Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 3

Gefahren des Lesens: Staub & Schädlinge, Abb. 1

Gefahren des Lesens: Staub & Schädlinge, Abb. 1

Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser, zum dritten Teil der kleinen Serie mit wertvollen Tipps & Tricks zum Überleben mit der Bibliophilie (oder Bibliomanie) für den Alltag. Diesmal geht es um Bücherschädlinge und Staub und ob resp. wie man ihnen beikommen kann.

Tl;dr: Gegen die Bücherschädlinge kann man wenig tun, gegen Staub aber schon.

Bücherschädlinge und Staub gehören zu den direkten Nebenwirkungen, ja Gefahren des Lesens. Wer gern liest, hat viele Bücher, diese stauben ein und/oder können von Bücherschädlingen befallen werden, was wiederum eine Gefahr für die Lektüre bedeutet, da die Bücher daran Schaden nehmen können, und natürlich für die Leserinnen und Leser, die dann das Buch eventuell nicht mehr im ursprünglichen Zustand lesen können.

Bücherschädlinge

Googelt man „Bücherwurm“, so findet man zunächst erst mal keine Schädlinge, sondern unter anderem (Online-)Buchhandlungen dieses Namens, womit sich wieder einmal die Frage stellt, wieso man Menschen, die gern lesen, nach Schädlingen oder wenig beliebten Tieren (Bücherwurm, Leseratte) nennt (eine Frage, der ich auch in den Gefahren des Lesens nachgehe. In der Wikipedia gibt es dann einen kleinen Eintrag zur Sache: Bücherwurm stehe für „die Larven verschiedener Nagekäferarten, deren Lebensraum ursprünglich trockenes Totholz ist und die im Wohnumfeld des Menschen aber auch Möbel, Bücher oder trockene Nahrungsmittel wie Brot befallen. Ein typischer Vertreter ist der Brotkäfer“. Forscht man weiter, so finden sich dort außerdem Einträge zu Bücherläusen und Bücherskorpionen, die sich wiederum u. a. von Bücherläusen ernähren.

Hilfreicher ist hier Hektor Haarkötters Werk Der Bücherwurm, das sich eingehender mit diversen Bücherschädlingen befasst. So habe der Bücherwurm schon früh Erwähnung gefunden, u. a. bei Aristoteles, Horaz und Vitruv [Der Bücherwurm, S. 13]. Erstmals gesichtet unterm Mikroskop habe ihn im 17. Jahrhundert Robert Hooke [S. 17]. Im 18. Jahrhundert habe Johan Leonhard Frisch in seiner Beschreibung von allerley Insekten in Teutschland den Schädling erstmals beschrieben [S. 19]. Und im 19. Jahrhundert habe William Blades gar versucht, zur genaueren Untersuchung Bücherwürmer zu halten [S. 23 ff.]. Am Ende des 19. Jahrhunderts habe Pater John O’Conor 72 Bücherschädlinge in seinen Facts About Bookworms beschrieben [S. 27]. Haarkötter weist zudem darauf hin, dass es sich bei der Bücherlaus gar nicht um einen Bücherschädling handle, da sie eher an „Pilzbelägen und Schimmelwucherungen“ interessiert sei [S. 41]; das macht sie ja fast zu einem Bücherbeschützling. Hingegen hätten Ratten und Mäuse durchaus einen negativen Einfluss auf Bibliotheken [vgl. S. 39].

Doch was tun? Laut Haarkötter seien die Ratschläge zur Bekämpfung der Schädlinge zwar zahl-, aber selten hilfreich. Besonders skurril ist sein Verweis auf die „Archivtechnische Woche“, die 1957 an der Archivschule Marburg stattfand und bei der etliche extreme Mittel zur Bekämpfung der Schädlinge vorgeschlagen worden seien, u. a. Nervengifte [S. 38 f.]. Da dies keine gute Idee scheint, müssen wir wohl unsere Bücher weiterhin gelegentlich auf Spuren tierischer Schädlinge sichten und hoffen, dass wir keine finden.

Staub

Einfacher ist’s beim Staub, der ebenfalls zu eine Gefahr für unsere Lektüren werden kann: „Zu eng stehende Bücher sind besonders gefährdet, da einstellen oder entnehmen schlecht möglich ist, zudem beschädigen eventuell vorhandene Schließen und Beschläge die benachbarten Bände. Stehen die Bücher dagegen zu locker, kann von oben leicht Staub eindringen, und die Buchblöcke hängen durch, wodurch sich langfristig der Buchblock im Einband löst.“ [Aufbewahrung, Handhabung und Pflege von Büchern. Ein Beitrag von Dag-Ernst Petersen, Wolfenbüttel]

Um Staub zu bekämpfen, können wir zu verschiedenen Mitteln greifen, das traditionelle Staubtuch reinigt die Regale zuverlässig und die moderne Version des Staubwedels wedelt selbigen von den Oberkanten und Rücken der Bücher; stärker entstaubt das Spezialbürstchen, das man als Variation auf dem Staubsaugerrohr befestigen kann, um dann – bei kleiner Stufe – sanft über Oberkanten und Buchrücken zu fahren (s. Abb. 1).

Gefahren des Lesens: Im Einsatz gegen Staub - die Bücherbürste, Abb. 2

Gefahren des Lesens: Im Einsatz gegen Staub – die Bücherbürste, Abb. 2

Meine neueste Erwerbung ist die Bücherbürste (s. Abb. 2), „aus edlem, geölten Birnbaumholz, Ziegenhaar und Borste gefertigt“. Wie es in der Beschreibung zu jener Spezialbürste heißt, seien die kräftigen Borsten zum Lösen des Staubs gedacht, während das weiche Ziegenhaar jenen gelösten Staub entferne bzw. aufnehme.

Leider kann man ja nie auf Vorrat putzen bzw. abstauben, weswegen sich Woche für Woche erneut der Staub auf unseren Büchern und Hinstellerchen ansiedelt. In diesem Zusammenhang fällt mir der Dokumentarfilm über Quentin Crisp (1908 – 1999) ein, jener „Englishman in New York“, den Sting besang. Crisp nämlich staubte niemals ab in seiner Wohnung und wenn ich mich recht entsinne, sagte er irgendwo den tröstlichen Satz, dass es nach vier Jahren nicht schlimmer werde, also der Staub dann quasi seine Maximalhöhe erreicht habe.

Bis bald wieder bei den Tipps & Tricks!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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18 Antworten zu Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 3

  1. gkazakou schreibt:

    Aber ach, die Rättchen!

  2. SätzeundSchätze schreibt:

    Ich werde, denke ich, die Crisp-Methode in Erwägung ziehen. Die vom Staubwischen völlig erschöpfte Birgit

  3. Trippmadam schreibt:

    O.k., dann warte ich einfach noch drei Jahre mit dem Abstauben. Danke, Herr Crisp.

  4. Pingback: [Philea’s] Gefahren des Lesens: Tipps & Tricks, Nr. 3 – #Literatur

  5. puzzleblume schreibt:

    „Wurm“ hat man früher ja auch einen Drachen genannt und dann wird der „Bücher-Wurm“ wieder sinnvoll zum Bewacher und Bewahrer von Buch-Schätzen. Wahrscheinlich ist aber auch, dass Entstauben durch Feuersbrunst wenig empfehlenswert ist und die Erklärung, weshalb Besucher sagenhafter Drachen letztlich immer nur Goldschätze dort gesehen haben.

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