Küchengeschichten

Jüngst hat mir ein lieber Twitterkontakt (merci, @bierino!) Fein gehackt und grob gewürfelt. Der Pedant in der Küche von Julian Barnes empfohlen. Da ich zwar nicht sehr viele „echte“ Kochbücher besitze, aber gern über das Kochen lese, besorgte ich mir das wirklich witzige und lesenswerte Buch.

Kochen ist ja ein Thema, das alle passiv oder aktiv beschäftigt. Immer mehr Menschen scheinen gern zu kochen, vielleicht empfinden sie es als entspannend, sind experimentierfreudig, haben gern Gäste, essen gern etc. Manche entwickeln darin geradezu eine Meisterschaft und besitzen die unglaublichsten Gerätschaften zur Herstellung köstlichster Speisen – die sie tatsächlich benutzen! Ein guter Freund beispielsweise verblüfft mich bei fast jedem Besuch mit einer neuen diesbezüglichen Anschaffung und verwöhnt mich dabei noch mit wunderbaren Gerichten – für die ich schlichtweg zu bequem wäre.

Bevor ich nun also über das Buch erzähle, komme ich noch ein bisschen vom Hölzchen aufs Kochlöffelchen: Auch ich habe gern Gäste und natürlich esse ich sehr gern. Allerdings bin ich eine ziemlich faule Köchin, verglichen mit besagtem Freund. Es gibt ein paar Gerichte, die mir sehr gelingen und die ich unheimlich gern koche und verzehre, beispielsweise mein Stifádo, das ich einst in Culinaria. Griechenland fand und – wie so viele Kochende – an meine Geschmacksknospen anpasste und etwas abwandelte. Mein Liebster macht eine Spaghetti Puttanesca, die in keinem italienischen Restaurant wohlschmeckender zu finden ist (ich habe etliche getestet!). Aber wir essen auch mal gern Fischstäbchen mit Spinat, nehmen Vorlieb mit kalter Küche mit Durchzug oder bestellen eine Pizza.

Meine Mutter ist eine großartige Köchin, bei ihr schmeckt alles. Zudem gingen wir oft und gern essen, wobei mich mein Vater frühestmöglich mit den Genüssen von Schnecken, Muscheln etc. bekanntmachte. Meine kulinarische Sozialisierung verlief also sehr erfolgversprechend. Allerdings lehrte mich meine Mutter das Kochen erst sehr, sehr spät, da sie wohl fürchtete, ich würde nur Chaos und vor allem Spritzereien verursachen. In der Studentenzeit fuhr ich offenbar meine Ansprüche etwas herunter, mein Liebster und ich konnten uns auch an einer Dose Ravioli erfreuen (geht heute gar nicht mehr) und nie werde ich die unglaubliche Zubereitungsart eines Freundes vergessen, dem es möglich war, aus Nudeln und Ragout fin aus der Dose ein Gericht in einer Kaffeemaschine herzustellen.

Wichtige Utensilien in meiner Küche: Obstschale, Nespressomaschine, Tablett. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Es gab eine Phase, in der mein Liebster und ich viel kochten (nach dem Studium) und sehr viel probierten. Aber anscheinend nur, bis wir unser nötiges Repertoire zusammenhatten, um sowohl uns als auch Gäste zu erfreuen. Neulich kam lieber Besuch, der nach vorheriger Absprache völlig zufrieden war mit Baguette, Pasteten und Käse, die zu Wein etc. gereicht wurden. Das ist natürlich sehr angenehm, denn der ganze Stress, nach einem Arbeitstag einzukaufen und irgendwas Dolles zu kochen, entfiel. Außerdem gab es mir das schöne Gefühl, dass es in erster Linie wirklich darum ging, einen schönen Abend mit uns zu haben.

Ein kleines Regal für Kochbücher in unserem Küchenbüffet, Foto: © Petra Gust-Kazakos

Also wenig eifrige Köchin besitze ich auch nur wenige Kochbücher. Und viele davon sind eigentlich gar keine echten Kochbücher, sondern beispielsweise ein Roman mit Rezepten, wie Die kulinarischen Abenteuer des Frau Bartolo oder eine literarische Spielerei wie Die Suppe des Herrn K.

