das Leben/alles betrachten“ (“Regarder la mer c’est regarder le tout”) – dieses schöne Zitat von Marguerite Duras steht auf einer Gedenktafel am „Hôtel des Roches Noires“ in Trouville. Bedeutet es auch für mich, alles zu betrachten? Oder ist es eher meditativ, zutiefst beruhigend, aufs Meer zu schauen, die Gedanken kommen und gehen zu lassen wie die Wellen, sich leichter zu fühlen, als würde man wie schwerelos im Wasser schweben …

Ich lese übrigens auch gern Romane und andere Texte, in denen das Meer eine Rolle spielt. Die bisher schönsten Beschreibungen vom Meer fand ich in Eduard von Keyserlings Roman Wellen. Sehr genossen habe ich die Erzählungen Undine Gruenters in Sommergäste in Trouville. Herrlich melancholisch war Allard Schröders Der Hydrograf. Sehr vergnüglich und erstaunlich wenig schwärmerisch lasen sich die Texte im maritimen Raben. Wunderschön anzusehen der Bildband Ernst Haeckel. Kunstformen der Natur – Kunstformen aus dem Meer.

Mit dieser kleinen Leseliste hoffe ich, weiteren Meeressehnsüchtigen die Zeit bis zum nächsten Besuch des Meeres ein wenig versüßen zu können (oder müsste es im Falle des Meeres eher „versalzen“ heißen?).

Über Twitter bzw. @TanjaPraske wurde ich auf die Blogparade „Was bedeutet mir das Meer“ aufmerksam. Vielleicht habt ihr auch Lust mitzumachen? Sie läuft noch bis zum 25. Juli und begann parallel zur Ausstellung „Europa und das Meer“ im Deutschen Historischen Museum, Berlin. Weitere Infos dazu finden sich hier.

 

 

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
Dieser Beitrag wurde unter Gedanken & Notizen abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

27 Antworten zu Das Meer, ach, das Meer!

  1. Petra Wiemann schreibt:

    Ich bin zwar eher ein Bergmensch, aber Literatur über das Meer lese ich dennoch sehr gern. Mit dem Meeresforscher hast du mich schon vor längerer Zeit in Versuchung geführt, das muss jetzt her! Danke für diesen schönen Text!

  2. juneautumn schreibt:

    Liebe Petra,

    das geht mir absolut genauso. Und ich war schon so lange nicht mehr da, es wird wirklich Zeit, wieder etwas Meeranblick zu genießen.

    So lange werde ich mich in Gedanken hinbegeben und wünsche einen schönen Abend!

  3. Tanja Praske schreibt:

    Liebe Petra,

    so wunderbar – merci für dein #DHMMeer! Träumen und Lestipps, wie perfekt!
    Ich liebe den Atlantik, das Stürmische und Gefährliche dort. Zugleich einer der Gründe, warum ich mit meinen Kids dort noch nicht war. Bin wohl ein Angsthase. Ob sie dann nochmals ans Mittelmeer wollen, weiß ich nicht. Was ich aber weiß ist, dass du mich für Urlaubslektüre am Meer inspiriert hast. Wir sind wieder in Südfrankreich, Zeit zum Lesen satt!

    Ich liebe Twitter, wenn es zu solch wunderbaren Posts kommt – ein dickes Dankeschön dafür!

    Herzlich,
    Tanja von KULTUR – MUSEUM – TALK

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Tanja,

      das Thema dieser Blogparade und die bisherigen Texte gefallen mir sehr. Es gibt so viele Aspekte, so viele Möglichkeiten, das Thema anzugehen. Und ich freue mich, wenn ich dich für deine Ferienleseliste ein bisschen inspirieren konnte : )

      Herzliche Grüße
      Petra

  4. Ulli schreibt:

    Liebe Petra, ich schaue auch gerne dem Meer bei seinem Vor und Zurück zu, es ist eine Meditation und sehr, sehr gerne gehe ich mit nackten Füßen an seinem Wellensaum entlang. Aber ich weiß auch um die Tücken und die Gefahren des Meeres, Sturm und Gewitter zeigen schnell, dass das Meer nicht nur ein Sehnsuchtsort ist.
    Wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich mittlerweile einen See vorziehen, gerne in der Nähe eines Meeres…
    liebe Grüße, Ulli