Sicher einer der Gründe, warum mich denn auch das Buch von Julian Barnes interessierte. Und es ist wirklich herrlich! Der Autor scheint ein fleißigerer Koch zu sein als ich es bin und macht sich viele vergnügliche Gedanken über Mengenangaben (wie viel genau ist eigentlich eine Prise Salz?), überflüssiges Küchengerät, das man irgendwann anschaffte und am Ende nie benutzte, über das Variieren von Rezepten oder auch die wandelhafte Geschichte der Roten Beete. Dazwischen gibt es tatsächlich auch einige Rezepte und viele Kochbuchempfehlungen.

Noch ein wichtiges Utensil, weniger das Olivenkraut und das Basilikum, sondern der kleine Kaktus dazwischen. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Mir hat das Buch viel Spaß gemacht und ich empfehle es euch allen, ob ihr pedantisch kocht oder nicht – denn essen müssen wir ja alle.

Stipst man den Kaktus nämlich an, sieht man, dass er eigentlich ein Zahnstocherbehälter ist. Foto: © Petra Gust-Kazakos

Mein Stifádo:

(für 4 Personen)

1 kg Rindergulasch (Lamm lohnt sich fast nicht, da die Soße sehr kräftig schmeckt und feinere Fleischsorten, z. B. auch Kaninchen, kaum durchschmecken)

1 kg kleine Zwiebeln (oder Schalotten und die dann einmal durchschneiden)

500 g passierte oder gestückelte Tomaten (Dose/Karton)

250 ml Mavrodaphne (ein griechischer Likörwein)

2 Lorbeerblätter

1/2 TL Zimt

1 rote Paprika

Salz, Pfeffer

Ingwerstück (etwa 1,5 x 1,5 cm)

Kreuzkümmel

4 Nelken

Olivenöl in einen großen Topf/Bräter geben und das Fleisch von allen Seiten gut anbraten. Zwiebeln schälen, evt. einmal durchschneiden und dazugeben, kurz dünsten, Tomaten dazu, aufkochen lassen. Dann den Wein zugießen. Ingwer zerkleinern und mit den anderen Gewürzen beigeben und umrühren. Falls das Fleisch noch nicht ganz von Tomaten und Wein bedeckt ist, mehr Wein rein. Deckel drauf und 1 Stunde köcheln lassen. Länger geht auch, Hauptsache, der Sud ist gut eingekocht.

Dazu passt Weißbrot oder auch Kritharaki (griechische Nudeln). Am besten schmeckt’s eigentlich am nächsten Tag, deswegen bereite ich das Stifádo für Gäste immer einen Tag früher zu.

Übrigens habe ich das Rezept auch schon abgewandelt und eine Art „herbstliches Gulasch“ draus gebastelt, das uns genauso gut schmeckt wie Stifádo. Dazu braucht es nur 500 gr Zwiebeln (statt 1 kg), 1 Tüte Softfeigen und 2 Päckchen von diesen praktischen vorgekochten Maroni. Tomatensoße und Paprika entfallen und statt Mavrodaphne nimmt man Weißwein, Zimt weglassen. Man kann auch noch eine Birne reinschnippeln und mitköcheln. Schmeckt großartig!

Über Petra Gust-Kazakos

Fiel als Kind in eine Buchstabensuppe; Femme de lettres, virtuelle Salonière, Public Relations Managerin, Autorin, stets lese- & reiselustig https://phileablog.wordpress.com/
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14 Antworten zu Küchengeschichten

  1. haushundhirschblog schreibt:

    Oh! Entweder reicht meine Vorstellungskraft oder mein technisches Verständnis nicht aus,
    „… Nudeln und Ragout fin aus der Dose in einer Kaffeemaschine herzustellen.“ Aber jetzt krieg ich diese feine Anekdote auch nicht mehr aus meinem Kopf … herrjeh!

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ich bekomme das leider auch nicht mehr genau zusammen, wie er das machte, ich glaube, die Nudeln kamen in die Kanne, dann kam das heiße Wasser per Filter dazu. Es garte und hernach wurde der Doseninhalt mit den Nudeln vermischt und noch etwas gewärmt (vermutlich wurde zwischendurch das Kochwasser abgeschüttet). War jedenfalls sehr lustig : )

    • Lakritze schreibt:

      Ja, das hat mich auch stirnrunzelnd hinterlassen … Ob man die Kaffeemaschine hinterher wegwerfen mußte?

  2. buechermaniac schreibt:

    Kochen in der Kaffeemaschine, echt Petra, das ist die Hammergeschichte! 🙂 Hat die Maschine das auch überlebt? Es gibt immer Leute, die sind wahre „Meister“ in der Küche. In unserer Nachbarschaft hat mal einer die Ravioli in der geschlossenen Dose in die Wasserpfanne gestellt. Die Dose ist explodiert – die Küche danach hätte ich sehen wollen!

    Ich koche leidenschaftlich gerne, aber nur Sachen, die mich nicht gerade den ganzen Tag in der Küche verbringen lassen. Es stehen viele Kochbücher in meinen Regalen, etliche habe ich auch wieder weggegeben. Inzwischen sind viele Rezepte aus Kochmagazinen in selbstangelegten Kochbüchern eingeklebt und oft suche ich trotzdem etwas Neues. Unter der Woche geht es bei mir meistens einfach zu und her. Gerade wenn es so heiss ist, gibt es auch mal nur einen Fitnessteller, Salate und Obst. Aber der Samstagabend ist mir heilig. Da lasse ich mich meistens auf einen Drei-Gänger ein. Morgen haben wir wieder einmal Gäste, da habe ich mir etwas Schönes einfallen lassen und mein Partner muss noch los, um bei seinen Brüdern auf dem Berghof leckeren Alpkäse und selbstgemachte, geräucherte Wurst zu holen. Er sagt immer: „Mach was Einfaches“. Aber Einfaches kann man auch zu Hause haben. Zu speziellen Anlässen gehört für mich auch etwas Spezielles. Da bin ich eigen. Wenn es einfach sein soll, dann muss es trotzdem lecker sein, ein frisch gebackenes Brot, Käse und Wein oder eine delikate Suppe, dann bin ich glücklich.
    Das Stifádo klingt lecker, ich liebe Schmorgerichte und Eintöpfe, und die meisten schmecken aufgewärmt wirklich besser. Ich werde dieses Gericht einmal ausprobieren.

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Die Kaffeemaschine hat das in der Tat jedes Mal gut überstanden. Anscheinend hat mein Freund diese Zubereitungsweise aus seiner Internatszeit gelernt, da durfte man natürlich keinen Herd oder eine Kochplatte im Zimmer haben, aber eben eine Kaffeemaschine – Not macht erfinderisch ; )
      Drei Gänge, wow, da würde ich mich gern mal einladen, noch dazu mit Alpkäse, dessen Herkunft ihr sogar genau kennt, und selbst gemachtem Brot, klingt super lecker, was du da alles aufzählst : )

  3. Georg Mühlenkamp schreibt:

    Eine weiter Abart der Küchengeschichte: die Speisen in Plastikfolie einzuschweißen und in der Geschirrspülmaschine bei 60 Grad langsam gaaren. Gruselig, oder?
    Danke für das Rezept, das mir schon am Frühstückstisch sitzend Lust auf Mehr macht.Die Wartezeit werde ich gerne mit dem von dir vorgestellten „Die kulinarischen Abenteuer des Fra Bartolo“ vertreiben. Allerdings mache ich erst einen Abstecher ins Eis um nach KBs Geburtswünschen an Stan Nadolny endlich die Langsamkeit zu entdecken.
    Herzliche Grüße aus Berlin
    Georg

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Ach du liebes Bisschen! Das ist ja auch eine tolle Geschichte, lieber Georg : )
      Wenn du das Rezept probiert hast, würde mich interessieren, ob es bei dir geklappt hat und wie es dir schmeckte. Ich habe nämlich in der „Zeit“ einen interessanten Artikel einer Sprachwissenschaftlerin gelesen („Man nehme: Präzision“), in dem es um Rezepte in Kochblogs geht, die häufig nicht so praktikabel sind, weil sie es an Präszision missen lassen …

      • Georg Mühlenkamp schreibt:

        Liebe Petra, nein ich las davon. Ich selber koche leidenschaftlich gerne und dazu gehört den Deckel zu lüften, schnuppern, probieren. Ich besuche aus Studienzwecken gelegentlich chefkoch.de. Es ist ungeheuerlich was Menschen den armen Möhren, Kartoffeln, Gänsebrüsten, Rehrücken, Kirschen und Johannisbeeren antun. Meistens im Namen der (längst verstorbenen) Großmutter, denn die kann sich ja nicht mehr wehren. Ich esse lieber weniger, aber dafür (richtig) gut. Herzliche Grüße Georg

  4. Heidrun schreibt:

    Liebe Petra, irgendwie muss ich daran denken, Dir eine Leseecke in meiner Küche – genau auch mit dem einen oder anderen Kochbuch (?) – avisiert zu haben 😉

    Ist das noch relevant, dann kann ich dies im August – demnächst – umsetzen?!