  5. Pit schreibt:

    Hallo Petra,
    wie haben schon die alten Griechen gerufen? „Thalatta! Thalatta!“, wenn ich mich recht erinnere. Wir sind auch gerne an der Kueste, und bis zur Golfkueste sind es fuer uns „nur“ knapp 4 Stunde, Leider zu lang fuer einen Tagesausflug. Das war frueher, von Karnes City aus, mit knapp 2 Stunden fuer eine Strecke, besser. Aber fuer ein paar Tage fahren wir gerne mal hin. Dauernd dort leben moechten wir aber niocht, auch wenn wir uns auch dort, bevor wir von Karnes City weggezogen sind, nach Haeusern umgesehen haben. Aber uns war das Klima dort, mit ziemlicher Schwuele eigentlich das ganze Jahr ueber, doch nicht recht. Wenn Kueste, dann waere es wohl eher die noerdliche Ostkueste oder Kalifornien. Aber auch hier gefaellt es uns sehr. Ich denke, wir werden den Kuestenbesuch unserem Urlaub vorbehalten.
    Danke fuer die Inspirationen und liebe Gruesse aud einem recht heissen Fredericksburg,
    Pit

  6. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    schön von dir zu lesen, ich hoffe, es geht dir so gut, wie es nur möglich ist!
    Ich mag das Meer auch sehr gerne und kann stundenlang den Wellen zuschauen, lesen, zeichnen und schreiben.
    Sehr empfehlen kann ich dir das Buch „Das Meer – Geschichte der ältesten Landschaft“ von Dieter Richter und „Meereslust“ von Alain Corbin.
    Beides sehr gelungene Werke mit Geschichten zum Meer.
    Liebe Grüße aus Berlin von Susanne

  7. Tobi schreibt:

    Liebe Petra,

    ein sehr schöner Beitrag. Das was du schreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Keyserlings Wellen habe ich erst im Urlaub gelesen. Unterm Sonnenschirm am Meer. Das ist ein besonderer Genuss und davon wird auch mein nächster Blogbeitrag handeln.

    Aber auch sonst liebe ich das Meer in Literatur. Ich würde mich nun nicht als Berg- oder Meermensch kategorisieren, denn Natur und schöne Landschaften können mich immer sehr begeistern. Aber ich habe immer Reisen zu Inseln geliebt, wo das Meer immer da ist, mit seinen Geräuschen, Gerüchen und dem schönen Licht, seiner Unendlichkeit und den Wellen, die da immer wieder heranbranden, mit einer beständigen Ruhe und Beharrlichkeit. Das Liebe ich in Büchern auch und ich habe echt viele, in denen das Meer ein heimlicher und manchmal auch ganz offener Hauptakteur ist.

    Liebe Grüße
    Tobi

  8. perlengazelle schreibt:

    Sehr schöne Lektüre-Empfehlungen, liebe Petra. Ich kann nicht genug kriegen vom Meer und von Meeresbüchern. Die Wellen haben mir auch sehr gut gefallen. Und dazu dann das Chanson „La mer“ von Charles Trenet. 🙂
    LG Marion

  9. gkazakou schreibt:

    Liebe Petra du weißt. ich bin ein Meermensch, und ich würde am liebsten in einem Haus leben, dessen Sockel vom Meer bespült wird. aber auch so sind wir ja ziemlich nahe dran 🙂
    Sicher kennst du das zauberhafte, „Oceano Mare – Das Märchen vom Wesen des Meeres“. von Alessandro Baricco? Wenn nicht: Lesen und genießen. Sei herzlich gegrüßt und umarmt.

  10. tontoeppe schreibt:

    Ich bin definitiv ein Meermensch: Fische, Wellen, Wellenklang, Muscheln, Seesterne, Donnerkeile, Hühnergötter, Möwengeschrei, Buhnen… ich könnte ewig so weiter aufzählen. Ein schöner Beitrag, Petra. Liebe Grüße.

  11. kopfundgestalt schreibt:

    Für mich das Wichtigste und Schönste: Am Meer entlang gehen zu können. 🙂

  12. Pingback: Märchenhaftes! Wie das Salz ins Meer kam - #dhmmeer

  13. Susanne Haun schreibt:

    Liebe Petra,
    nur einen kleinen Gruß aus dem heute mal zum Glück mit Wolken bedeckten Berlin 🙂
    Ich denke an dich, Susanne

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s