    Grüßle von Heidrun

    PS: Zum LiteraturKREIS ist mir der Gedanke gekommen, dass dies als CUG im Facebook auch interessant laufen könnte, da sich auf diese Weise mehrere gleichzeitig lesen und mitschreiben / kommentieren können … Was meinst Du dazu?

    • Petra Gust-Kazakos schreibt:

      Liebe Heidrun, ich würde mich nach wie vor sehr über dein Leseplätzchen freuen : )

      Und was FB angeht: Es gibt da einige schöne Gruppen, in zweien bin ich auch. Dort werden Bücher vorgestellt bzw. es wird sich darüber ausgetauscht. Es sind diese beiden Gruppen nun keine expliziten Lesezirkel, weshalb sich Diskussionen zu einem Buch immer nur zwischen jenen ergeben, die das Buch zufällig auch gelesen haben, was für mich völlig okay ist.

      Ich lese ja ziemlich kreuz und quer durch die Zeiten und Sparten (wobei mich einige Sparten mehr, andere auch einfach gar nicht interessieren) und fast immer parallel mehrere Bücher. Ich stelle es mir schwer vor, ein Buch zu finden, dass alle Teilnehmenden gleichermaßen interessiert. Es sei denn, in einem solchen Zirkel finden sich beispielsweise lauter Krimifans, die gern Neuerscheinungen lesen. So fürchte ich, dass ich für einen Zirkel nicht so gut geeignet wäre, weil mir schon von selber ständig so viele interessante Bücher begegenen, dass ich gar nicht weiß, wie ich hinterherkommen soll ; ) So many books, so little time …

      • Heidrun schreibt:

        Liebe Petra,
        Du triffst den Nagel auf den Kopf – so viele Bücher inkl. ebooks und auch meine Fachzeitschrift (PAGE) wollen gelesen werden – und es ist jeweils schwierig das mit dem Alltag zu vereinbaren. Mitunter bin ich auch zu müde und die Augen brennen; dann nehme ich gerne auch ein Hörbuch (davon haben wir nur im Moment noch ganz wenige).

        FB war so eine Idee, aber es ist mir bewußt, dass das einen noch größeren Aufwand bedeutet – und der nächste Ansatz, zwei (mindestens) Leute zu treffen, die genau an einem und dem gleichen Buch zur selben Zeit lesen und darüber sprechen wollen .. ..

        Aber es ist noch nicht aller Tage Abend und ich aktiviere gerade meine Freundinnen für den Herbst beginnnend, dass wir uns zu einem realen Zirkel in dem GenussCafe hier in der Nähe, in Lützelburg treffen. Bin selber gespannt, was sich da entwickelt .. ..

        Und
        das Küchen-Koch und Lese-Plätzchen werde ich jetzt in Angriff nehmen und poste demnächst!
        Bis zu meinem – beruflich – größeren Projekt (.. hier geht es übrigens um das Thema
        Inklusion ..) habe ich gerade ein wenig Luft.

        Dir wünsche ich erst einmal einen wärmeren Sonntagabend, den wir hier
        haben und einen guten Start in die Woche
        Heidrun

  5. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Liebe Heidrun, so einen Lesezirkel mit Freundinnen im echten Leben ist vermutlich einfacher auf die Beine zu stellen als mit teilweise doch nicht so nahen Bekannten auf FB. Ich wünsche dir dabei jedenfalls viel Erfolg und Vergnügen, das klappt bestimmt : ) Und auf deinen Beitrag freue ich mich sehr. Liebe Grüße und viel Sonnenschein für die nächste Woche!

  6. Lakritze schreibt:

    Ich bin keine Köchin, aber das Gericht klingt köstlich! Werde das Rezept mal dem Leibkoch unterjubeln …
    Es gibt in den USA eine ganze Kultur des Fleischgarens im Motorraum; man kann wohl je nach Fahrtstrecke verschiedene Gerichte zubereiten.

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